Verlagsgruppe Droemer Knaur

So liest man heute.

Tödliches aus der Natur

31.10.2008

Welche Pflanzen benutzt der unbekannte Killer als Mordinstrument?

Ihre Opfer sterben einen qualvollen, langsamen Tod: Pflanzliche Toxine dienen Val McDermid als Tatwaffen in ihrem Thriller Schleichendes Gift. Der Spannungsmeisterin gelingt mit dem fünften Fall des Ermittlerduos Carol Jordan und Tony Hill ein Kriminalstück erster Klasse. Die Schottin vermischt ihre ganz eigene Art des Suspense mit hervorragend recherchierten Hintergründen und Authentizität. Wohl bekomm's: ein britischer Giftcocktail für Genießer.

Die Bewohner der englischen Stadt Bradfield stehen unter Schock: Der Fußballstar des Erstliga-Clubs Badfield Victoria wird mit einer rätselhaften Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert und stirbt drei Tage später. Diagnose: Mord durch Rizin-Gift. Detective Chief Inspector Carol Jordan und Polizeipsychologe Tony Hill benötigen zur Lösung dieses Falls besonders viel psychologische Finesse und Scharfsinn.

„Ich habe noch nie an einem Fall wie diesem hier gearbeitet. Wenn ein Mord passiert, treffen zwei oder mehr Personen unmittelbar aufeinander. Man hat Rechtsmediziner, Zeugen, Beweise. Einen bestimmten Zeitpunkt. Aber hier gibt es all das nicht. Zwischen der Tat und dem Tod selbst klafft eine riesige Lücke. Und wir wissen nicht, wann, wo oder von wem diese tödliche Handlung ausgeführt wurde.“ (Carol Jordan)

Wie findet man einen Killer, dessen Tat Tage zurück liegt und kaum nachzuweisen ist? Während Carols Team fieberhaft ermittelt, wird die Stadt erneut erschüttert: Das Fußballstadion in Bradfield wird Ziel eines Bombenanschlags. Die Wahnsinnstat eines Terroristen? Oder gibt es einen Zusammenhang mit dem Tod des Fußballstars? Als ein zweiter Giftmord geschieht, stehen die beiden Ermittler unter einem enormen Druck. Sie müssen alles daransetzen, einen Killer zu stellen, über den sie kaum etwas wissen. Einzig und allein die Tatwaffe, „Naturgift“, gibt dem Täter ein Profil.

„Du magst das Töten selbst nicht, sondern nur die Tatsache, dass du getötet hast. Das Machtgefühl gefällt dir, aber die Drecksarbeit ist nicht nach deinem Geschmack. Es ist fast, als wolltest du Distanz waren. Deine Unschuld behalten. Als du sie verlassen hast, ging es ihnen noch gut. Du brauchst dich nicht als perversen Killer zu betrachten.“ (Tony Hill)

Nach und nach wird ein Muster in der Opferwahl erkennbar. Doch ist der Mörder, Inspector Jordan und Dr. Hill immer einen Schritt voraus, denn der dritte Giftmord lässt nicht lange auf sich warten...

DIE DREI NATURGIFTE IM PORTRÄT

Rizin
Lateinisch Ricinus comunis, ist einer der giftigsten Eiweißstoffe, die in der Natur vorkommen. Gelangt das Gift in den menschlichen Organismus, bringt es die betroffenen Zellen zum Absterben.

Dosis: Für eine tödliche Vergiftung eines Erwachsenen genügen 0,25 Milligramm isoliertes Rizin oder zwei bis vier Rizin-Samenkörner. 

Vergiftungserscheinungen: Es treten hohes Fieber, Erbrechen, Durchfall, Schwäche und akuter Flüssigkeitsverlust auf. Nach der Aufnahme der tödlichen Dosis tritt der Tod nach 36 bis 72 Stunden ein. (In „Schleichendes Gift“ wird zunächst vermutet, dass das Opfer das Rizin inhalierte, da bei ihm ein Lungenödem auftrat.)

Bekannter Fall aus der Realität: Der bulgarische Schriftsteller Georgi Markow wurde 1978 in London von einem Agenten des damaligen bulgarischen Geheimdienstes scheinbar zufällig mit einer präparierten Regenschirmspitze verletzt. Dabei wurde ein winziges mit Rizin gefülltes Platinkügelchen in den Unterschenkel des Opfers injiziert. Markow starb drei Tage nach dem Attentat.
Belladonna – Schwarze Tollkirsche 
Lateinisch Atropa belladonna, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Nachtschattengewächse. Der Geschmack der reifen, saftigen Tollkirschenfrucht ist nur leicht süß und etwas bitter. Die Pflanze enthält das Gift Hyoscyamin.

Dosis: Bei Kindern führen bereits drei bis fünf, bei Erwachsenen etwa zehn Beeren innerhalb von 14 Stunden zum Tod durch Atemlähmung.
Vergiftungserscheinungen: Rötung des Gesichts, Trockenheit der Schleimhäute, Pulsbeschleunigung, Erweiterung der Pupillen und Halskratzen. Das Opfer verfällt zunächst in Euphorie, in der große Heiterkeit, Lachlust aber auch Weinkrämpfe auftreten können. Oft kommt es zu einem Rededrang, Schreien oder Irrereden.

Bekannte Fälle aus der Realität: Die Wahnzustände, die bei höherer Dosis auftreten, brachten der „Heiligen Inquisition“ in der frühen Neuzeit oft die erwünschte Bestätigung des Hexenverdachts. So konnten unschuldige Frauen der Hexerei bezichtigt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden.

Oleander
Lateinisch Nerium Oleander, ist eine immergrüne Pflanze, die aufgrund ihrer schönen Blüten gerne als Zierpflanze in Gärten angelegt wird. Sie enthält das herzwirksame Glykosid Oleandrin.

Dosis: Ein erwachsener Mensch kann nach Verzehr von etwa 15 bis 20 Gramm frischen Oleanderblättern sterben.

Vergiftungserscheinungen: Das Gift bewirkt Kopfschmerzen, Übelkeit und Krämpfe. Es treten Herzrhythmusstörungen Herzen auf, die zu Herzstillstand führen und tödlich enden können. 

Bekannter Fall aus der Realität: Im 19. Jahrhundert sollen sieben Soldaten Napoleons an einer Oleander-Vergiftung gestorben sein, weil sie Fleisch gegessen haben, das auf Spießen aus Oleanderholz gegrillt wurde.

Die Autorin

Val McDermid

Portrait von Val McDermid

Val McDermid, geboren 1955, arbeitete lange als Dozentin für Englische Literatur und als Journalistin bei namhaften britischen Tageszeitungen. Heute ist sie eine der erfolgreichsten britischen Autorinnen von Thrillern und Kriminalromanen.

zur Autorin

Das Buch

Schleichendes Gift

Friedrich Ani – Süden

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