Verlagsgruppe Droemer Knaur



Lena Johannson im Interview zu ihren Büchern

Lieblingsfiguren? Gibt es nicht für die beliebte Autorin von historischen Romanen!

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Was ist Ihre liebste Romanfigur und was verkörpert sie für Sie?

Lena Johannson: Ich habe nicht EINE Lieblingsfigur. Wenn ein Buch mich packt, gibt es da meist auch eine Figur, an der mein Herz während des Lesens besonders hängt, von der ich mich am Schluss der Lektüre nur sehr schwer trennen kann. Vor allem Personen oder auch Fantasie-Figuren, die nicht perfekt sind, die dadurch liebenswert sind, dass sie sich mühen, dass sie mit reinem Herzen aber eben kleinen Unzulänglichkeiten durch das Leben stolpern, mag ich sehr gerne.
Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus? Womit verbringen Sie gerne Ihre Zeit?

Lena Johannson: Es gibt für mich verschiedene Arten perfekter Tage. Der perfekte Arbeitstag ist einer, an dem ich mich früh an ein Manuskript setze und kaum unterbrechen kann, weil die Ideen nur so auf mich nieder prasseln. Einen perfekten arbeitsfreien Tag verbringe ich zum Teil draußen in der Natur, vielleicht mit der Gestaltung des Balkons. Ein Mittagsschläfchen gehört dazu, die eine oder andere Stunde mit einem guten Buch. Mein Lebensgefährte sollte in meiner Nähe sein, was nicht bedeutet, dass man jede Minute zusammen verbringt, und am Abend treffe ich gute Freunde. Ach ja: Ein perfekter Tag hat grundsätzlich mehr als 24 Stunden! ;-)
Wie würden Sie sich mit drei Worten beschreiben?
Lena Johannson: Fleißig, ungeduldig, umgänglich.
Was würden Sie in der Welt verändern, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
Lena Johannson: Ich würde gern Dummheit und Selbstsucht abschaffen. Und wenn es dann noch nötig wäre, würde ich den Menschen eine Medizin geben, die bewirkt, dass alle die Natur so sehr lieben wie sich selbst. Oder wenigstens mehr, als ihren Sportwagen ...
Ihr schlimmster Albtraum?
Lena Johannson: Das ist eine schwierige Frage, und ich bin ganz froh, dass ich sie nicht aus dem Stand beantworten kann. Ein schlimmer Traum verfolgt mich, seit mein Vater Alzheimer bekommen hat. Ich möchte nicht noch einmal einen geliebten Menschen durch eine so schwere Zeit gehen sehen.
Was macht den Reiz beim Schreiben aus? Was möchten Sie Ihren Lesern mitgeben?
Lena Johannson: Der Reiz liegt für mich ganz klar darin, dass ich bestimmen kann, wie sich eine Geschichte entwickelt. Obwohl ... Die handelnden Figuren machen sich meist nach einigen Seiten selbständig und diktieren mir, wie es weitergeht. Auch darin liegt natürlich ein großer Reiz. Was möchte ich meinen Lesern mitgeben? Zunächst einmal möchte ich sie aus der Realität in eine andere Welt entführen. Wenn ich meine Arbeit gut gemacht habe, wollen die Leser aus dieser Welt am liebsten nicht zurückkommen, weil sie so gefesselt davon sind, weil sie die Figuren mögen und sich gut unterhalten fühlen. Ganz nebenbei möchte ich auch Wissen vermitteln. Darum recherchiere ich sehr sorgfältig. Ich glaube, durch einen guten historischen Roman kann man mehr lernen – und sich mehr merken – als im Geschichtsunterricht. Jedenfalls gilt das für mich.
Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Buch beginnen und dafür recherchieren?
Lena Johannson: Zuerst sammle ich so viel Material, wie ich nur kriegen kann. Dafür gehe ich in die Bibliothek und in das Archiv der Region. Dann stehen noch Besuche in Museen und möglichst auch an den Handlungsorten auf der Liste. Das Internet ist natürlich eine großartige Hilfe für einen Schriftsteller, wenn man vorsichtig damit umgeht. Neben Fakten recherchiere ich darüber vor allem Literatur oder eben die Adresse von Museen oder Sammlungen, die mir helfen könnten. Dann nehmen die Personen allmählich Gestalt an, zu denen ich mir Notizen mache. Und dann schreibe ich los. Im Laufe der Arbeit ergeben sich sowieso noch genug Fragen, die dann erforscht werden müssen.
Was tun Sie bei einer Schreibblockade? Oder kennen Sie dieses Problem gar nicht?
Lena Johannson: O doch, das kenne ich! Es gibt mehrere Möglichkeiten. Entweder lese ich ganz viel Material aus der betreffenden Zeit und Gegend, so dass ich möglicherweise wieder inspiriert werde. Oder ich gehe raus in den Wald, mache einen Spaziergang oder wühle in der Wohnung herum. So ganz werde ich den Schrecken einer Blockade wohl nie in den Griff bekommen, aber ich werde inzwischen gelassener, weil ich weiß, dass sich nichts erzwingen lässt. Die Muse küsst eben nur, wenn sie dafür in Stimmung ist. Früher oder später ist sie das.
Worüber können Sie sich so richtig freuen?
Lena Johannson: Über extrem vieles. Ich freue mich darüber, dass ich es so gut habe, dass ich mit einem tollen Partner zusammen leben darf, eine Familie habe, die zusammenhält. Ich freue mich über das Glas Wein am Abend, über gute Verkaufszahlen, noch mehr über begeisterte Rückmeldungen von Lesern ... Sie sehen, ich freue mich eigentlich ständig.
Welcher Autor hat Sie maßgeblich beeinflusst?
Lena Johannson: Ich habe Buchhändlerin gelernt und hatte Ausbilder, die sehr viel verlangt haben. Das bedeutet, ich musste extrem viel lesen, zu Buchbesprechungstagen fahren. Ich glaube, die Fülle der unterschiedlichen Stile und Techniken hat mich am meisten beeinflusst.
Sind historische Romane geeignet Bildung zu vermitteln? Haben Autoren hier eine besondere Verantwortung?
Lena Johannson: Zweimal: Ja! Wie ich schon sagte, bin ich davon überzeugt, dass geschichtliche Hintergründe, die in einem historischen Roman vermittelt werden, besser im Kopf bleiben, als die in der Schule auswendig gepaukten. Die Verantwortung liegt meines Erachtens darin, gründlich zu recherchieren. Und ich finde es gut, wenn dem Leser durch eine Schlussbemerkung gesagt wird, was Historie und was frei erfunden ist. Das zu unterscheiden, ist dem Leser ja kaum möglich, was bedeutet, dass er auch sorgsam recherchierten Fakten nicht „trauen“ kann.
Welche historische Person würden Sie gerne einmal persönlich treffen?
Lena Johannson: Maria Magdalena.

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