Verlagsgruppe Droemer Knaur



Kate Atkinson im Interview zu "Die vierte Schwester"

01.01.2008

»Mit Die vierte Schwester gewinnt Kate Atkinson ihre emotionale Kraft zurück.« Sunday Telegraph

Nachdem Ihr letztes Buch ein Band mit Kurzgeschichten war, haben Sie wieder einen Roman geschrieben. In welcher Form schreiben Sie lieber und warum?

Nun, Kurzgeschichten zu schreiben, ist leichter und sie haben eine Geschlossenheit in der Form an sich, die ich als befriedigend empfinde. Aber das Vollenden eines Romans ist für mich der größere Erfolg, auch wenn das Schreiben mühevoller ist.

Das Thema "„Familie"“ zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Werk. Was fasziniert Sie an den Beziehungsgeflechten innerhalb von Familien?

Egal was alle denken, mein Interesse gilt nicht der Familie an sich, sondern vielmehr den Beziehungen zwischen den einzelnen Menschen.


Geheimnisse spielen in Ihrem neuen Roman „"Die vierte Schwester"“ eine große Rolle. Denken Sie, dass es schwieriger ist, ein Geheimnis vor jemandem zu bewahren, den man schon lange kennt, oder vor einem objektiven, außenstehenden Beobachter?

Ich habe keine Ahnung! Ich bin ein schlechter Lügner und kann um keinen Preis ein Geheimnis für mich behalten.

In Ihrem Roman haben alle Figuren (mindestens) einen geliebten Menschen unter mysteriösen Umständen vor langer Zeit verloren. Glauben Sie, dass es einfacher wird, den Verlust zu verarbeiten, wenn die Fragen des Wie und Warum geklärt sind?

Ganz klar: Nein! Ich denke, der Verlust bleibt gleich. Nicht zu wissen, was genau geschehen ist, ist eine zusätzliche psychische Qual.

„"Die Zeit heilt alle Wunden"“ heißt es. Trotzdem kämpfen viele Menschen nach dem Verlust eines Familienmitglieds oder Freundes ihr Leben lang mit diesem Trauma. Welche Möglichkeiten sehen Sie, diesen Menschen zu helfen bzw. kann man ihnen überhaupt helfen?

Nein. Meiner Meinung nach gehört Kummer zum Leben. Man lebt mit dem Verlust.

Eine Ihrer Protagonistinnen bewahrt 34 Jahre lang ein schreckliches Geheimnis. Was glauben Sie, ist der Grund für ihre Lügen?

Nun, ich denke Sylvia ist eine gestörte Persönlichkeit und hatte eine schlimme Kindheit. Nach Ende des Buches hat sie sich umgebracht. Jackson und Julia sind die Hauptpersonen im nächsten Buch und erwähnen es am Rande.

Glauben Sie, dass es legitim sein kann zu lügen, wenn die Wahrheit einen anderen Menschen noch viel mehr verletzen würde?

Ja, auf jeden Fall.

Wer, glauben Sie, kann traumatische Erlebnisse besser verarbeiten: Kinder oder Erwachsene?

Oh, das ist eine Frage für einen Psychiater!

Alle Figuren in "Die vierte Schwester"“ sind sehr fein gezeichnet. Haben Sie eine Lieblingsfigur?

Michelle/Caroline. Ich habe ganz bewusst wenig über sie geschrieben, weil ich sie sehr mag.

Haben Sie schon eine Idee für Ihr nächstes Buch?

Es wird "True Crimes" heißen. Schauplatz ist das Edinburgh Festival. Ich bin bereits halbwegs damit fertig.

Die Autorin

Kate Atkinson

Portrait von  Kate Atkinson

Kate Atkinson wurde bereits für ihren ersten Roman »Familienalbum« mit dem renommierten Whitbread Book of the Year Award ausgezeichnet. Mittlerweile ist jedes ihrer Bücher ein internationaler Millionenerfolg.

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