Verlagsgruppe Droemer Knaur



Andreas Föhr: 22 Fragen - 22 Antworten

Der Autor im Interview (2009)

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie ein Talent für das Schreiben haben?

Um als Anwalt beim Abfassen der Schriftsätze nicht trübsinnig zu werden, habe ich zum Spaß ein bisschen an den Formulierungen gebastelt. Das machte Spaß und Lust auf mehr.
Was hat Sie daran gereizt, diesen Roman zu schreiben, nach all den Drehbüchern, die Sie geschrieben haben?
 
Ein Roman bietet mehr Freiheit, als ein Drehbuch. Niemand redet einem in die Geschichte rein, man hat so viel Platz wie man will für die Handlung und muss sie nicht in ein 90-Minuten-Format pressen. Abgesehen davon: Ein Drehbuch ist kein eigenständiges Werk. Es muss von Regisseuren, Schauspielern, Kameraleuten etc. umgesetzt werden. Und da kommt nicht immer Freude auf, wenn man das Ergebnis sieht. 
Schreiben Sie mit der Hand, der Schreibmaschine, dem Computer? Wie darf man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?
Ich schreibe fast ausschließlich am Computer. Auch Notizen mache ich am Computer, weil das am schnellsten geht. Mein Arbeitsplatz ist ein Sessel, den Laptop habe ich auf den Knien.
Wie sieht Ihr Alltag als Autor aus?
Jeder Tag sieht anders aus. Ich habe keine festen Abläufe. Ein großer Teil des Tages besteht im Nachdenken über Geschichten.
Beschreiben Sie sich mit drei Worten.
Ruhig, neugierig, reiselustig.
Was ist der Geruch Ihrer Kindheit?
Gerüche meiner Kindheit: Gemähte Wiese, heißer Vanillepudding. 
Was war das erste Buch, das Sie gelesen haben – und warum können Sie sich heute noch daran erinnern?
Aus frühster Kindheit erinnere ich mich an ein Buch, dessen Held ein Feuersalamander mit Namen Lurchi war. Denke ich jedenfalls. Es war wohl eher Werbematerial einer Schuhfirma und der Schwerpunkt des Werkes lag eindeutig im Grafischen. Ob ich den Text selbst gelesen habe oder ob ich ihn habe lesen lassen – ich weiß es nicht mehr.
Was bereitet Ihnen schlechte Laune?
Schlechte Laune: Jegliche Diskussion darüber, die alte Rechtschreibung wieder einzuführen. Ja, die Rechtschreibreform war jämmerlich. Aber die meisten, die sich über die neue Orthografie ereifern, wussten auch vorher nicht, wie man richtig schreibt. Was hat sich also geändert?
Was bereitet Ihnen gute Laune?
Gute Laune: Eine Reise mit meiner Frau und unsere Katzen, wenn sie mit großartigen Haltungsnoten auf dem Rücken liegen. 
Kino oder DVD?
Kino.
Welches Buch sollte man unbedingt gelesen haben?
Schuld und Sühne – ein Spitzenkrimi mit sparsamer Besetzung.
Haben Sie einen Lieblingsautor – und wenn ja: Wer ist es, und warum?
Ich mag die russischen Autoren, weil sie eine besondere Begabung haben, Charaktere interessant und menschlich zu zeichnen. In der Unterhaltungsliteratur ist John Grisham für mich das Maß der Dinge – übrigens auch einer, der schöne Figuren zeichnen kann.
Welche Figur aus einem Roman oder einem Film würden Sie gerne treffen – und was würden Sie ihm/ihr sagen?
Ich würde gerne Donald Shimoda treffen, den als Doppeldeckerpilot im Mittelwesten wiedergeborenen Messias aus Richard Bachs Roman „Illusionen“. Und dann würde ich ihn bitten eine Runde mit mir zu fliegen, um zu sehen, ob man beim Fliegen weniger Angst hat, wenn Jesus am Steuerknüppel sitzt.
Welche Figur aus Ihrem neuen Roman würden Sie gerne einmal treffen?
Aus dem „Prinzessinnenmörder“ würde ich gerne den Polizisten Kreuthner auf einen Plausch im Tegernseer Bräustüberl treffen. Ich bin sicher, er könnte mir Stoff für unzählige Geschichten liefern. 
Welcher Figur aus Ihrem neuen Roman möchten Sie niemals begegnen?
Eigentlich mag ich alle meine Figuren, hätte also auch nichts dagegen sie zu treffen.
Wer soll die Hauptrolle in der Verfilmung Ihres Lebens spielen – und warum?
Sollte das Buch je verfilmt werden, würde ich den Produzenten beim Casting wahrscheinlich in den Wahnsinn und/oder Ruin treiben. Ich habe keine Ahnung, wer die Hauptrolle spielen soll.
Wenn Sie in der Verfilmung Ihres Buches eine Rolle besetzen dürften – wer wäre es?
Wallners Großvater Manfred.
Wenn Sie die berühmten drei Wünsche frei hätten – welche wären das?
Der erste Wunsch wäre, dass Gott mir eine Eingebung schicken möge, was ich mit den restlichen zwei Wünschen anfangen soll. Andernfalls könnte sich die Sache hinziehen. Ich bin nämlich nicht der Entschlussfreudigste.
Wie gefällt Ihnen das Cover Ihres Buches?
Ich finde, die Grafiker haben einen außergewöhnlich guten Job gemacht. Das Motiv übersetzt die Stimmung des Romans – so wie ich sie empfinde - perfekt in ein Bild: Winter, Schnee, Kälte, Tod aber auch das märchenhafte Element der Prinzessinnen im goldenen Kleid. Außerdem mag ich, dass sie die Schrift in einer Weise eingearbeitet haben, die das Bild nicht beeinträchtigt. Kurz: Ich bin begeistert.
Wie kommen Sie auf die Ideen für Ihre Romane?
Oft ist es nur ein Bild, das einem in den Sinn kommt – wie eine Leiche unter dem Eis eines Sees. Von da aus nimmt die Geschichte ihren Lauf – was harte, manchmal zähe Arbeit ist.
Haben andere Autoren Sie beeinflusst – und wenn ja: Wie?
Man schaut sich von den Meistern des Fachs (John Grisham, Michael Crichton, in neuerer Zeit auch deutsche Autoren wie Frank Schätzing oder Andreas Eschbach) natürlich ein bisschen ab, wie sie Spannung erzeugen. Stilistisch hat mir das kraftvolle Deutsch von Ludwig Thoma immer gefallen.
Was ist für Sie der schwierigere Moment – den ersten Satz zu schreiben oder den letzten?
Der erste Satz ist schwieriger. 

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