Verlagsgruppe Droemer Knaur



Christoph Columbus

1451 - 1506

Die historische Bewertung des berühmten Entdeckers reicht vom abenteuerlustigen Entdecker, der mutig über die Grenzen des damaligen Horizontes hinaus segelte, bis hin zum Vorwurf der reinen Geldgier und des maßlosen Ehrgeizes. Im Bestreben den Seeweg nach Indien zu finden, „entdeckte“ er Amerika. Obwohl die Wikinger bereits um 1000 n. Chr. in Amerika waren, gilt Columbus als Entdecker der "Neuen Welt".

Auch um Columbus Herkunft führte die Forschung lang Zeit kontroverse Debatten. Heute nimmt man an, dass er 1451 in Genua als Sohn eines Wollwebers zur Welt kam. Als erstes von fünf Kindern wuchs er im bescheidenen Wohlstand der Familie auf. Die bei der herrschenden genuesischen Familie in Ungnade gefallene Familie häufte Schulden an - dies war vielleicht ein Grund für das Columbus nachgesagte Streben nach Reichtum. Columbus selbst ließ seine Umgebung im Unklaren über seine Herkunft, als möglicher Grund wird vermutet, dass er Jude war und sicherlich zu Recht fürchtete, seine Suche nach Geldgebern für seine Reisen könnte dadurch erschwert werden.
Als Autodidakt eignete er sich Kenntnisse in Nautik, Geometrie, Astronomie und Latein an. Er galt als sehr ehrgeizig und versessen auf Macht und Geld. Nach eigenen Aussagen fuhr er schon mit 14 Jahren zur See, er erhielt wohl kleinere Handelsaufträge entlang der Küste. Ab 1477 lebte er in Lissabon, von wo aus er im Dienst der portugiesischen Flotte, der damals weltweit größten Seemacht, an verschiedenen Expeditionen teilnahm. Einige Zeit verdiente er seinen Lebensunterhalt als Kartenzeichner und heiratete 1479 Dona Felipa Pestrello e Moniz, die Tochter einer portugiesischen Adelsfamilie. Ihr gemeinsamer Sohn Diego kam 1480 zu Welt, Felipa starb bereits 1485.

Um 1480 beschloss Columbus nach dem Studium des kartographischen Nachlasses seines Schwiegervaters, verschiedener Reiseberichte und der Korrespondenz mit dem Astronomen Toscanelli, den Seeweg nach Indien zu finden. Indien und China waren eine wichtige Bezugsquelle für wertvolle Güter wie Seide und Gewürze für Europa und der Landweg war durch hohe Handelszölle unattraktiv geworden.
Zur Durchführung seines Vorhabens benötigte Columbus finanzielle Unterstützung, die ihm vom portugiesischen König verwehrt wurde. Auf Einladung Königin Isabellas I. kam er 1486 an den Hof von Córdoba, wo seine Idee jahrelang von Experten geprüft wurde. Hier traf er auch Beatriz Enriquez de Arana, seine lebenslange Freundin und Mutter seines zweiten Sohnes Fernando. Nach dem erfolgreichen Sieg über die Mauren erteilte ihm Isabella schließlich, nach langen Verhandlungen, im April 1492 die Zustimmung zur Finanzierung seiner Expedition. Außerdem erfüllte das spanische Königspaar seine Forderungen nach dem Rang eines Admirals, dem Adelstitel Don und der Gewinnbeteiligung an allen Einkünften, die durch seine Entdeckungen entstehen würden. Zusätzlich sollte Columbus Vizegouverneur der entdeckten Gebiete werden.
Neben Columbus eigenem Entdeckerdrang und Streben nach Reichtum, war das Ziel der Expedition, die entdeckten Gebiete zu kolonisieren und den daraus erwachsenden Handel mit Gold und anderen wertvollen Rohstoffen für die spanische Krone zu sichern.

Auf seiner ersten Reise (1492/93) entdeckte Columbus Kuba, Haiti und die Bahama Insel Guanahani. Auf der zweiten Reise (1493-1496) die kleinen Antillen, Puerto Rico und Jamaica. Nach seiner dritten Expedition (1498-1500), in der er nach Südamerika und Trinidad kam, fiel er am spanischen Hof in Ungnade, da die mitgebrachten Kolonisten sich am Gold der Ureinwohner bereicherten, anstatt es nach Spanien zu schicken. Der Handel mit Sklaven begann, Unruhen brachen unter den Siedlern aus und es kam zu grausamen Übergriffen auf die ausgebeuteten Ureinwohner. In Ketten nach Spanien zurückgebracht, konnte Columbus jedoch seine Rehabilitierung erreichen und brach 1502 zu seiner vierten und letzten Expedition an die mittelamerikanische Küste auf. Als er 1504 zurückkehrte, war seine Gönnerin Isabella bereits gestorben.
Gebrochen durch die Schwierigkeiten in den Kolonien, Meutereien und Schiffbruch, den Umschwung der öffentlichen Meinung, die Differenzen mit dem spanischen Hof, aber auch durch Krankheit, starb Columbus 1506 in Valladolid, immer noch überzeugt, Hinterindien entdeckt zu haben.


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