Interview mit Douglas Preston zu „Credo“
Douglas Preston – wie haben Sie für „Credo“ recherchiert? Haben Sie das Europäische Laboratorium für Teilchenphysik (CERN) in Genf besucht, wo gerade die Aktivierung des weltweit größten und energieintensivsten Teilchenbeschleunigers LHC vorbereitet wird?Ja, ich habe den Large Hadron Collider im CERN genau studiert. Der Teilchenbeschleuniger in Credo, den ich Isabella genannt habe, basiert auf dem LHC. Er ist der größte und teuerste wissenschaftliche Apparat, den die Menschheit je gebaut hat. Er verspricht, unser Verständnis von Materie, Energie und vom Urknall zu revolutionieren.
Sähen Sie Wissenschaft und Religion gerne versöhnt? Sehen Sie in beiden überhaupt Gegensätze?
In den letzten Jahrhunderten hat die Wissenschaft fast alle zentralen Annahmen der großen Religionen der Welt widerlegt. Die Erde ist nicht das Zentrum des Universums; Gott wohnt nicht in den Wolken; Gott hat die Welt nicht in sechs Tagen erschaffen. Der Mensch wurde vielmehr von der Evolution erschaffen, nicht durch Gottes Gebot, und das Universum ist 13,7 Milliarden Jahre alt, nicht 5.000. Die Wissenschaft stellt – und beantwortet – heutzutage viele Fragen, die einst in das Aufgabengebiet der Religion fielen. Woher kommen wir? Wer hat das Universum erschaffen? Was ist unser Platz darin? Ich behaupte, dass es keine religiöse Frage gibt, die nicht in eine prüfbare wissenschaftliche Hypothese umformuliert werden kann.
Was hat das für Auswirkungen?
Wissenschaft und Religion befinden sich in einem tiefen Konflikt. Das können wir rund um die Welt beobachten. Beide sind auf der Suche nach derselben Sache: der Wahrheit der Existenz. Es kann keine Versöhnung zwischen den beiden geben, solange die eine Seite privilegierten, göttlichen Zugang zur absoluten Wahrheit für sich beansprucht. Meiner Meinung nach ist die Wissenschaft der Weg zur Wahrheit. Wir brauchen keine Propheten, jungfräulichen Geburten oder Schrifttafeln von Gott. Die Wissenschaft wird den Schleier vor Gottes Gesicht lüften – des wahren Gottes dieses wunderschönen Universums. Das ist nicht der von Menschen gemachte Gott, der vor 2.000 Jahren von einem Hirtenvolk erfunden wurde. Zumindest ist das meine Hoffnung.
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