Sebastian Fitzek: Die Therapie
Der Alptraum aller Eltern: ein Kind verschwindet spurlos. Der Vater befindet sich im Psychoduell mit der mutmaßlichen Entführerin. Sebastian Fitzek ist mit "Die Therapie" ein fesselndes Debut gelungen.Herr Fitzek, Die Therapie ist Ihr erster Roman. Wer oder was hat Sie zum Schreiben inspiriert?
Ich kann nur sehr schwer abstrakt erklären, was mich zum Schreiben bewegt. Daher will ich es mit einem konkreten Beispiel versuchen: Kürzlich lief im Fernsehen eine sehr gute Dokumentation über die Schweizer Sterbehilfeorganisation Exit. Der Beitrag endete mit den bewegenden Aufnahmen eines Zahnarztes, der nach Feierabend in einem kleinen Mietshaus einer sterbenskranken Frau beim Aufbruch zu ihrer letzten Reise zur Seite steht. Das Mitgefühl des Mannes, sein beharrliches Vergewissern, ob die leidende Frau wirklich entschlossen sei und ihr fester Wille, das Gift tatsächlich einzunehmen, wurde in stillen Bildern eingefangen, die mir bis heute nicht aus dem Kopf gehen. Als Autor verarbeite ich diese Eindrücke, indem ich ihnen ein fiktives Gerüst gebe. Wenn mich Menschen oder Situationen bewegen, stelle ich mir sofort die Frage: Was wäre wenn? Was wäre, wenn diese Frau nicht nur wegen ihrer Krankheit aus dem Leben scheiden wollte? Was wäre, wenn sie ein Geheimnis in sich trüge, das ihr Sterbehelfer erst in den letzten Sekunden ihres Lebens erfahren soll? Was könnte das für ein Geheimnis sein, das der Mann hört, nachdem das Gift bereits in ihrem Körper ist? Ich weiß ganz genau, dass diese Fragen in mir eine Antwort suchen. Noch ist es nur eine wage Idee, aber der Titel des Romans steht bereits: Der Begleiter.
Die Therapie handelt unter anderem vom Münchhausen-Syndrom, benannt nach dem Lügenbaron - ein Verhalten, bei dem ein Patient Beschwerden erfindet, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Wie kamen Sie auf dieses eher ungewöhnliche Thema?
Ich glaube, meine Themenwahl wäre insgesamt ein interessanter Anhaltspunkt für jeden Arzt, um ein Psychogramm von mir zu erstellen. Fast alle meine Geschichten ranken sich um ein Phänomen: die Lüge. Wussten Sie, dass der Mensch im Schnitt etwa 200 Mal am Tag lügt? Und dass es bereits eine eigene Wissenschaft zur Erforschung der Lüge gibt, die Mentiologie? So ungewöhnlich ist das Thema also gar nicht, zumal ich als Autor ja selbst einer der zwanghaftesten Lügner bin. Ich versuche sogar Geld damit zu verdienen, indem ich mir Geschichten ausdenke.
Herr Fitzek, Sie haben Jura studiert. Welchen Einfluss hat das auf Ihre Tätigkeit als Autor?
Gar keine, zum Glück. Der erste Satz der Therapie lautet: Als die halbe Stunde verstrichen war, wusste er, dass er seine kleine Tochter nie wieder sehen würde.
Wäre ich durch mein Studium inspiriert, würden Sie lesen:
Das erziehungsberechtigte Subjekt männlichen Geschlechtes nahm mit Hilfe visueller und anderer sensorischer Fähigkeiten davon Kenntnis, dass sein in direkter Linie abstammender Nachkomme weiblichen Geschlechtes, im Volksmund auch Tochter genannt, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, entgegen dem Anstandsgefühl aller billig und gerecht Denkenden, nicht weiter bei seinem Vormund vorstellig werden würde, nachdem ein Zeitraum von nicht unerheblicher Länge verstrichen war, der - gemäß der in der Europäischen Norm EN 28601 von 1992 festgeschriebenen Zeitrechnung - etwa 30 Minuten entspricht.
Nein, keine Angst. Ich will spannend schreiben, um zu unterhalten. Auf Paragraphen oder Fußnoten werden sie daher nicht stoßen.
Weiter auf Seite 2
Lesetipp
Sebastian Fitzek
Die Therapie
EUR (D)
9,99
Sebastian Fitzek
Amokspiel
EUR (D)
9,99
Sebastian Fitzek
Der Seelenbrecher
EUR (D)
9,99
Sebastian Fitzek
Das Kind
EUR (D)
9,99