Interview mit Sophie van der Stap
Was war für Dich der Auslöser für die Entscheidung, ein zweites Buch zu schreiben?Ich glaube, dass es nicht reicht, nur einen Grund zu haben, um ein Buch zu schreiben. Ein Buch erfordert einfach zu viel Zeit und Konzentration eines Menschen. Für mich gab es zwei große Auslöser, nämlich zum einen das Sterben meiner Freundin Chantal und ihr Wunsch, auf Papier weiterleben zu können. Und zum anderen war da mein Wunsch nach einer Tätigkeit, bei der ich über die Gestaltung meiner Zeit jeden Moment selbst entscheiden konnte.
In Deinem ersten Buch hast Du die dramatische Zeit Deiner Krebserkrankung beschrieben. Wovon handelt Dein neues Buch?
Von der ebenso dramatischen Zeit meiner Suche nach neuen Prioritäten und Glücksfaktoren. Ich musste von dem reinen Überleben zurück ins Leben, musste ein neues Zeitgefühl finden, wo andere Prioritäten galten, um Glück zu finden. Außerdem war mein Terminkalender nach meiner Krebserkrankung gänzlich weiß, weswegen ich von nichts davon abgelenkt wurde, mich mit den wichtigen und großen Fragen meines Leben zu befassen.
“Morgen bin ich wieder da“ ist ja demnach auch das Dokument der Suche nach einem neuen Sinn im Leben. Hast Du ihn heute gefunden – oder bist Du noch immer unterwegs?
Ich glaube, wir sind immer unterwegs, weil wir stets wachsen, uns entwickeln und neue Wünsche und Fragen hervorbringen. Und doch bin ich heute viel näher an meinem „Ziel“ – nämlich einem Leben, in dem das Schreiben meine Tage bestimmt und mir Ruhe gibt.
Als bei Dir als sehr junge Frau Krebs diagnostiziert wurde, waren Dir mit einem Mal alle Zukunftsträume genommen. Nun bist Du geheilt. Hast Du neue Träume? Sind es andere als früher?
Die Träume sind tatsächlich anders. Seitdem ich das Gluck im „Heute“ finden musste, habe ich gelernt, das Gluck meiner Träume in die Gegenwart zu transportieren – einfach, indem ich entdeckt habe, was ich brauche, um einen glücklichen Tag zu verbringen. Das heißt, dass ich nicht mehr die gleichen Träume habe wie vorher; stattdessen lebe ich täglich meinen Traum in meiner eigenen Wohnung in Amsterdam, wo ich alles mache, was mich glücklich macht; schreiben, kochen, lesen, Freunde und die Familie treffen. Leider geht mir das Schreiben nicht jeden Tag wie selbstverständlich von der Hand. Auch das ist ein langer Prozess, in dem ich noch meinen Weg finden muss.
Wie würdest Du Dein Lebensgefühl nach der Heilung vom Krebs beschreiben?
Intensiv. Ich genieße alle Momente, die mir noch gegeben sind. Mein Glücksbegriff hat sich verändert. Das sind nicht mehr nur die glücklichen Momente, in denen ich die Liebe von und zu Freunden oder Geliebten erfahre. Glücklich hat mich auch jedes Mal die Woche zu Hause gemacht, nach der Behandlung im Krankenhaus, und ganz allgemein die Zeit nach meiner Erkrankung.
Was wurde aus den neun Perücken, die Du während der Chemotherapie getragen hast – und die in deinem ersten Buch eine so große Rolle spielten?
Sind noch immer bei mir und bleiben auch immer bei mir, weil sie für mich meine Heilung symbolisieren. Und mich noch immer verbinden mit der Zeit, in der ich mein Ziel gefunden habe. Und manchmal trage ich sie sogar noch, gestern habe ich sogar ein neue bekommen.
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