Verlagsgruppe Droemer Knaur



Interview mit Anne Hertz

21.01.2010
1. Liebe Anne Hertz, alias Wiebke und Frauke, Ihr neuer Roman heißt „Goldstück“. Die Vorgänger heißen „Sternschnuppen“ oder „Glückskekse“ … Ihre Buchtitel sind so wunderschön: verheißungsvoll und prägnant zugleich. Wer denkt sich die eigentlich aus?

Wiebke:
Das machen wir immer zusammen mit unserem Lektor Timothy Sonderhüsken, da brainstormen wir so lange mit ihm, bis wir einen Titel haben, der uns allen gefällt.

Frauke
: Auf „Goldstück“ kamen wir allerdings, weil er uns immer so nennt. Sind wir ja auch, öhem.

2. Sie schreiben viel über Frauen und die Suche nach dem Glück. Was braucht es für Sie, um glücklich zu sein und was denken Sie, sind Frauen oder Männer leichter glücklich zu machen?

Frauke:
Ich habe ja gerade noch ein Baby bekommen, da bedeutet es für mich schon großes Glück, einfach nur mal eine Nacht durchzuschlafen …

Wiebke
: Meiner Meinung nach gibt es bei Männern und Frauen in Sachen Glück keinen Unterschied. Ich selbst finde das Glück in den kleinen Dingen: Ein netter Abend mit Freundinnen. Ein gutes Buch. Ein Kilo weniger auf der Waage …

3. Stichwort „Frauen und Freundschaften“. Was verbinden Sie damit, wie sind Ihre Freundschaften zu anderen Frauen? Solidarisch und herzlich wie die von Maike und ihrer Cousine Kiki in Ihrem Roman „Goldstück“ oder herrscht unter Frauen doch mehr die klassische Stutenbissigkeit?

Frauke
: Ich persönlich habe eigentlich noch nie echte Stutenbissigkeit erlebt. Deswegen habe ich mich schon öfter gefragt, ob es die eigentlich wirklich gibt oder nur in einer Ausprägung, wie sie als Eifersüchtelei auch zwischen Männern und Frauen vorkommen kann.

Wiebke
: Das denke ich auch. Sicher, unsere Hauptperson hat auch immer einen Gegenspieler bzw. eine Gegenspielerin und es gibt Konflikte unter den Figuren – aber sonst wäre ein Roman ja auch langweilig, wenn nichts passiert und man nur über Friede, Freude, Eierkuchen schreibt!


4. Und das andere Stichwort: „Frauen auf Vernichtungsfeldzug“? Maike kann ein Lied davon singen, wie es ist, nach allen Regeln der Kunst von einer Gegenspielerin ausgeschaltet zu werden. Haben Sie diese Erfahrung auch gemacht – ähnlich fies ausgeschaltet zu werden oder gar selbst jemanden so ins Aus zu setzen? Nur zu Recht, selbstverständlich …

Wiebke
: Nicht, dass ich wüsste. Aber wer weiß, was hinter meinem Rücken manchmal so abgeht …

Frauke
: Nä! Ich auch nicht. Ob das wohl heißt, dass meine Männer immer keiner wollte? Grübel …

5. Maike hat eine ganz klare Strategie, wie man Liebeskummer am besten betäubt. Kein Alkohol ist bei ihr auch keine Lösung! Frage an Sie als Frauen-Expertinnen: Wie ist Ihre Erfahrung im Umgang mit Frauen in Krisenzeiten?


Wiebke
: Genau so, wie wir es beschreiben! Wer sich bei heftigem Liebeskummer keinen reinlötet, lebt entweder generell abstinent oder greift zu anderen Drogen.

Frauke
: Och, ich brauch gar keine Krise, um ein leckeres Glas Sekt zu trinken, das schmeckt mir auch so!



6. Man fühlt sich ja durchaus immer wieder beim Lesen des Buches ertappt. Wer oder was ist denn ihr „geistiger Zoo“, woher nehmen Sie die vielen passenden Verhaltensmuster?


Frauke
: Einfach aus dem wahren Leben, da findet man die besten Geschichten und die interessantesten Charaktere.

Wiebke
: Da kann ich mich meiner Schwester nur anschließen.

7. Das Thema Coaching: wie sind Sie darauf gekommen?

Wiebke
: Tja, wie kamen wir darauf? In den letzten Jahren hat sich da ein regelrechter Boom entwickelt, es gibt immer mehr Menschen, die Coaching anbieten und immer mehr, die so etwas in Anspruch nehmen. Vor zehn Jahren war das noch sehr ungewöhnlich, heute ist es normal, wenn man sich bei beruflichen oder privaten Problemen Hilfe sucht.

Frauke
: Einen Freundin von uns arbeitet auch als Coach, und wenn sie von ihrem Job erzählt, finden wir das immer extrem spannend.

8. Sie beide leben gemeinsam in Hamburg – welche Rolle spielt die Stadt für Sie und Ihre Bücher? Könnte Maike auch ganz woanders leben?


Frauke:
Klar könnte sie in jeder anderen Großstadt leben. Aber wir lieben Hamburg, das ist unserer Heimat und so lassen wir unsere Geschichten auch hier spielen.

Wiebke
: Das Lokalkolorit ist uns schon sehr wichtig. Beim Schreiben wandern wir in Gedanken durch die Stadt und haben die jeweilige Szene dann ganz genau vor Augen.

9. Ihre Tipps für ein Wochenende in HH – zur Einstimmung eines Ihrer Bücher und dann: wohin?

Frauke
: Donnerstags anreisen und mittags ein Wiener Schnitzel im „Drei Tageszeiten“ am Mühlenkamp essen (gibt’s nur donnerstags als Mittagstisch und ist sensationell gut!). Abends in die Hamburgische Staatsoper – lohnt sich immer! Hier unbedingt vor der Vorstellung für die Pause einen Antipastiteller und ein Glas Schampus ordern – das wartet dann schon auf einen, man spart sich die Schlange am Büffet und super lecker ist es auch. Freitag Shoppen – entweder klassisch in der City: Mönckebergstraße, Jungfernstieg und Hanseviertel. Oder im Karoviertel bummeln – hier sind die Läden von Hamburgs Design-Elite, z. B. Alpenglühn, Mägde und Knechte. Samstag Hafenrundfahrt, Ausstellungsbesuche oder zum „Dialog im Dunkeln“ in der Speicherstadt.

Wiebke
: Samstagabend, klar, Besuch auf der Reeperbahn! Erst ins Theater „Schmidt’s“ oder „Schmidt’s Tivoli“, dann Kneipentour inklusive Besuch in der Karaoke-Bar „Thai Oase“ (Große Freiheit). Unbedingt bis zum nächsten Morgen durchmachen und dann ab sechs Uhr runter zum Fischmarkt, heiße Waffeln oder Krabbenbrötchen essen, in der Fischauktionshalle abtanzen und draußen an den Marktständen vorbeibummeln. Achtung: Nicht im Alkoholrausch aus Versehen zwei lebende Hühner kaufen – das hat mal eine Freundin von uns gemacht und sich am nächsten Tag gefragt, was sie mit den Viechern jetzt anfangen soll …

10. Und zum guten Schluss die Grundsatz-Frage: Können Männer und Frauen Freunde sein?


Frauke
: Ja.

Wiebke
: Hmmmjein. Wenn sie sich gegenseitig nicht attraktiv finden, dann schon. Und was auch passieren kann: Dass aus einer Beziehung nach der Trennung irgendwann eine Freundschaft wird.

Frauke
: Also, ich weiß nicht. Ich bin auch gerne mit schönen Männern befreundet. Wenn man sich mal gerade nichts zu sagen hat, dann kann man sich den anderen einfach nur angucken und es ist trotzdem ein schöner Abend.

Liebe Anne Hertz, ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview und wünsche Ihnen weiterhin so viele begeisterte Leserinnen!


Die Autorin

Anne Hertz

Portrait von  Anne Hertz

Anne Hertz ist das Pseudonym der Hamburger Autorinnen Frauke Scheunemann und Wiebke Lorenz, die nicht nur gemeinsam schreiben, sondern als Schwestern auch einen Großteil ihres Lebens miteinander verbringen. Bevor Anne Hertz 2006 in Hamburg zur Welt kam, wurde sie 1969 und 1972 in Düsseldorf geboren.

zur Autorin

Das Buch

Goldstück

Friedrich Ani – Süden

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