Verlagsgruppe Droemer Knaur



Michelle Holman im Interview

13.09.2010

Die Autorin berichtet über die Arbeit an ihrem Roman "Herzkurven"

"Ich finde, jede Frau sollte eine Ehefrau haben, die ihr den Rücken freihält. Ich will eine!"
Michelle Holman erzählt über ihre Schreibanfänge, den Wahnsinn des Alltags und was sie zu "Herzkurven" inspiriert hat!

Wann haben Sie angefangen zu schreiben? Und wodurch haben Sie bemerkt, dass Sie ein Talent dafür haben?
Michelle Holman:
Ich habe schon mit zwölf angefangen. Allerdings nicht deshalb, weil ich damals schon dachte, ich hätte Talent, sondern eher, weil ich so gerne las und ständig Ideen für eigene Geschichten im Kopf hatte. Ich schrieb dann in der Schule, wenn ich eigentlich Matheaufgaben hätte machen oder dem Lehrer zuhören sollen.

Schreiben Sie Vollzeit oder haben Sie einen Brotberuf?
Michelle Holman:
Zurzeit schreibe ich Vollzeit, was ein unglaublicher Luxus ist. Noch vor ein paar Monaten war ich Leiterin eines gemeinnützigen Projekts für Jugendgesundheitsfürsorge, aber ich habe mich schier zerrissen bei dem Versuch, gleichzeitig zu arbeiten, zu schreiben und Zeit mit meinem Mann und meinen Kindern zu verbringen. Und meine Familie hat sich ebenfalls aufgerieben mit mir und meinen drei Jobs. Ich finde, jede Frau sollte eine Ehefrau haben, die ihr den Rücken frei hält. Ich will eine!

Wie lange brauchen Sie, um ein Buch zu schreiben, von der ersten Idee bis zum allerletzten Satz?
Michelle Holman:
Normalerweise brauche ich ungefähr ein Jahr. Ich habe viele Geschichten im Kopf, die darauf warten, geschrieben zu werden, allerdings habe ich gelernt, dass bestimmte Bücher und Charaktere eine gewisse Zeit benötigen, um zu reifen, und ich habe keine Mitsprache dabei, wie lange das dauert. Danny und Ross aus „Herzkurven“ haben in meinem Kopf so unglaublich viel gequasselt, ich hatte gar keine andere Wahl, als ihre Geschichte zu schreiben, denn sie wollten einfach nicht die Klappe halten.

Sie sind verheiratet und haben einen Sohn und eine Tochter. Was sagen Ihr Mann und Ihre Kinder dazu, eine Schriftstellerin in der Familie zu haben?
Michelle Holman:
Sie gehen total locker damit um! Glücklicherweise sind alle drei leidenschaftliche Leser. Mein Mann muss beruflich sehr viel reisen, und dann bringen er und auch meine Kinder oft Geschichten mit nach Hause, Dinge, die sie gehört haben, von denen sie denken, dass ich sie verwenden könnte. Mein Mann liest alles, was ich schreibe, als Erster. Er weist mich immer auf die „Männersachen“ hin, etwa: „Kein Mann würde so etwas sagen oder auch nur denken“. Meine Kinder und ihre Freunde machen dasselbe, wenn es um Teenager in meinen Büchern geht. Ich verstehe zum Beispiel diese Internetsprache einfach nicht, für mich sieht sie aus wie Chinesisch.



Wie haben Sie sich gefühlt, als sie erfuhren, dass ihr erstes Buch, „Einfach himmlisch“, von einem Verlag angenommen worden war? Was haben Sie am nächsten Tag gemacht?
Michelle Holman:
Man kann dieses Gefühl einfach nicht beschreiben. Wir leben auf dem Land, gleich neben einer Molkerei. Ich habe zusammen mit meinem Sohn und meiner Tochter draußen auf der Veranda darauf gewartet, dass die Verlegerin von HarperCollins Neuseeland anruft, um mir mitzuteilen, ob „Einfach himmlisch“ angenommen wird. Eine ganze Herde Milchkühe stand neben unserem Haus auf der Weide. Das Telefon klingelte, meine Kinder klebten mit ihren Ohren geradezu am Telefon, um mitzuhören, und als Lorain Day „Ja“ sagte, habe ich laut angefangen zu jubeln – und die Kühe ergriffen die Flucht. Abends, als mein Mann heimkam, sind wir dann essen gegangen. Am nächsten Tag war zwar wieder Arbeit angesagt, aber ich glaube, ich habe den ganzen Tag gegrinst.

Was hat Sie zu „Herzkurven“ inspiriert?
Michelle Holman:
Socken. Ernsthaft! Ich hängte gerade Socken auf der Wäscheleine auf, als ich plötzlich diese tiefe, amerikanische Stimme grummeln hörte: „Was haben Sie mit meinen Socken angestellt?” Daher auch die Socke auf dem Umschlag von „Herzkurven“.

Ihre Heldin Danny ist Krankenschwester genau wie Sie selbst – wie viel Michelle steckt in Danny?
Michelle Holman:
Ich war Krankenschwester in der Notaufnahme, genau wie Danny, und ich hatte ebenfalls sehr kurzes Haar, allerdings war meines nicht blau. Tatsächlich hatte ich gar nicht gedacht, dass so viel von mir in Danny steckt, bis mein Mann das fertige Buch mit auf eine Geschäftsreise nahm, es las und danach meinte, es sei ihm vorgekommen, als säße ich neben ihm. Er hat während des Fluges beim Lesen so sehr gelacht, dass eine Passagierin ihn fragte, ob sie das erste Kapitel lesen könne. Danach meinte sie, sie wolle es kaufen. Er ist mein fliegender Marketing- und Verkaufsleiter!

Allgemein gesprochen: Gibt es Vorbilder für die Charaktere Ihrer Bücher?
Michelle Holman:
Nein, ich denke mir sie aus. Einiges basiert zwar auf tatsächlichen Ereignissen, aber ich frage die betreffenden Personen immer, bevor ich so etwas einbaue. Die Essensschlacht im Supermarkt gehört übrigens nicht zu diesen Szenen!

Ross wird als George Clooney-Doppelgänger beschrieben – warum George Clooney? Was glauben Sie, warum himmeln ihn so viele Frauen an?
Michelle Holman:
Ross ist teils Italiener, daher hat er einen dunkleren Teint. Ich habe ihn mir immer als eine mürrische Version von George Clooney vorgestellt, mit einer größeren Nase.
Warum so viele Frauen George Clooney anhimmeln? Weil sie Augen haben! Und weil er schokoladenbraune Augen hat, in denen der Schalk lauert. Nichts ist so sexy, wie ein Mann, der einen zum Lachen bringt.

In „Herzkurven“ geht es um ein Paar, das nicht erkennt, dass sie füreinander geschaffen sind. Glauben Sie an Liebe auf den ersten Blick?
Michelle Holman:
Nein. Ich glaube an Verliebtheit auf den ersten Blick. Wahre Liebe aber entsteht erst, wenn man jemanden sehr gut kennt.

Haben Sie einen Tipp für diejenigen, die immer noch auf der Suche nach „dem Einen“ sind?
Michelle Holman:
Nehmt den, der euch zum Lachen bringt!



Was war das Ungewöhnlichste, das Sie je getan haben, um einen Mann zu beeindrucken?
Michelle Holman:
Da muss ich nachdenken … Eines Tages stolperte ich, als ich eine Schüssel Wasser in den Händen hielt, um einem Patienten beim Waschen zu helfen, und er wurde klatschnass. Das dürfte bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben.
Oh, und als ich das erste Mal mit meinem heutigen Mann ausging (ein Blind Date) trug ich ein Paar High Heels mit Holzsohle. Während des Abends löste sich die Plastikkappe an einem der Absätze, und es klang so, als hätte ich ein Holzbein. Er muss beeindruckt gewesen sein – er hat mich geheiratet! Zählt das?

Sie schreiben Frauenunterhaltung – warum gerade dieses Genre? Was fasziniert daran? Und was macht gute Frauenunterhaltung in Ihren Augen aus?
Michelle Holman:
Ich finde die Unterschiede zwischen Männern und Frauen unglaublich faszinierend. Wir benutzen zwar dieselben Worte, aber sie können etwas völlig Unterschiedliches bedeuten, je nachdem, ob sie ein Mann oder eine Frau verwendet.
Gute Frauenunterhaltung braucht meines Erachtens Folgendes: starke Männer und Frauen, beide mit kleinen Fehlern, eine unbestreitbare Anziehung zwischen beiden, viel Humor – und ein Happy End. Man liest soviel Trauriges und Furchtbares in der Zeitung, da muss ich nicht noch mehr davon liefern.

Nichts ist schwieriger, als komisch zu sein. Was ist Ihr Geheimnis, warum sind Ihre Bücher so witzig?
Michelle Holman:
Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube nicht, dass ich besonders lustig bin. Meine Familie und Freunde sind geradezu schreiend komisch, wenn sie alle zusammen sind. Genauso die Familie meines Mannes. Ich glaube, ich achte einfach genau darauf, was mich zum Lachen bringt, und packe das in meine Bücher.

Was bringt Sie zum Lachen?
Michelle Holman:
Meine Kinder, meine Freunde, unsere Haustiere, bestimmte Bücher oder Filme. Unser neuer Welpe, der beschlossen hat, sich quer durch ein altes Sofa hindurchzuknabbern ... Ich muss schon lachen, wenn ich nur daran denke.

Welche Frage wurde Ihnen noch nie in einem Interview gestellt, die Sie aber gerne beantwortet hätten?
Michelle Holman:
Sie sehen Sandra Bullock unwahrscheinlich ähnlich. Sind Sie's vielleicht?




Die Autorin

Michelle Holman

Portrait von  Michelle Holman

Michelle Holman träumte schon früh von einer Schreibkarriere. Neben ihrer Arbeit als Krankenschwester hat sie nächtelang vor dem Computer gesessen und dabei Unmengen Schokolade vertilgt.

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