Zum 200. Geburtstag von Charles Darwin
Charles Darwin, der 1809 geborene britische Naturforscher, veränderte mit seinem Beitrag zur Evolutionstheorie die Weltsicht der Menschen nachhaltig. Sein Geburtstag jährt sich am 12.02.2009 zum 200. Mal. Bis heute bedeutet der christliche Glaube für den Darwinismus Konfliktpotenzial – und umgekehrt. Ein Konflikt, der nun neu ausgehandelt wird: Der Jesuit und Biologe Christian Kummer zeigt in „Der Fall Darwin“, dass Evolutionstheorie und Gottesglaube einander nicht ausschließen, sondern aufeinander angewiesen sind.Das 19. Jahrhundert war ein Meilenstein in der Entdeckerhistorie. Die Erfindung von Eisenbahn, Glühbirne und Telegrafie katapultierte die Menschheit in eine neue Ära. Bahnbrechende naturwissenschaftliche Theorien stellten das Weltbild der Menschen auf den Kopf: Nach Charles Darwin hat alles Leben auf Erden den gleichen Ursprung. Die weitere Entwicklung des irdischen Lebens ist einer natürlichen Selektion unterworfen. Das heißt: Lebewesen mit Eigenschaften, die für das Überleben und die Fortpflanzung vorteilhaft sind, setzen sich bei dieser Auslese durch. Sie können ihre Merkmale öfter durch ihren Nachwuchs verbreiten als Lebewesen, denen das Überleben schwer fällt. Das Überleben der best angepassten Individuen sorgt also dafür, dass schwächere Lebewesen aussterben und sich die Gene der Stärkeren verbreiten.
„Survival of the fittest“ oder göttliche Gnade für alle Lebewesen?
Bei Darwin ist Gott als Ursprung allen irdischen Lebens nicht vorgesehen. Indem er den allmächtigen Schöpfer kurzerhand abschaffte, sorgt Darwin seit jeher für viel Diskussionsstoff in religiösen Kreisen. Ihnen ist der Begriff der „Schöpfung” wichtig: Aus dem Nichts habe Gott schließlich die Erde und deren Lebewesen entstehen lassen. „Der Fall Darwin“ von Christian Kummer schlägt eine Brücke zwischen den scheinbar unvereinbaren Standpunkten der Religion und der Naturwissenschaften. Christian Kummer, Professor für Naturphilosophie, setzt sich mit Darwins Evolutionstheorie sowohl als Theologe als auch als Biologe auseinander.
War die Idee Darwins sinnvoll, bei seiner Evolutionstheorie einen Schöpfergott für überflüssig zu erklären? Sollte die Kirche nicht vermeiden, die Naturwissenschaften konsequent zu verteufeln? Christian Kummer plädiert für mehr Toleranz der beiden Wissenschaften füreinander. Er ist überzeugt, dass seine Brücken zwischen den Lagern notwendig sind.
Der gläubige Biologe Christian Kummer baut interdisziplinäre Brücken
Wie ein Aufeinanderzugehen möglich sein kann, zeigt Christian Kummer an folgendem Beispiel:
Ein Gläubiger und ein Wissenschaftler stehen vor einem Berg. Der soll für die kaum überschaubare Vielfalt des Lebens stehen. Der Gläubige ist beeindruckt von dem hellen Licht, das sich über dem Gipfel abzeichnet. Doch er geht nicht weiter. Stattdessen erstarrt er staunend über die Schöpfung, die jeden Erklärungsrahmen sprengt. Er kommt zu dem Schluss, dass nur ein Gott den beeindruckenden Anblick geschaffen haben kann. Der Wissenschaftler ignoriert den Anblick und meistert den Aufstieg, indem er auf der Rückseite des Bergs nachsieht und einen leichteren Zugang findet. Als er schließlich oben angekommen ist, belächelt er den Gläubigen, der immer noch am Boden steht und nach oben blickt.
Schritt für Schritt überwindet der Wissenschaftler die Hindernisse beim Aufstieg – ähnlich wie Darwin, der die vielen Zusammenhänge des Lebens mit seiner Evolutionstheorie Stück für Stück auseinandergenommen hat.
Zuerst muss die eigene Engstirnigkeit überwunden werden
Den Gläubigen kritisiert Kummer, weil er sich vom schönen Anblick blenden lässt. Dem nach oben stürmenden Wissenschaftler stellt Kummer die Frage, warum er dem schönen Anblick kaum Aufmerksamkeit schenkt. Als gläubiger Biologe geht Christian Kummer einen Mittelweg. In „Der Fall Darwin“ zeigt er, warum die Evolution einen Segen für die Theologie bedeutet: „Überzentrierung, Erweiterung meiner Weltsicht – das ist es genau, was ich durch die Verbindung beider Wissenschaften, Theologie und Biologie, für mich gewonnen habe, was ich mir weiter davon erhoffe und warum ich diese Kombination für spannend halte.“
Christian Kummer leitet heute das Institut für naturwissenschaftliche Grenzfragen zur Philosophie und Theologie an der Hochschule für Philosophie in München
Lesetipp
Die Bibel
EUR (D)
29,90
Die Bibel (HSK)
EUR (D)
24,95
Die Bibel
EUR (D)
39,90
Friedrich Hechelmann
Die Bibel
EUR (D)
149,00