Reise in ein verdammt gelassenes Land
Ingo Petz hat es getan: Beim sonntäglichen Rinderbraten mit seinen Eltern beschließt er, Job, Bausparvertrag und deutschen Alltag hinter sich zu lassen, um Gelassenheit und Glücklichsein zu erlernen – auf einer grünen Insel am anderen Ende der Welt. Der in Berlin lebende Journalist und Autor erzählt in seinem neuesten Buch Kiwi Paradise (Droemer) die Geschichte seines ersten Auswanderungsversuchs. In ein Land, das für viele Deutsche das Hochglanz-Paradies auf Erden ist: Neuseeland."Gute Laune ist keine so üble Sache", befindet Ingo Petz, als er sich entscheidet, eine Auszeit zu nehmen und nach Neuseeland auszuwandern. Er entflieht dem täglichen Stress und der deutschen Jammerei. Und reist in ein Land, das von unberührter Natur, einzigartiger Vegetation und nicht zuletzt von Optimismus und Gelassenheit geprägt ist. Hier gibt es keine Kriege, keine Diktatoren oder giftige Tiere.
Neuseeland bedeutet Ruhe und Frieden. Ein Land, das niemandem Angst oder Probleme macht, das einfach still und leise im blauen Pazifik vor sich hin gedeiht. Denkt man! Denn dieser geographisch isolierte Inselstaat bietet mit seinen extremen Landschaften und einsamen Buchten auch den perfekten Raum für Kurioses und Groteskes. In einem Land, in dem mehr Schafe als Menschen leben, entwickeln sich bizarre Lebensformen und Begebenheiten.
Ingo Petz erzählt mit viel Ironie und Witz von einem Neuseeland, das man so aus Reiseführern und Katalogen nicht kennt. Von einem Neuseeland der durchgeknallten Auswanderer, der esoterischen Aussteiger, der philosophierenden Cowboys und der wortkargen Buschmänner. Er lernt sie alle kennen, die Seiten eines abseitigen Neuseelands, des "Kiwi Paradise". Und am Ende stellt Ingo Petz die Frage: Sind Gelassenheit und Optimismus tatsächlich erlernbar?
| ||||
Ingo Petz im Interview
Der typische Deutsche würde wohl sagen, dass Sie damals etwas sehr „Unvernünftiges“ getan haben, als Sie Job, Bausparvertrag und Wohnung kündigten. Wie groß war die Überwindung, Sicherheit gegen Unsicherheit und Abenteuer zu tauschen?
Riesig. Ich hatte Panikanfälle, Schüttelattacken und Fieberwahn, bevor ich die Entscheidung treffen konnte. Ich komme ja aus einer Arbeiterfamilie, protestantisch dazu. Dort bekommt man das Sicherheitsdenken, den Leistungswillen und das Angestellt-Sein als einzig vorstellbare Lebensform ja quasi mit der Muttermilch. Der Abnabelungsprozess von dieser Sozialisation hat etwas länger gedauert. Neuseeland und die damit verbundene Unsicherheit war dann so was wie die Reifeprüfung für mein heutiges Leben als freier Journalist und Buchautor. Aber es ist ja nicht so, dass es in Neuseeland kein Streben nach Sicherheit gibt. Allerdings geht man dort damit etwas verspielter und nicht ganz so ernsthaft um. Das klingt nun sehr nach dem Dalai Lama: Aber das Leben lässt sich eben nur bedingt planen.
Lesetipp
Ingo Petz
Kuckucksuhren in Baku
EUR (D)
7,95
