Nische hinter dem Hauptaltar der Palastkapelle von Chambéry - im Stammhaus der Savoyer. Hier wurde das Grabtuch von 1453-1578 aufbewahrt.
©Paul Badde
Die Reise von Christus' Tuch
Eine Spurensuche – spannend wie ein Historienkrimi
Viele zweifeln an seiner Echtheit. Doch die Indizien sprechen dafür: Jesus wurde nach seinem Tod in „Das Grabtuch von Turin“ gewickelt. In seinem gleichnamigen Sachbuch trägt der Historiker, Korrespondent und Bestsellerautor Paul Badde die Fakten zusammen. Dabei zieht er die vier Evangelien zu Rate und zahlreiche Quellen aus dem Mittelalter. Hinweise auf das Tuch gibt es nicht nur in Jerusalem, sondern überall in Europa.
Millionen reisen in diesem Jahr nach Turin, um dort ein 4,36 x 1,10 m großes, mit mysteriösen Flecken übersätes Leinentuch zu betrachten. Im letzten Jahrhundert wurde dieses Tuch nur viermal gezeigt. Es ist uralt. Blutflecken sind darauf, Brandlöcher, faszinierende Pollenspuren. Dazwischen erscheint das schattenhafte Bild eines Gekreuzigten. Jedes Detail entspricht exakt dem, was die vier Evangelisten in der Bibel über die Kreuzigung von Jesus im Jahr 30 berichten. Ist es wirklich echt – oder doch nur eine mittelalterliche Fälschung?
Das Dokument für die Leiden des Herrn wurde versteckt und tabuisiert
Seit Jahrzehnten tobt ein Forscherkrieg um die Echtheit des Grabtuchs. Der Historiker Paul Badde geht von der Echtheit des Grabtuchs aus. In seinem aktuellen Buch „Das Grabtuch von Turin“ führt er neue Thesen und Beobachtungen ins Feld. So verlangte in der jüdischen Umwelt die kultische Unreinheit des Leichentuchs eine strikte Geheimhaltung für Jahrhunderte. Interessant, denn trotz des Tabus behandelten es die ersten Christen von Beginn an als Beweis für Jesus Geschichte. Mit der Entnahme machten sich seine Anhänger zu Sündern. Deshalb mussten sie das Grabtuch zum Selbstschutz vor der Allgemeinheit verstecken. Diese Entnahme gilt als die inoffizielle Geburtsstunde des Christentums. Die „neuen“ Christen begannen zu diesem Zeitpunkt erstmals eigene Bräuche an die Stelle der jüdischen zu setzen.
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Lange verschollen und der Zerstörung nur knapp entkommen
Paul Badde verfolgt in seinem Buch den steinigen Weg des Tuchs auf spannende Weise: von seiner Rettung aus Jesu Grabhöhle, über seine Reise quer durch Vorderasien und Europa, bis in die Neuzeit. Das Tuch war vielen Gefahren ausgesetzt. Oft entrann es nur knapp seiner Zerstörung. Zuletzt im zweiten Weltkrieg, als man beschloss, es in einer kleinen Kapelle zu verstecken – und nicht wie geplant in Monte Casino, das fast vollständig vernichtet wurde. Während der französischen Revolution versuchten die Jakobiner es bei einem Angriff auf die Kapelle der Savoyer zu vernichten. Doch kurz zuvor wechselte das Schicksal wieder den Aufenthaltsort des Leinentuchs.
Auf wundervolle Weise wird man zum Augenzeugen Jesu
Paul Badde bietet in „Das Grabtuch von Turin“ einen Querschnitt durch die europäische Kulturgeschichte und die Rolle, die das Christentum dabei spielte. Er entschlüsselt die geheime Botschaft des Grabtuchs und anderer phantastischer Bilder. Und hält ein Plädoyer für die Authentizität des von vielen Gläubigen verehrten Heiligtums. Nie gesehene Fotos und die spannende Darstellung der Reise lassen den Leser auf wundervolle Weise zu Zeitgenossen und Augenzeugen Jesu werden.
Der Autor
Paul Badde, geboren 1948, ist einer der bekanntesten deutschen Journalisten. Nach Jahren bei der FAZ ist er heute Korrespondent der Welt in Rom und beim Vatikan, wo er auch das VATICAN-Magazin herausgibt. Seine Bücher („Guadalupe“, „Das Göttliche Gesicht“, Pattloch 2006) wurden in viele Sprachen übersetzt.
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