Verlagsgruppe Droemer Knaur



Die Wüstenblume kehrt zurück

02.01.2012
Ihre Geschichte bewegte Millionen. Die Geschichte von Waris Dirie, dem armen Nomadenmädchen, das nach der dramatischen Flucht vor Heimat und Familie in Europa eine steile Karriere als Topmodel machte und schließlich zur Menschenrechtskämpferin wurde. Jetzt kehrt Waris Dirie mit ihrem neuen Buch „Schwarze Frau, weißes Land“ zurück. „Schwarze Frau, weißes Land“ ist mehr als ein Status quo Bericht einer außergewöhnlichen Frau. Es ist der Appell einer Kämpferin für ein neues, besseres Afrika.

In „Schwarze Frau, weißes Land“ erzählt Waris Dirie über ihr Leben in der neuen weißen Heimat. Sie erzählt von ihrer Sehnsucht nach Afrika und ihrer Zerrissenheit zwischen den beiden Welten. Das ehemalige Topmodel, das als 13jähriges Mädchen aus ihrer Heimat Somalia und vor der Verheiratung mit einem älteren Mann flüchtete, wurde durch ihren Kampf gegen das grausame Beschneidungsritual zum Symbol des Mutes auf der ganzen Welt. Dirie, die selbst als junges Mädchen diesem Ritual zum Opfer fiel, startete ihr Engagement 1997. Sie beendet ihre Karriere als Model, gründet eine Stiftung, hält Vorträge und wird Sonderbotschafterin der UNO.

Schwarze Frau, weißes Land

2008 reist Waris Dirie in ihren Heimatkontinent, um bei der Verfilmung ihrer Lebensgeschichte „Wüstenblume“ dabei zu sein. So begeistert Waris Dirie über die erfolgreichen Dreharbeiten ist, so bestürzt zeigt sie sich über den Zustand ihres Landes. Korruption, Armut, überkommene Traditionen prägen das Land nach wie vor. Es ist Zynismus pur, dass nur wenige Meter vom Drehort der Beschneidungsszene entfernt, Mädchen verstümmelt werden. Waris Diries Entschluss wächst: Sie wird mit ihrem Sohn Leon nach Afrika zurückkehren. Um den Frauen dort zu helfen, für deren Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu kämpfen. In „Schwarze Frau, weißes Land“ sagt sie, was aus ihrer Sicht für ein besseres Afrika getan werden muss.

Waris Dirie – Forderungen für die Zukunft Afrikas (Auszug aus „Schwarze Frau, weißes Land“)

Frauenrechte stärken
• Den Frauen in Afrika muss endlich der Respekt entgegengebracht werden, den sie verdienen. Das bedeutet: zum einen gleiche Rechte für Männer und Frauen, zum anderen ein Verbot von Polygamie, Zwangsverheiratungen und Genitalverstümmelung.
• Afrika braucht sexuelle Aufklärung. Afrikanerinnen und Afrikaner müssen anfangen, über Sex zu sprechen. Sie müssen wissen, wie sie sich vor Aids und vor ungewollten Schwangerschaften schützen können. Afrika braucht im Grunde seine eigene Bravo. Sexuelle Aufklärung ist entscheidend, damit die Frauen mehr Rechte und mehr Unabhängigkeit erlangen können. Mädchen und junge Frauen müssen wissen, dass kein Mann ein Recht darauf hat, Sex mit ihnen zu haben, dass sie immer selbst entscheiden dürfen und ihr Körper nur ihnen allein gehört.

Wirtschaftliche Entwicklung fördern
• Afrika braucht gezielte Investitionen in die Wirtschaft statt Entwicklungshilfe sowie gezielte Förderung von Unternehmen, die Frauen zu fairen Bedingungen beschäftigen. Afrika braucht Kapital für den Aufbau von Klein- und Mittelbetrieben statt Geldspenden.
• Afrika braucht mehr Nachhaltigkeit bei den Investitionen, das bedeutet mehr Investitionen in Bildung und Infrastruktur sowie die Schulung von afrikanischen Unternehmerinnen in Qualitätsmanagement, Vertrieb und Marketing.
• High Potentials müssen gefördert werden. Nur wenn es in Afrika Arbeitsplätze für Hochqualifizierte gibt, kann die Abwanderung von gut ausgebildeten afrikanischen Arbeitskräften gestoppt werden.
• Schluss mit reinen Rohstoffexporten und Monokulturen, der komplette Wertschöpfungsprozess muss in Afrika stattfinden.
• Die Geberländer von Entwicklungshilfe sollten ihre wirtschaftlichen Interessen in Afrika offenlegen und afrikanischen Produkten Zugang zu ihren Märkten ermöglichen.

Korruption bekämpfen
• Die Korruption in Afrika muss endlich nachhaltig bekämpft werden. Viele Millionen Euro gehen jedes Jahr durch Korruption verloren; das ist wertvolles Geld, das in die Entwicklung des Kontinents investiert werden könnte – und dringend müsste. Die Afrikaner müssen erkennen, dass ihre korrupten Eliten die Ausbeutung der Kolonialherren nur weiterführen und ihre eigenen Völker auspressen.
• Die afrikanischen Regierungsmitglieder müssen aufhören, ihr Geld für Autos und westlichen Luxus auszugeben, und anfangen, Geld für Schulen auszugeben und in die Bildung ihrer Jugend zu investieren. Bildung ist der Schlüssel für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und für eine Gesellschaft, die das Tun ihrer eigenen Eliten hinterfragt und somit kontrollieren kann.
• Die großen Geber von Entwicklungshilfe wie die EU, die USA oder China müssen endlich aufhören, korrupte und kriminelle Regierungen zu unterstützen. Sie dürfen nicht länger wissentlich Verbrechern Geld in die Hände geben, das an anderer Stelle dringend gebraucht wird.

Afrika muss aufhören, sich selbst zu zerstören
• Die sinnlosen Kämpfe zwischen Familien, Stämmen, Rebellengruppen müssen aufhören. Ohne Frieden gibt es keine Zukunft für Afrika.
• Afrika muss sein eigenes Potenzial erkennen. Die Afrikaner müssen die Schönheit ihres Kontinents schätzen lernen und begreifen, wie sie die unglaublichen Ressourcen nutzen können, die Afrika zu bieten hat. Auch das touristische Potenzial kann nur erschlossen werden, wenn es keine sinnlosen Kriege und Umweltzerstörung mehr gibt.
• Die Afrikaner müssen endlich aufhören, auf Rettung zu warten. Nur die Afrikanerinnen und Afrikaner selbst können ihren Kontinent retten. Afrika muss dringend umdenken. Macht endlich Schluss mit der Passivität und tut etwas für eure eigene Zukunft.

AFRICA NEEDS A NEW SPIRIT.
Waris Dirie

„Ihr Mut ist ihr Verdienst, dafür wurde Waris Dirie zum Vorbild, zum Symbol, zum Standbild für die Ewigkeit.“ ZEITmagazin


Die Autorin

Waris Dirie

Portrait von  Waris Dirie

Als somalisches Nomadenkind geboren, durchlitt Waris Dirie im Alter von fünf Jahren die unmenschliche Prozedur einer genitalen Verstümmelung. Mit 13 Jahren flüchtete sie alleine durch die Wüste nach London.

zur Autorin

Das Buch

Friedrich Ani – Süden

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