Interview mit Andreas Franz
Der Autor über seinen Kiel-Krimi „Eisige Nähe“„Inzwischen spricht man von einer Bohlenisierung im deutschen Fernsehen. Na, dann gute Nacht!“
Andreas Franz’ neuer Krimi heißt „Eisige Nähe“ und beginnt im Schmuddelfernsehmilieu: Der Kieler Musikproduzent und TV-Promi Peter Bruhns wird zusammen mit seiner jungen Geliebten tot in seinem Haus am Schönberger Strand aufgefunden. Eine Beziehungstat? Mord mit anschließendem Selbstmord? Oder der Racheakt eines Feindes, von denen Bruhns zahlreiche hatte? Der Tatort wurde grotesk in Szene gesetzt – und bei ihren Untersuchungen findet die Spurensicherung ein Gift, das den Kieler Kommissaren Sören Henning und Lisa Santos Rätsel aufgibt …
Andreas Franz – Ihr neuer Kiel-Krimi spielt unter anderem in der oberflächlichen Fernsehwelt. Sie beschreiben die Szene skeptisch – und voller Seitenhiebe auf Castingshows à la DSDS. Was ist so schlimm an der privaten Massenunterhaltung, produziert von Typen wie Dieter Bohlen & Co?
Andreas Franz: Wir werden mit Massenunterhaltung überschwemmt, sie wird großflächig beworben, im Fernsehen, aber auch in den Printmedien. Ganz gleich, ob die Kritiken gut oder schlecht sind, sie dienen allemal den Einschaltquoten. Um auf den genannten Herrn einzugehen: Die Vorbildfunktion, die ein Mittfünfziger gegenüber der jüngeren Generation haben sollte, wird auf oft groteske Weise ad absurdum geführt. Die Kinder und Jugendlichen nehmen sich ihn – aber auch andere, die sich auf seiner Spur bewegen – als Vorbild. Die Umgangssprache wird derber und fäkaler, die Sitten rauer. Wer profitiert am meisten von solchen Sendungen? Die Macher, die Sender, die Juroren. Wer oder was bleibt auf der Strecke? Die Moral, die Ethik, der Anstand. Und natürlich der Mensch, der sich diesen Mist in einem fort reinzieht und nach immer neuem giert. Inzwischen spricht man von einer Bohlenisierung im deutschen Fernsehen. Na, dann gute Nacht!
Was wird Jugendlichen Ihrer Meinung nach durch Shows wie DSDS vermittelt?
A.F.: Das Gegenteil von dem, was ihnen eigentlich vermittelt werden sollte. Ich spreche jetzt einmal ganz bewusst von Höflichkeit, Anstand, gutem Benehmen. Mehr denn je geht es darum, wer mit dem Mund oder der Faust stärker ist. Die Ellbogengesellschaft dominiert.
Sind diese TV-Formate mittlerweile moral- und wertefreie Zonen?
A.F.: Ja, diese, aber auch andere TV-Formate sind längst moral- und wertefreie Zonen. Schalten Sie RTL oder SAT.1 morgens ein, und Sie werden bis zum Abend mit Müll zugeschüttet. Sich daraus zu befreien ist gar nicht so einfach, weil die Sender genau wissen, wie sie ihre Zuschauer abhängig machen können. Am Ende werden wir süchtig nach diesem Müll, was die eigentliche Absicht ist. Wir sollen abgestumpft und damit bereit werden, auch die größte Sch*** zu fressen.
Denken Sie, es werden wieder bessere Zeiten kommen?
A.F.: Wer gerne durch die rosarote Brille schaut, wird mit Sicherheit bessere Zeiten sehen. Ich sehe nur, dass alles noch härter, noch brutaler und damit unmenschlicher wird. Darüber sollten bestimmte Leute, aber auch die Gesellschaft, nachdenken. Sofern sie dazu noch in der Lage sind.
Männer im so genannten besten Alter schneiden eh nicht allzu gut ab in „Eisige Nähe“. Selbstherrliche Mittvierziger und –fünfziger, die kaum volljährige Kindfrauen benutzen und wieder fallen lassen, sobald das Ego aufpoliert ist. Geld und Macht scheint für beide Seiten die einzige Triebfeder zu sein. Woher kommt dieser Trend, und spitzt er sich zu?
A.F.: Keine Ahnung. Aber eine wesentliche Mitschuld tragen die Medien, in denen viel zu vieles schöngeredet und -geschrieben wird. Und ob er sich zuspitzt? Warten wir einfach ab, ich denke, es wird so sein. Der Jugendwahn wird doch immer schlimmer, aber nicht bei den Jugendlichen. Obwohl, wenn ich sehe, dass auch junge Mädchen, die noch nicht einmal der Pubertät entwachsen sind, sich bei Schönheitschirurgen anmelden ...
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