Maria Teresa Horta, eine der Autorinnen, die mit ihrem Roman: Neue portugiesische Briefe ein mutiges Manifest der Frauenbewegung schufen
Mutige Frauen: Was wäre die Welt ohne sie?
Ein Plädoyer für die weibliche Zivilcourage
Sie sind mutig. Sie leben für ihre Überzeugung. Sie setzen sich ein: für Gerechtigkeit, für Frieden, für Gleichberechtigung. Sie sind ganz normale Frauen. Aber ohne sie sähe die Welt anders aus. Iris Berben und Nicole Maibaum haben mit „Frauen bewegen die Welt“ ein Buch des Mutes verfasst. Sie suchten nach Frauen, deren Leben und Handeln etwas zum Besseren verändert hat. Für die Lage von Frauen, Kindern, Menschen, die ausgeliefert sind. Sie fanden 24 faszinierende Persönlichkeiten aus aller Welt. Frauen, die für ihre Sache mitunter ihr Leben riskierten.
18. Juli 2004, Brandenburg, 5 Uhr morgens
Nicole Lüdeking und Jana Böttner verlassen die Kneipendisco Piephahn, in der Nicole arbeitet, zeitgleich mit zwei jungen Männern – dem Oberfeldwebel Thorsten Z. und seinem Kumpel Andreas A. Kurz danach hören sie, wie Thorsten Z. zwei Kenianer anpöbelt. Die jungen Frauen handeln schnell. Sie rufen, versteckt hinter einer Häuserecke, die Polizei. Doch als sie zum Tatort treten, sehen sie einen Kenianer mit einer klaffenden, stark blutenden Halswunde am Boden liegen. Thorsten Z., mit einer abgebrochenen Glasflasche in der Hand, steht daneben. Als Thorsten Z. ein zweites Mal auf den Kenianer einstechen will, versperrt Nicole ihm den Weg. Sie hält ihn fest und sagt ihm, dass sie die Polizei gerufen haben. Zwar entkommen die Täter in diesem Moment, doch können sie wenig später dank Nicole und Jana gefasst werden.
Diese Frauen zeigen, „was ein einzelner Mensch erreichen kann, wenn er für seine Werte eintritt. Sie bringen sich da ein, wo Menschen ihre Stimme nicht selbst erheben können. Es sind ganz normale Frauen, die vielleicht nur eines auszeichnet: Sie gehen und gingen einen geraden Weg.“ (Iris Berben)
Dies ist nur eine von vielen Geschichten voller Zivilcourage, die tagtäglich, häufig unbemerkt, vor der eigenen Haustür passieren. Doch die Geschichten der couragierten Frauen gehen nicht alle glimpflich aus. Eines der bekanntesten Beispiele für gefährlichen Mut ist der Einsatz und das Schicksal von Anna Politkowskaja. Sie schrieb als Journalistin die Wahrheit über den Tschetschenienkrieg – und bezahlte dafür mit ihrem Leben.
7. Oktober 2006, Moskau, 16 Uhr
Anna Politkowskaja kehrt von einem Großeinkauf für die Familie in ihre Wohnung zurück. Im Parterre wird sie beim Öffnen der Fahrstuhltür mit fünf Schüssen hingerichtet. Der Täter ist kein Profikiller. Präsident Putin feiert an diesem Tag seinen 50. Geburtstag. Anna Politkowskaja war eine seiner größten Gegnerinnen. Steckt der Kreml hinter dem kaltblütigen Anschlag?
Die Journalistin der regierungskritischen Zeitung Nowaja Gazeta fährt im Dezember 1999 ins kriegsgebeutelte Tschetschenien. Entsetzt über die Brutalität der russischen Soldaten, die auf Anweisung der Regierung Putin das Land ausbeuten, beginnt sie vor Ort mit der Flüchtlingshilfe. Sie berichtet über das Geschehen: über Hungersnot, Folterungen, Massenerschießungen, Entführungen, Vergewaltigungen. Schon 2001 erhält Anna Morddrohungen von einem russischen Tschetschenienveteranen, den sie mehrerer Greueltaten an Zivilisten beschuldigt hat. Doch die investigative Journalistin lässt sich nicht einschüchtern. Auch nicht, als 2000 ein Redakteur der Nowaja Gazeta, Igor Domnikow, erschlagen wird. Auch nicht, als 2003 der stellvertretende Chefredakteur, Juri Schtschekoschichin, an einer dubiosen Krankheit stirbt.
2002 ist Anna dabei, als eine tschetschenische Terrororganisation in Moskau die rund 800 Besucher des Dubrowka Theaters in ihre Gewalt bringt. Sie versucht, zwischen den Fronten zu vermitteln. Erfolglos: Putin lässt den Zuschauersaal brutal stürmen. Über 40 Terroristen und über 130 Zuschauer werden getötet. Anna Politkowskaja kritisiert das Vorgehen Putins aufs Schärfste.
2004 stürmen tschetschenische Terroristen in der nordossetischen Stadt Beslan eine Schule. Die Journalistin macht sich auf den Weg, um – wie schon 2002 – mit den Geiselnehmern zu sprechen. Doch sie kommt nicht bis zum Tatort, sondern wird mit einer Vergiftung in ein Krankenhaus eingewiesen, während erneut russische Spezialeinheiten die Schule stürmen. Über 300 Zivilisten kommen dabei ums Leben. Trotz schwerer gesundheitlicher Schäden nach dem Giftanschlag ist Anna Politkowskaja zum Sprachrohr der Betroffenen geworden. Bis zu ihrem Tod veröffentlicht sie weiter über die Ungerechtigkeiten in ihrem Land.
„Obwohl die Frauen (…) aus den verschiedensten Teilen der Erde kommen, aus Afrika, Amerika und Europa, und sich für die unterschiedlichsten Dinge engagieren, verbindet sie eine gemeinsame Sache: der Mut und der Wille zu helfen!“
Die Autorinnen
Iris Berben, international bekannte und gefeierte Schauspielerin, rebellierte selbst schon früh in ihrem Leben: Sie widersetzte sich den schulischen Gepflogenheiten, galt als vorlaut und wurde dreimal aus verschiedenen Internaten geworfen. Sie verließ die Schule ohne Abitur. Ihre Faszination und Liebe zu Israel, die sie bei einer Reise mit 18 entdeckte, war der Ursprung für ihr späteres Engagement für Toleranz und Aussöhnung zwischen Deutschland und Israel. Hierfür erhielt sie den Scopus Award der Gesellschaft der Freunde der hebräischen Universität Jerusalem, den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden Deutschlands, den European Heroes Award des Time Magazine und den Jerusalem-Preis der WZO. Sie ist außerdem Mitglied im Kuratorium der Deutschen Aidsstiftung. Die Frauen in ihrem neuen Buch, sagt sie, „erheben die Stimme dort, wo Sprachlosigkeit herrscht“.
Nicole Maibaum ist freiberufliche Journalistin und Autorin. Sie schreibt u.a. für Brigitte.de, Zeit, Wissen und Freundin. Sie veröffentlichte erfolgreiche Ratgeber, Jugendbücher und einen Stadtkrimi.
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Iris Berben, Nicole Maibaum
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