Interview mit Sebastian Fitzek
„Bei mir beginnt alles mit einer Was-wäre-wenn-Frage.“
Sebastian Fitzek – wie finden Sie den perfekten Thriller-Plot, also die perfekte Handlung für einen Thriller?
„Naja, bei mir beginnt ja immer alles mit einer Was-wäre-wenn-Frage, und die ereilt mich in den unmöglichsten Situationen. Bei 'Das Kind', meinem neuesten Thriller war das während eines Streitgesprächs mit meiner Freundin. Dieses Gespräch entwickelte sich, wie alle, ganz harmlos. Sie erzählte mir von einer Kindheitserinnerung – wo sie mit ihren Eltern in Frankreich war. Sie konnte kaum laufen, kaum sprechen, aber sie ergriff auf einmal die Hand ihrer Eltern und sagte: 'Mama, Papa, hier war ich schon mal.' Die Eltern guckten ganz verdutzt, und sie zeigte ihnen tatsächlich irgendwelche Begebenheiten, Orte, von denen sie nie etwas hätte wissen können. Wie sich später herausstellte, war das original der Marktplatz in der Normandie, wo Johanna von Orleans auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.
Ich setzte meine Skeptikermiene auf, grinste herablassend und sagte: 'Jaja, klar. Ist doch komisch. Alle Leute, die denken, sie wären wiedergeboren, behaupten, sie waren was ganz Besonderes. Ich war Cäsar, es gibt Leute, die waren Einstein – oder eben Johanna von Orleans.' Dann machte ich mich noch beliebt, in dem ich ein Zitat von Ian Stevenson – das ist ein bekannter Reinkarnationsforscher – anfügte, der, obwohl er selbst daran glaubt, dass Menschen wiedergeboren werden, sagt: 'Wenn all diejenigen, die behaupten, bei der Kreuzung Jesu anwesend gewesen wären, tatsächlich da gewesen wären, dann hätten die römischen Soldaten keinen Platz mehr zum Stehen gehabt.'
So. Und dann, ich war mittlerweile alleine, hatte keinen mehr zum Streiten und dachte darüber nach: Was wäre eigentlich, wenn jemand von sich behaupten würde, er wäre schon mal geboren, an dem wir gar keinen Zweifel hätten – weil es ein kleines Kind ist. Und wenn der etwas ganz Abstruses sagen würde, nämlich, er wäre ein Serienmörder gewesen. Und was wäre, wenn dieses Kind dann in der Realität sogar beweisen könnte, dass er Recht hat, weil er einen Anwalt zu Fundorten von Leichen führt, die auf exakt die Art und Weise ums Leben gekommen sind, wie er's beschrieben hat. Und so begann dieser Thriller.“ (...)
Der Autor im Killerclub
Special über "Das Kind"
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