Porträt eines muslimischen Mannes
Diese Geschichte beginnt an einem Tag, an dessen Ende die Welt in Stücke fliegt. Es ist der 16. August 1999, und es liegt nicht nur am großen Beben in der Nacht, dass Sinans Welt zerbricht. Auch der Amerikaner Alan Drew erlebt das Erdbeben in Istanbul. Er arbeitet drei Jahre als Englischlehrer am Bosporus. Seine Erinnerungen, Erfahrungen und Eindrücke aus dieser Zeit fließen in seinen Debütroman „Die Wasser des Bosporus“. Und noch vieles mehr.Sinan, Anfang 40, ist ein traditioneller Kurde – ein einfacher, aufrechter Mann, der kurz vor der Jahrtausendwende mit seiner Frau, der 15-jährigen Tochter Irem und dem zehnjährigen Sohn Ismail in Istanbul lebt. Sinan ist alles andere als glücklich darüber. Die Familie musste ihr Dorf verlassen, weil sie in der Heimat politisch verfolgt wurde. Er ist ein Mann mit Herzensbildung, er weiß noch, was man tut und was man nicht tut. Die moderne Art zu leben verletzt seine Gefühle. Alles, was er ablehnt, gilt hier als normal. Sinan lebt jenseits der westlichen Haltung des Everything goes, wo jeder gierig nach Besitz und Position drängt, wo die Welt durch Korruption und allgegenwärtigen Sex entzaubert ist. Und diese Welt scheint stärker zu sein als er.
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Sinans Geschäfte gehen schlecht, und allmählich hat sich das Gefühl in ihm eingenistet, ein Versager zu sein, der die Familie nicht allein ernähren kann. Dabei möchte Sinan so gerne ein guter Familienvater und aufrechter Muslime sein, der seinen Kindern Halt und Richtung gibt. Genau die scheinen ihm aber zu entgleiten. Vor allem Irem, die viel zu häufig widerspricht, ihrer Mutter nicht richtig hilft, sich nicht wie ein frommes Mädchen verhält und westliches Fernsehen liebt. Wird aus ihr so ein haltloser Teenager des 21. Jahrhunderts? Doch heute ist ein glücklicher Tag, denn Ismail wird in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen.
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