Verlagsgruppe Droemer Knaur



Die wahre Geschichte von Marc Levys Vater

„Ich habe die Recherchen vor meinem Vater verborgen.“

Zwei Brüder schließen sich 1943 dem Widerstand in Toulouse an: Raymond (18) und Claude (16). In der von den Nazis besetzten Stadt greifen sie zu äußersten Mitteln – und setzen ihr Leben für die Freiheit ein. „Kinder der Hoffnung“, der neue Marc Levy, ist anders als alles, was der Bestsellerautor je geschrieben hat: Der Franzose erzählt darin die wahre Geschichte seines Vaters, der vor 65 Jahren in der Résistance kämpfte.

Toulouse in den 1940er Jahren: Die Nazis haben Frankreich besetzt, und Tausende von Juden werden deportiert – häufig mit Unterstützung der französischen Obrigkeit. Auch die Eltern des 18-jährigen Raymond und seines Bruders Claude (16) sind in Gefahr. Sie sind nur noch von einem Wunsch beseelt: sich einer Brigade der Résistance anzuschließen.

In einer explosiven Mischung aus jugendlicher Abenteuerlust, Patriotismus und Überlebenswillen wollen sie die deutschen Besatzer bekämpfen. Als ein Kontaktmann sie endlich zu einer Widerstandsgruppe bringt, finden sie dort ausschließlich Jugendliche vor, die in der Illegalität leben: Juden, Kommunisten, „feindliche Ausländer“. Oder sogar alles zusammen.

Zunächst müssen die beiden Anfänger Fahrräder klauen, mit deren Hilfe die Gruppe Sabotageakte verüben und schnell von den Tatorten fliehen kann. Jan, der Commandant, wacht streng über seine jungen Kämpfer. Zur 35. Brigade gehören auch Mädchen – meist schwärmen sie als Spioninnen und Kundschafterinnen aus. Liebesbeziehungen sind streng untersagt, denn im Falle einer Festnahme könnten die Paare alles auffliegen lassen, um ihre/n Liebste/n zu schützen.

Eine Hommage an die jungen Menschen, die ihr Leben für die Freiheit gaben – und eine Hommage an Marc Levys Vater

Raymond nennt sich fortan Jeannot. Die Gruppe tauft sich Brigade Marcel Langer, denn dieser junge Mann aus den eigenen Reihen wird bei einer Aktion festgenommen. Sowohl die französische Miliz als auch die Deutschen bezeichnen ihn als Terroristen und richten ihn schließlich mit der Guillotine hin.

Neben der Sabotage von Zügen, die nach Deutschland gehen und Attentaten gegen Nazi-Offiziere steht fortan die Rache an einem Mann ganz oben auf der Liste der Brigade: Lespinasse, der Staatsanwalt, der Marcel auf dem Gewissen hat, soll ausgeschaltet werden. In dieser Zeit gelingt es der Résistance, den Deutschen Angst einzujagen – was diese zu noch mehr Grausamkeiten provoziert. Viele Kameraden lassen in dieser Zeit ihr Leben.

Kurz vor Weihnachten 1943 erwischt es Claude. Die Miliz findet Material in seiner Wohnung, das ihn als Kämpfer der Résistance identifiziert. Daraufhin wird auch Jeannot festgenommen. Im Gefängnis erfahren die Brüder, wohin ihre letzte Reise geht: Sie sollen mit dem (letzten!) Zug ins Konzentrationslager Dachau deportiert werden ...

Authentisch, emotional, ergreifend: ein von kritischen Rezensenten hoch gelobtes Buch


Marc Levy schildert in „Kinder der Hoffnung“ Résistance-Aktionen, die sich in den 1940ern tatsächlich so zugetragen haben. Viele der waghalsigen Widerstandsmissionen verleihen dem Buch eine realistische Spannung. Immer wieder zeigt sich Marc Levys Fähigkeit, plastisch, fast filmisch zu schreiben.

Die zwischenmenschliche und psychologische Dynamik, die sich in der französischen Untergrundszene entwickelt, zieht die Leser live ins Kriegsgeschehen hinein; die Gefängnisszenen sind besonders ergreifend. Doch auch die einer derart düsteren Zeit innewohnende Komik fängt der in London lebende Franzose in etlichen Szenen ein.

Dass sein Vater ein Kämpfer in der Brigade Marcel Langer war, erfährt der Bestsellerstar erstmals 1974: als er mit seinen Eltern nach Toulouse reist, wo seinem Vater eine Medaille verliehen werden soll. Später recherchiert Marc Levy die Zusammenhänge ohne das Wissen seines Vaters. Les enfants de la liberté ist Marc Levys persönlichstes Buch – und in Frankreich sein bisher erfolgreichstes.


Pressestimmen


„Der Bestsellerautor mal ganz anders: [...] Eine ernsthafte Empfehlung für alle, die noch nie einen Levy gelesen haben – zu Tränen rührt auch dieses Werk von ihm." (freundin)


„Überwältigend.” (Elle)


„Eine machtvolle Botschaft der Toleranz.” (Le Parisien)


„Eine berührende Hommage an die Brüderlichkeit.” (Télé 7 jours)


„Eine wunderbare Hommage an die Fremden, die nach Frankreich flohen und dort für ihre Freiheit kämpften.” (RTL)

Interview mit Marc Levy


Monsieur Levy – wie viel an der Geschichte über Ihren Vater und Ihren Onkel ist Fiktion und wie viel Wirklichkeit? Anders gefragt: Hatte sie schon alle dramaturgischen Elemente, die ein Roman benötigt?


Mit Ausnahme der Dialoge, die ich mir überlegt beziehungsweise rekonstruiert habe, ist alles in diesem Buch wahr. Sogar die Episode mit der Brille im Eimer, die sich äußerst unwahrscheinlich anhört. Außerdem ist jede Figur real. Die Namen sind echt, die Orte, die Daten, die Ereignisse: alles Tatsachen. Ich schätze, das dürfte auch den zweiten Teil Ihrer Frage beantworten.

Gab es ein Tagebuch – oder hat Ihr Vater Ihnen alles erzählt?


Mein Vater hat – wie so viele Menschen, die den Krieg erlebt haben – niemals darüber gesprochen. Ich war 24 Jahre alt, als ich, beinahe zufällig, von einem seiner Freunde erfuhr, dass mein Vater sich während des Zweiten Weltkriegs Jeannot nannte. Nachdem ich das entdeckt hatte, dauerte es weitere zehn Jahre, bis ich die ganze Geschichte kannte. Die Geschichte einer Gruppe junger Widerstandskämpfer, die sich die 35. Brigade nannte. Noch heute spricht mein Vater nicht über das, was damals geschah.

Les enfants de la liberté ist Ihr erster biographischer Roman. Was war, im Vergleich zu Ihren anderen Geschichten, anders beim Schreiben?


Das Ausarbeiten dieser Geschichte war tatsächlich ganz anders. Mein zweiter Roman „Wo bist du?“ basierte zwar auch schon auf einem wahren Ereignis, aber hier waren die Figuren frei erfunden. In „Kinder der Hoffnung“ liegen die Dinge anders, denn all diese Jugendlichen hat es wirklich gegeben. Da hat man beim Schreiben natürlich nicht die gleichen Freiheiten, kann seine Vorstellungskraft nicht den Großteil der Arbeit verrichten lassen. Während ich dieses Buch schrieb, musste ich bei den Tatsachen bleiben. Noch wichtiger für mich: Ich wollte erzählen, wer diese Kinder eigentlich waren, wie sie sich verhielten, wie sie sich fühlten. Denn darum geht es schließlich: die Leser in die Situation der jungen Widerstandskämpfer zu versetzen. Inklusive ihrer emotionalen Verfassung.

Wie haben Sie recherchiert – konnten Sie noch mit anderen Zeitzeugen sprechen?


Ich habe fast zehn Jahre für meine Nachforschungen gebraucht: Bücher finden und lesen, Zeugenaussagen miteinander verbinden, in Archiven graben. Ich hatte die Chance, ein paar wenige Zeitzeugen zu treffen. Es waren wirklich nur ein paar, denn ich habe die Recherchen vor meinem Vater verborgen. Ich wollte nicht, dass er von meiner Absicht, über ihn und seine Freunde zu schreiben, erfuhr, bevor ich die Story beendet hatte. Nun ist sie veröffentlicht, und ich muss sagen: Wenn ein Historiker mich darauf hinweisen sollte, dass ein Datum oder ein Schauplatz nicht korrekt dargestellt wurde, dann werde ich mich entschuldigen und die Fakten korrigieren. Doch es wäre weitaus schlimmer für mich, wenn die Kinder der Hoffnung mir sagen würden, ich hätte da etwas missverstanden, hätte falsch interpretiert, wer sie eigentlich waren.

Zum Glück bekam ich eines Morgens – zwei Wochen, nachdem das Buch in Frankreich veröffentlicht war – einen wundervollen Anruf. Es war Damira. Es war wirklich das erste Mal in meiner Schriftstellerkarriere, dass mich eine Heldin aus einem eigenen Buch angerufen hat (Lauren hat es nie getan)! Die Stimme sagte: „Hallo Marc, hier spricht Damira“, und ich war so überwältigt, dass mir die Tränen in die Augen schossen. Und dann sagte sie mir das Einzige, was ich gehofft hatte zu hören: „Als ich Ihr Buch gelesen habe, verbrachte ich sechs Stunden mit einigen sehr engen Freunden. Ich hätte nie erwartet, sie jemals wiederzusehen.“ Als ich diese wenigen Worte hörte – und ich werde sie nie vergessen – fühlte ich, dass ich den Job eines aufrichtigen Mannes erledigt hatte.

Sie müssen stolz auf Ihren Vater sein. Was sagt er denn zu Ihrem Buch?


Ich war bereits stolz auf meinen Vater, lange bevor ich von seiner Rolle im Zweiten Weltkrieg erfuhr. Am meisten stolz bin ich auf den Mann und Vater, der er schon sein ganzes Leben lang ist. Als ich ihn mit 24 fragte: „Warum hast du mir nie davon erzählt, wer du warst und was du getan hast?“, murmelte er: „Das einzige, was ich möchte, ist, dass du mich als das in Erinnerung behältst, was ich war: dein Vater.“ Und das werde ich tun.

Er lächelte auf bescheidene Weise und sagte mir ein paar Dinge, die ich zwischen ihm und mir bewahren möchte. Dann lächelte er erneut und fragte, wovon mein nächster Roman handeln würde. Er war betroffen, als ich es ihm sagte. Er fragte sich ernsthaft, warum Leser an seiner Geschichte interessiert sein sollten. So ist mein Vater, und darum liebe ich ihn.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Marc Levy.

Die Fragen stellte Katja Volkmer

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