Interview mit Wolf Serno
Der Bestsellerautor über "Die Liebe des Wanderchirurgen"
Neben der Liebe ist auch die Freundschaft eines der ganz großen Themen dieses Buches. Was macht für Sie selbst eine Freundschaft aus? Was braucht sie, was gibt sie?
Wolf Serno: Zu einer Freundschaft gehören für mich neben der gegenseitigen Sympathie die Verlässlichkeit, die Treue und die Augenhöhe. Ganz wichtig noch: ein guter Schuss Humor, der auf derselben Wellenlänge liegt.
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Und die Seefahrt zur Zeit des Wanderchirurgen – wie darf man sich das Reisen damals vorstellen? War die Erde noch eine Scheibe und wie war es zum Beispiel um Landkarten und Seekarten bestellt? Was wussten die Männer, die an Bord eines Schiffes gingen, über die Häfen, in denen sie anlegen würden?
Wolf Serno: Das Reisen zur See war in den vergangenen Jahrhunderten zeitaufwändig, weil die Fahrtgeschwindigkeit von der Laune des Winds abhing. Es war ungesund, weil die Ernährung an Bord mangelhaft war. Und es war lebensgefährlich, weil die Segler aus Holz bestanden und Stürmen sehr viel schlechter trotzen konnten als moderne Schiffe aus Stahl.
Trotzdem gab es schon immer Männer, die es in die Ferne zog, die das Abenteuer suchten und das Neue entdecken wollten.
Noch im 16. Jahrhundert beharrte die Kirche darauf, dass die Erde eine Scheibe sei, während ihre Kugelform für Seefahrer schon lange selbstverständlich war. Weshalb Kolumbus auch nach Westen segelte, um Indien im Osten zu suchen.
Im selben Jahr, als Kolumbus „Westindien“ entdeckte, anno 1492, fertigte der Nürnberger Martin Behaim seinen „Erdapfel“ an, die erste Darstellung der Erde als Kugel. Durchmesser: ein halber Meter. Dieser erste Globus wies noch zahllose Fehler auf, die zum größten Teil von späteren Generationen übernommen wurden.
Wer sich als Seefahrer zu den fernen Gestaden dieses Globus’ aufmachte, wusste wenig oder gar nichts über seine Ziele. Und das wenige, was er wusste, stammte aus Berichten, die durch subjektive Wahrnehmung und bruchstückhafte Erinnerung verfälscht waren. So entstanden zum Beispiel die Gerüchte über Leviathane, einbeinige Menschen und Monstervögel.
Entdecker wie Kolumbus, Magellan oder Vasco da Gama brauchten also sehr viel Mut und Selbstvertrauen.
Und wie ist es um den Autor selbst als Seefahrer bestellt? Denn eines verbindet Sie ja sicherlich mit ihrer Hauptfigur Vitus – die Liebe zur See spricht ja aus jeder Zeile des Buches!
Wolf Serno: In der Tat liebe ich die See, das liegt mir als Hamburger im Blut. Da ich nicht besonders groß bin, nur einssiebzig, war ich früher ein ganz guter und flinker Vorschoter. Seit einiger Zeit jedoch lasse ich mich lieber fahren – und gehe auf Schiffsreisen. Ich nutze die Reisen zur Recherche und mache auch gern Lesungen an Bord.
Die Liebe des Wanderchirurgen handelt aber nicht von der Liebe zur Seefahrt, sondern vor allem von der tiefen Liebes eines Mannes zu seiner Frau, auch bei im übertragenen Sinne rauem Seegang. Was ist Ihre persönliche Haltung zu den Gezeiten der Liebe und vielleicht auch den Irrfahrten, die eine Beziehung über die Jahre erleben kann?
Wolf Serno: Die Liebe, und damit meine ich die eine, die große Liebe, ist ein so außergewöhnliches Geschenk, dass ich sie nicht in Worte fassen kann. Wer das Glück hat, sie gefunden zu haben, sollte sie bewahren und bestrebt sein, sie stets zu erneuern. Dazu gehört, dass man miteinander redet, dass man zuhört, und, wenn es darauf ankommt, auch einmal schweigt.
Eine Liebe ohne Geben und Nehmen gibt es nicht. Das gilt in Zeiten der Ebbe und auch in jenen der Flut, „in guten und in schlechten Tagen“, wie es so schön heißt.
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