Sinn und Sinnlichkeit im Paradies
Ein Plädoyer für die Liebe
Ein leicht gelangweilter Adam trifft auf eine neugierige Eva – und vorbei ist's mit dem dolce far niente. Kühn, poetisch und sinnlich spürt Gioconda Belli dem Beziehungsdrama des allerersten Paares nach und setzt der Schöpfungsgeschichte einen neuen Anfang. „Unendlichkeit in ihrer Hand“ ist der lang erwartete neue Roman einer der wichtigsten Autorinnen Lateinamerikas, der „schönsten Stimme der Revolution“ (Berliner Zeitung).
Wie fühlt es sich an, die Schönheit, den Schmerz der Welt und das Begehren zwischen Mann und Frau völlig neu zu entdecken? Außerordentlich gut. In „Unendlichkeit in ihrer Hand“ spinnt Gioconda Belli die Schöpfungsgeschichte weiter und imaginiert die Beziehungskiste zwischen Adam und Eva. Bellis Quellen sind die Bibel und einige apokryphe Schriften, vor allem aber ihr eigenes poetisches Sensorium. Dabei gelingt ihr ein Kunststück: Obwohl der biblische „Plot“ weitgehend bekannt ist, überrascht Belli mit einem klaren, philosophischen und kein bisschen blumigen Liebesroman.
Am Anfang stecken wir in Adams Haut, der noch ganz frisch ist und nicht weiß, wo er herkommt. Er lässt sich treiben. Plötzlich wird er in einen tiefen Schlaf versetzt, Eva entsteht. Mit ihr kommt Unruhe in die Welt. Ständig fragt und forscht und redet sie. Es ist nur konsequent, dass der Baum der Erkenntnis sie fuchst. Nachdem sie einen sehnsuchtsvollen Traum geträumt hat – von Millionen ihr unbekannten Wesen –, kostet sie von der verbotenen Frucht. Die Schlange muss kaum etwas an Verführung leisten, alles ist in Eva angelegt.
Sinnlich-drastisch inszeniert: Erkenntnis, Vertreibung, Sündenfall
Nun kommt der Bruch: die Vertreibung aus dem Paradies. Doch ganz ohne pompösen Racheengel, wie er manchmal auf Gemälden zu sehen ist. Der Horror des Verstoßenwerdens äußert sich vielmehr in Alltagsphänomenen. Da ist die Zeit – es wird Tag und es wird Nacht. Da sind plötzlich Kälte und Hitze, Hunger und Durst und die Angst. Und da ist Adams und Evas Erkenntnis, dass sie ein einziges Wesen waren, das man auseinander gerissen hat. Und so vollziehen die beiden nach dem Sündenfall erst einmal einen rauschhaften, tröstlichen, wunderbaren Liebesakt ...
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