Was wäre, wenn sie alles von dir wüssten?
Markus Stromiedel über seinen neuen Thriller "Feuertaufe"
Was wäre, wenn sie dich beobachten?
Es war im vergangenen September. Ich hatte gerade das Manuskript meines Romans „Feuertaufe“ ein letztes Mal durchgearbeitet und die Änderungen an den Verlag weitergegeben, als sich erst im Internet und dann in den Zeitungen eine Nachricht verbreitete, die meinem Buch erschreckende Aktualität verlieh: In München hatte die Polizei einen Informatikstudenten aus Marokko ohne jeden Tatverdacht verhaftet. Acht Tage lang saß der Student in der JVA Stadelheim in einer Einzelzelle. Der Grund: Im Internet hatte es Attentatsdrohungen gegen das Oktoberfest gegeben – und der junge Mann kannte vor etlichen Jahren ein, zwei Menschen, die heute dem Terrorismus zugerechnet werden.
Was wäre, wenn sie alles über dich wüssten?
Zuvor hatte man wochenlang den Studenten observiert und dabei keinerlei Anzeichen gefunden, dass er Terrorist ist oder gar einen Anschlag planen würde. Im Gegenteil: Der Student hatte bemerkt, dass er beobachtet wurde und die Polizei mehrfach um Hilfe gebeten, da er sich bedroht fühlte. Trotzdem schlugen die Ermittler zu – und begründeten ihre Tat hinterher damit, der Student hätte ja straffällig werden können. Das reichte, ihn festzunehmen und in eine Zelle zu stecken.
Das Dossier, mit dem die Polizei vor der Ermittlungsrichterin den Verdacht einer künftigen Straftat zu untermauern versuchte, ist erschreckend dünn: Sämtliche Vorwürfe, so wurde später klar, waren haltlos. Auch die Durchsuchung der Wohnung des Studenten nach seiner Verhaftung brachte keine Ergebnisse im Sinne der Anklage. Trotzdem, und das macht denn Fall endgültig zum Skandal, verbucht der bayerische Innenminister den Einsatz rückblickend als Erfolg – denn das Oktoberfest sei ohne Zwischenfälle verlaufen, es habe keinen Anschlag gegeben.
Was wäre, wenn sie hinter dir her sind?
Die Bevölkerung reagierte auf die Festnahme ohne größere Aufregung: Solange nur eine Minderheit von der Willkür der Ermittler betroffen ist, in diesem Falle die der Muslime, fühlt man sich selbst nicht bedroht. Doch kann man sich wirklich sicher fühlen? Wenn die Angst der Ermittler ihr Verhalten diktiert und nicht die Vernunft, dann ist jeder in Gefahr, in das Visier der Staatsschützer zu geraten. Dem falschen Menschen begegnet oder auf die falsche Internetseite gesurft, schon legt sich das Raster der Fahnder über einen. Welche Folgen das haben kann, zeigt der Fall aus München.
Die Islamisten haben das Ziel, mit ihren Anschlägen unsere Demokratie zu erschüttern. Wenn sich nichts ändert, haben sie bei uns in den Ermittlungsbehörden zuverlässige Helfer.
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