Wandern mit Polizeiobermeister Leonhardt Kreuthner
Als besondere Dienstleistung für unsere Leser haben wir einen ausgewiesenen Kenner der Gegend gebeten, uns seine Lieblingswanderrouten zu verraten. Polizeiobermeister Leonhardt Kreuthner stellt drei Klassiker vor. Die Auswahl würde gewiss anders und vielleicht repräsentativer ausfallen, fragte man jemanden, der mehr Wert auf das Wandern und weniger aufs Pausieren legt. Aber vielleicht wäre sie auch weniger eigentümlich.
☞ Der Riederstein (Galaun), Gehzeit 40 Minuten
Ein echter Klassiker, vor allem für uns Polizisten. Weil es da immer noch einen ungeklärten Mord gibt – dazu gleich mehr. Hinkommen kann man vom Tegernseer Bahnhof durchs Alpbachtal – wenn man zu viel Zeit und keinen Durst hat. Das dauert nämlich ewig. Wenn einer schlau ist, dann fährt er nach Tegernsee Süd, also bis kurz vor Rottach, und dann links zu einem Parkplatz hinauf. Ab da ist es so eine halbe bis Dreiviertelstunde bis zur Wirtschaft auf der Galaun. Ein Traum! Da kannst du den ganzen Tag auf der Terrasse sitzen, ins Tegernseer Tal hinunterschauen und Weißbier trinken und zwischendurch Spinatknödel essen. Das haben die Tiroler bei uns eingeschleppt, ist aber nicht schlecht zwischen zwei Weißbieren.
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Ich persönlich tu jetzt nichts weiter, als dass ich auf der Terrasse warte, bis es Abend wird. Aber es gibt viele, die noch auf den Riederstein hinaufgehen. Der ist praktisch hinter der Wirtschaft. Das sind noch mal hundertvierzig Höhenmeter, ganz steil mit Stufen. Und es bringt auch nichts, weil es da oben nur eine kleine Kapelle hat und keine Wirtschaft. Die Touristen rennen trotzdem rauf. Manchmal fragt man sich wirklich, was die Leute im Hirn haben. Na gut.
Aber wenn man schon hochgeht, dann muss man die Marienhöhle besichtigen. Da hat ein Arbeiter im Jahr 1897 ein Skelett gefunden, in seinen Rucksack hineingepackt und mit ins Bräustüberl genommen. Da haben sie nicht schlecht geschaut, wie er den Totenkopf neben den Bierkrug gelegt hat. Viele meinen, das Skelett wär der Wildschütz Pöttinger. Der ist nämlich im Jahr 1861 spurlos verschwunden. Vielleicht hat ihm der Jäger eine mitgegeben und wollte es nicht zugeben, weil sie damals die Wildschützen als Volkshelden verehrt haben. So genau weiß man das nicht. Ist also noch ungeklärt.
Geklärt haben wir dagegen den Fall vom Stanislaus Kummeder, wo sie direkt neben der Kapelle oben auf dem Gipfel erschossen haben. Und ich bin keine fünf Meter danebengestanden. Ich will jetzt nicht ins Spekulieren kommen, aber wenn ich 1897 schon gelebt hätte, dann täten wir heute wahrscheinlich wissen, wem seine Knochen das auf
dem Riederstein waren.
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