Während der wichtigsten Ehefrauen-Veranstaltung in Washington: Dem Congressional Club Luncheon, einem großen Bankett zu Ehren der jeweiligen First Lady. Michelle Obama stieß sich an den Kosten für die minzgrüne Dekoration. Bevor sie ihre Teilnahme zusagte, nötigte sie den Damen deshalb eine Wohltätigkeitsveranstaltung ab.
©Samantha Appleton
Im Schatten der Macht
Wie lebt es sich an der Seite des Präsidenten? Die Journalistin Jodi Kantor porträtiert das Ehepaar Barack und Michelle Obama und berichtet vom Alltag in der Präsidentensuite des Weißen Hauses – zwischen Scharfschützen und Ehekrach. Dabei haben sich die Gattinnen der 44 amerikanischen Präsidenten nicht immer so tapfer geschlagen wie die jetzige First Lady.Kann man gemütlich mit der Familie auf dem Balkon sitzen, wenn man von Scharfschützen umgeben ist? In ihrem Buch "Die Obamas" schildert die Journalistin Jodi Kantor das Leben von Michelle und Barack Obama – dem mächtigsten Ehepaar der Welt. Jahrelang hat Kantor für die New York Times über den Präsidenten und seine Frau berichtet und nun ihre Erlebnisse mit dem berühmten Paar zusammengetragen. Wie funktioniert eine Ehe im Schatten der Macht? Michelle Obama, die wie ihr Mann Jura studiert hat, hat sich stets geweigert nur ein hübsches Anhängsel zu sein: Immer wollte sie eine wichtige, gleichberechtigte Rolle neben ihm spielen – und nicht nach ihm. Wie schwer das aber in der Praxis ist, davon berichtet nicht nur Kantors Buch, das sieht man auch an Michelles vielen unglücklichen Vorgängerinnen im Weißen Haus.
Heim und Herd
Schon Martha Washington hatte unter dem Ruhm ihres Mannes gelitten – sie war die erste First Lady. Ihr Mann George, erster Präsident der Vereinigten Staaten, ließ das Weiße Haus bauen, in dem die amerikanischen Präsidenten bis heute gleichzeitig herrschen und wohnen. Doch George Washington dachte nicht im Traum daran, Regierungsangelegenheiten mit seiner Frau zu besprechen. Die sollte sich lieber um die Kinder kümmern und um die Einrichtung der luxuriösen zweistöckigen Präsidentensuite. Und im Herzen trauerte er ohnehin noch seiner Jugendliebe Sally nach, denn seine Heirat mit Martha war eine reine Vernunftentscheidung.
Das Fenster zur Macht
44 Präsidenten sind bislang mit ihren Frauen ins Weiße Haus gezogen, doch der Ersten Dame im Staat kam fast immer eine passive Rolle zu. Seit Generationen ist es üblich, dass die abtretende First Lady ihre Nachfolgerin durch das Weiße Haus führt – und so bekam auch Michelle Obama einen Rundgang mit Laura Bush. Diese zeigte ihr einen Raum in der Südwestseite des Weißen Hauses, den ihr bereits Hillary Clinton gezeigt hatte, die wiederum von Barbara Bush herumgeführt wurde. Von diesem speziellen Raum aus, der den First Ladies als Rückzugsraum dienen soll, kann man über den Rosengarten hinweg direkt ins Präsidentenbüro blicken. Ein Zimmer, das die Rolle der bisherigen Gattinnen gut charakterisiert: Passiv schauen sie ihren mächtigen Männern beim Regieren zu.
Emanzipation im Weißen Haus
Selbst Edith und Ellen Wilson, die beiden Ehefrauen von Woodrow Wilson, hatten in der aktiven Politik wenig zu melden – obwohl in die Amtszeit ihres Ehemanns die Einführung des Frauenwahlrechts für die gesamten Vereinigten Staaten fällt. Seit 1920 dürfen US-Amerikanerinnen wählen – nur herrschen eher selten.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnten einige First Ladys zumindest ein wenig auf sich aufmerksam machen und zeigen, dass sie mehr waren, als nur brave Hausfrauen.
John F. Kennedys Frau Jackie hatte vor ihrer Ehe bereits als Journalistin gearbeitet und beriet ihren Mann im Wahlkampf beim Schreiben von Reden. Später allerdings machte sie vor allem durch ihre extravagante Kleidung auf sich aufmerksam und litt unter den zahlreichen, oft öffentlich bekannten Affären ihres Mannes.
Betty Ford, die Frau von Gerald Ford, machte einige Jahre später genau umgekehrt auf sich aufmerksam: Anfangs hatte sie als Model gearbeitet, später litt sie während der Amtszeit ihres Mannes unter Alkoholismus. Ihre erfolgreiche Therapie wollte sie auch anderen Alkoholikern ermöglichen und so gründete sie die berühmte Betty-Ford-Klinik. Ähnlich betätigten sich auch Pat Nixon und Nancy Reagon, die durch soziales Engagement und Wohltätigkeitsveranstaltungen auf sich aufmerksam machten – aber immer noch im Schatten ihrer Männer.
Zwei starke Frauen
Erst mit Hillary Clinton und Michelle Obama hat sich die klassische Rollenaufteilung geändert. Beide sind hochgebildet und wollten nie nur die Frauen von Bill und Barack sein. Michelle Obama, so berichtet es Jodi Kantor in ihrem Buch, war sogar diejenige, die über die Kandidatur ihres Mannes entschieden hat. Hätte sie nein gesagt, wäre er nicht ins Rennen um die Präsidentschaft gegangen. Schon die Tatsache, dass mit ihr die erste schwarze First Lady ins Weiße Haus eingezogen ist, war für viele Amerikaner ein wichtiger politischer Schritt. Und Hillary Clinton, die momentan unter Michelles Mann als Außenministerin arbeitet, könnte sich, so munkelt man, in einigen Jahren nochmal ins Rennen ums Weiße Haus stürzen. Dann würde die ehemalige First Lady im Oval Office sitzen, während Bill Clinton ihr vom Südwestflügel aus bei der Arbeit zusehen kann.
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Lesetipp
Jodi Kantor
Die Obamas
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