Verlagsgruppe Droemer Knaur



Interview mit Iny Lorentz zu ihrem Roman „Die Feuerbraut“

im Dezember 2007

Ihr Roman Die Feuerbraut erzählt die Geschichte der jungen Irmela, die die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges durchlebt und als Hexe beschuldigt wird. Was hat Sie an diesem Thema besonders fasziniert?

Sowohl der Dreißigjährige Krieg wie auch die Hexenverfolgungen haben tiefe Einschnitte in der Geschichte Mitteleuropas hinterlassen, die jemanden, der sich mit der Historie beschäftigt, nicht unberührt lassen können. Wir haben schon seit mehreren Jahren im Hintergrund eine Idee verfolgt, um die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Dreißigjährigen Krieges darzustellen. Da aber diese Zeit gleichzeitig einen der Höhepunkte des Hexenwahns darstellte, war es für uns nahe liegend, beide Themen zu kombinieren.

Wie umfassend war Ihre Recherche zu dem Roman? Gibt es für die Figuren und Schauplätze reale Vorbilder?

Die in unseren Romanen wirklich aktiven Personen sind unserer Fantasie entsprungen. Wir verwenden aber gerne historische Persönlichkeiten als Nebenfiguren, die dann allerdings so handeln müssen, wie es ihrem tatsächlichen Leben entspricht. In diesem Rahmen dürfen sie auch in das Schicksal der Hauptpersonen eingreifen. Die Recherche für Die Feuerbraut war wegen der beiden Hauptstränge Dreißigjähriger Krieg und Hexenwahn, und auch wegen des Herzogtums Pfalz-Neuburg, das eine gewisse Rolle im Roman spielt, etwas aufwändiger als sonst. So summierten sich die dafür verwendeten Sachbücher zu einer stolzen Zahl. Wir waren mehrmals in Neuburg und Umgebung, haben Passau und Irmelas Zuflucht in den Waldbergen aufgesucht, Lützen gesehen und in Österreich Recherchen betrieben.

Auch in Die Feuerbraut steht wieder eine Frau im Mittelpunkt des Romans. Warum sind stets Frauen die Heldinnen in Ihren Romanen?

Iny hat von Anfang an in ihren Geschichten weibliche Hauptpersonen handeln lassen. Auch Elmar hat in seinen frühen Geschichten immer wieder weibliche Protagonisten eingesetzt. Aus diesem Grund war es uns nicht fremd, historische Romane mit weiblichen Helden zu schreiben. In gewisser Weise ist es faszinierender, über Frauen zu schreiben, da man hier weitaus stärker auf deren Gefühle eingehen kann als bei Männern. Zudem waren Frauen über lange Zeit vielen Einschränkungen unterworfen, daher kann man eine Epoche gerade durch die Augen einer Frau weitaus vielfältiger darstellen als bei einem Mann, den vieles von dem, was Frauen behindert, nicht berührt.

Sie sind unglaublich produktiv und veröffentlichen jedes Jahr ein bis zwei Romane. Wie machen Sie das? Woher nehmen Sie die Ideen?

Ideen sind wie junge Hunde, die hinter einem herlaufen. Sie sind einfach da und wollen gestreichelt werden. Wir haben inzwischen 75 mögliche Romanideen notiert, die wir von Zeit zu Zeit ansehen und überlegen, welche für die nächsten Romane geeignet sein könnten. Oft verweben wir auch mehrere Ideen zu einem Strang. Angst, dass sie uns ausgehen könnten, haben wir nicht. Jedes Sachbuch, das wir lesen, bringt neue, faszinierende Ideen, ebenso Fernsehberichte oder Zeitungsartikel. Man muss nur das entsprechende Gespür dafür haben.

Ihr Berufsleben war und ist sehr bunt und vielseitig. Sie arbeiteten bereits als Tierpflegerin, Arzthelferin, Datentypistin und jetzt als EDV-Spezialistin und Autorin. Wie kamen Sie zum Schreiben?

Wir haben beide sehr früh mit dem Schreiben begonnen, Iny mit Hundeanekdoten und Elmar, indem er gelesene Geschichten nach seinem Geschmack für sich umgearbeitet hat. Später trafen wir auf der Suche nach anderen Leseratten auf das SF- und Fantasy-Fandom und konnten Kurzgeschichten für mehrere Fanpublikationen schreiben. Iny war gut genug, um einem Anthologisten beim Heyne Verlag aufzufallen, und wurde von diesem aufgefordert, eine Story für ihn zu schreiben. Kurz darauf kamen wir mit dem Goldmann Verlag in Kontakt.

Warum schreiben Sie ausgerechnet historische Romane? Was reizt Sie so an diesem Genre?

Erst einmal eine Richtigstellung. Wir schreiben nicht nur historische Romane, sondern auch SF, Fantasy und zeitgenössische Texte. Diese erscheinen jedoch nicht unter Iny Lorentz. Doch nun zur Frage. Wir sind beide von frühester Jugend an von historischen Romanen fasziniert gewesen und hätten schon früher in diesem Genre geschrieben, wenn wir nicht die Chance erhalten hätten, in SF- und Fantasy-Anthologien mitzuschreiben. Damals hat sich auch bereits unsere Zusammenarbeit in ihrer jetzigen Form entwickelt. Auf Dauer haben uns die Kurzgeschichten für Anthologien nicht zufrieden gestellt und wir wollten irgendwann auch etwas völlig anderes machen. Dabei kamen wir wieder auf die historischen Romane zurück und haben im Lauf der Jahre mehrere Manuskripte erstellt, von denen dann schlussendlich Die Kastratin den Durchbruch geschafft hat.

Wie entstehen Ihre Romane? Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen Iny und Elmar Lorentz ab?

Diese Frage wird uns oft gestellt. Im Grunde ist unsere Zusammenarbeit relativ einfach. Wir entwickeln gemeinsam eine Romanidee und entscheiden dann nach ersten Recherchen, in welchen historischen Hintergrund sie passt. Danach erstellen wir ein Exposé und beginnen mit der Recherchearbeit, die zum größten Teil von Elmar geleistet wird. Ist Elmar bei den Recherchen an einem gewissen Punkt angelangt, beginnt er in enger Absprache mit Iny mit dem Verfassen des Rohtextes. Diesen Rohtext überarbeitet Elmar noch einmal auf historische Genauigkeit, Längen und eingeschlichene Fehler, dann reicht er den Roman an Iny weiter, die ihn dann in fünf Arbeitsgängen zurechtschleift. Jeder dieser Überarbeitungsschritte wird von Elmar verfolgt und kommentiert. Zuletzt steht der Roman so, wie wir ihn beide uns vorstellen und kann an unsere Agenturlektorin weitergeleitet werden.

Hat der Erfolg Ihrer Romane Ihr Leben verändert? Wie gehen Sie mit dem Erfolg um?

Mein Mann und ich konnten mit dem Arbeiten aufhören und sind jetzt in der Lage, uns ganz dem Schreiben zu widmen. Es war keinen Augenblick zu früh, denn die mehrjährige Doppelbelastung von Beruf und Schreiben hat zuletzt arg gezehrt. Sonst hat sich eigentlich wenig verändert. Statt in die Firma zu fahren, setzen wir uns an die Computer, um unser Tagessoll zu leisten. Das fällt jetzt natürlich leichter als früher, und wir können uns auch hier und da einen halben Tag Zeit nehmen, um Besorgungen zu machen. Das ist etwas, das vorher kaum möglich war. Wie wir mit dem Erfolg umgehen? Wir sehen ihn als Ansporn und Verpflichtung unseren LeserInnen gegenüber, weiterhin spannende Romane zu schreiben.

Sie engagieren sich sehr für Ihre Leser, machen viele Lesungen und sind in vielen Internetforen vertreten. Was bedeutet Ihnen der Kontakt zu den Lesern? Nehmen Sie auch die Kritik der Leser ernst?

Fundierte Kritik von unseren LeserInnen ist uns stets willkommen. Daher begleiten wir gerne Leserunden und tauschen uns hier mit deren Teilnehmern aus. Wir legen damit die Finger an den Puls der LeserInnen und erfahren viel über ihre Überlegungen und Wünsche. Dies ist für uns wichtig, da wir ja in erster Linie für unsere Fans schreiben und erst in zweiter zu unserer Selbstverwirklichung.

Stehen Sie in Kontakt und Austausch mit anderen deutschen Autoren historischer Romane?

Wir sind Mitglieder im Arbeitskreis Historischer Roman Quo Vadis, sowie bei DeLiA, der Gemeinschaft Deutscher Liebesromanautorinnen, und dem Autorenforum Montsegur. In allen drei Gruppen herrscht ein reger Austausch im Interesse der deutschen Autoren.

Iny Lorentz, wir danken für das Interview!

Die Autorin

Iny Lorentz

Portrait von Iny Lorentz

Hinter dem Namen Iny Lorentz verbirgt sich ein Münchner Autorenpaar, dessen erster historischer Roman „Die Kastratin“ die Leser auf Anhieb begeisterte. Mit „Die Wanderhure“ gelang ihnen der Durchbruch; der Roman erreichte ein Millionenpublikum.

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Das Buch

Friedrich Ani – Süden

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