Verlagsgruppe Droemer Knaur



Auf dem roten Teppich: Petra Busch

Die Krimi-Autorin steht Rede und Antwort!

Beschreiben Sie sich mit drei Worten!
Alles außer dreiworttauglich.
Was macht Ihnen schlechte Laune, was macht Ihnen Freude?
Schlechte Laune: Tanken, Bügeln, Löffelbiskuits, Schuhe kaufen, Leute, die immer genau wissen, wie andere zu leben haben. Freude: Schmetterlinge, Schneeflocken, Vanillesoße, Shoppen im Handwerker-Fachmarkt, mit Kameraausrüstung durch die Welt bummeln, ein gelungenes Romankapitel, leise Musik, Menschen, die über Leute lachen, die immer genau wissen, wie andere zu leben haben.
Sie können Frühstück, Mittag- und Abendessen an drei unterschiedlichen Orten auf der Welt einnehmen – wohin führt Sie diese Reise?
Frühstück im heimischen Fachwerkhäuschen mit lieben Zwei- und Vierbeinern. Mittagessen im Straßencafé ums Eck. Abendessen mit Freunden auf der Dachterrasse. Im Ernst: Reisen braucht Zeit, ich muss auch innerlich ankommen, um die Umgebung zu genießen. Würde ich allerdings gezwungen, dann würde ich heute wählen: Frühstück in Kopenhagen bei Sonnenaufgang und mit Blick über den Kanal, Mittagessen in Damaskus in einem duftenden, schattigen Garten am Rande der Altstadtgassen, Abendessen im südfranzösischen Dorf Cucuron, ganz schlicht. Morgen kann das aber schon wieder ganz anders aussehen: Sana’a, Moskau, Lough Corrib. Und übermorgen …
Kaffee oder Tee?
Beides. Jeden Tag. Von morgens bis abends: Kaffee schwarz, Zitronen-Ingwer-Tee, Latte macchiato, Sweet-Chili-Tee, Milchkaffee.
Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus?
Mein Butler weckt mich gegen 12 Uhr, bringt mir knusprige Croissants mit Pinienhonig und dampfenden Kaffee ans Bett; fährt (unterdessen die Zofe meinen Rücken im Schaumbad massiert und mich ankleidet) meinen frisch gewienerten Bentley Continental Supersports Cabrio vor; den Rest des Tages beaufsichtigt er Köche, Gärtner, Stall- und Kellermeister – während ich mit wehenden Haaren und dem Fuß auf dem Gaspedal den Renner in 4,2 Sekunden auf 325 Stundenkilometer hochjage und die überflüssigen Millionen in kleinen Scheinen mit links zum Verdeck rausschmeiße.
Woher kommen die Inspirationen zu Ihren Büchern?
Mein Butler besorgt sie natürlich! Nein, nein. Das ist ganz unterschiedlich. Ideen liegen ja sozusagen auf der Straße. Will heißen: Sie laufen in Form von Zeitgenossen herum, stehen in der Zeitung oder an der Hotelbar und quatschen uns zu – ob wir das wollen oder nicht. Ich gehe nie ohne Notizbuch aus dem Haus. Ich liebe es, zu beobachten. Die Frau im Straßencafé mit der dicken Wollmütze – im Juli. Oder der Mann am Flughafen, der mit übergeschlagenen Beinen und Handy am Ohr leger in der Ledergarnitur hängt, sich mit seiner neuesten vollbusigen Eroberung brüstet und dabei jovial in die Runde der Umstehenden lächelt. Der das Handy zuklappt, kurz wartet, dann in die Jackettasche greift, ein zweites Handy herausfischt, unauffällig wählt. Drei Sekunden später klingelt das erste Handy, an dem er sich mit einem sonor-säuselnden „Hallo, mein Käferchen“ meldet – und jovial in die Runde seines Publikums lächelt … Das bringt einen schon auf so manche Idee. Aber natürlich liegt Krimi-Inspiration auch in realen Verbrechen, über die ich mit meinen Beratern aus der Kripo und Rechtsmedizin spreche. Auch Bilder können inspirieren oder die Presseseiten der Polizei. Manches hat mich auch im Rahmen meiner ehrenamtlichen Hospizarbeit zum Nachdenken gebracht. Mein Debüt „Schweig still, mein Kind“ hat übrigens mit einem Bild im Kopf begonnen. Ich war im Schwarzwald unterwegs, bei klassischem Setting sozusagen: nasskalter November, Dämmerung, ein kleines Dorf, zwei Bauern, die mit einem leisen Knurren an mir vorübergestiefelt sind. Der Nebel hatte sich über die Bergrücken gelegt, die Tannenstämme haben schwarz geglänzt … Kurz darauf kam ich an eine Lichtung – und habe mich gefragt: Was wäre wenn? Wenn dort eine Leiche läge? Was könnte passiert sein? Das war der Kern der Geschichte. Beim Planen und Ausbauen dann habe ich auf all die vielen Ideenquellen zurückgegriffen: Zeitgenossen, Gespräche mit Beratern, eigene Erfahrungen …
Neben der Arbeit als Schriftstellerin – was wären alternative Berufe für Sie? Und warum?
Oh, da gibt es viele. Fotografin, Webdesignerin. Ein Beruf in meinem Erststudium Mathematik und Informatik. Oder ein Wiedereinstieg als Dozentin für Mediävistik. Ich liebe Kreatives, Sprache und ich liebe es, nach Lösungen zu suchen. Im Grund habe ich aber genau das, was ich möchte: Ich arbeite seit fünfzehn Jahren als Texterin – hauptsächlich für Kunden aus den Bereichen IT, Medizintechnik und Kultur. Ich fotografiere auch beruflich, wenn Bilder für Broschüre oder Webseiten gebraucht werden. Ich schreibe Krimis – und kann hier das Ausloten, was mich fasziniert: menschliche Schicksale, Abgründe, Dinge, die uns „gut“ oder „böse“ werden lassen und uns im Extremfall dazu bringen, die Grenzen der Gesellschaft und Moral zu überschreiten.
Haben Sie einen Lieblingsautor? Wer ist es und weshalb?
Klar. Mehrere – die sich immer abwechseln. Als Kind waren es Enid Blyton, Ottfried Preußler und Michael Ende – die ich heute noch immer mag, ohne dass der Zauber ihrer Bücher je verloren gegangen ist. Dann waren es die Klassiker: E. T. A. Hofmann, Hesse, Kleist. Die Literatur des Mittelalters kam hinzu und hat mich jahrelang geradezu gefangen. Wen ich sehr schätze: Louis Begley, Paul Auster, Maarten ’t Hart. Und natürlich mag ich zahlreiche Krimiautoren. Immer schon. Quer durchs verbrecherische Genre-Beet und mit wechselnden Favoriten.
Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Auf meinem Nachttisch liegen gerade Elizabeth George, „Wer dem Tode geweiht“, Heinrich Steinfest, „Gewitter über Pluto“ und Georges Duby, „Die Zeit der Kathedralen“ (das liegt immer da als Lieblingsdauerschmöker). Außerdem ein Fachbuch über … ja, das kann ich nicht verraten, sonst ist der Clou meines nächsten Krimis dahin.
Welches Buch sollte jeder einmal gelesen haben?
Das würde ich mir nicht anmaßen zu urteilen. Jeder liebt andere Literatur.
Welche Person – aus Roman, Film oder dem öffentlichen Leben – würden Sie gerne treffen? Und was würden Sie zu ihm/ihr sagen?
Eleonore von Aquitanien. Ich würde ihr meinen Respekt ausdrücken dafür, dass sie eine so unglaubliche Geschichte geschrieben hat in einer Welt, die von Intrigen, Kreuzzügen und Machtkämpfen erschüttert war. Dass sie Mut und Klugheit hatte wie kaum eine andere Frau ihrer Zeit, politisch durchdacht gehandelt, die Literatur gefördert hat und gegen den zunehmend despotischen Gatten für ihre acht Kinder gekämpft hat – wofür sie mit langer Gefangenschaft bezahlen musste. Dann wären da noch Kaiser Friedrich II. mit seiner exotischen Menagerie, Shakespeare, die exzentrische Margery Kempe, Alfred Hitchcock, Immanuel Kant, die wunderbare, viel zu früh gestorbene Cellistin Jacqueline du Pré, die Mathematikerin Emmy Noether. Und Kriminalhauptkommissar Ehrlinspiel natürlich.
Bei welchem historischen Ereignis wären Sie gerne Zeuge gewesen?
Bei der Erfindung der perfekten Plotmaschine. Ich warte noch …
Wenn Sie die berühmten drei Wünsche frei hätten, wie sähen sie aus?
Mehr Achtung vor dem Leben (Mensch und Tier). Mehr Gerechtigkeit auf der Welt. Mehr freie Wünsche.
Was ist Ihre Lebensphilosophie?
Wenn ein Riese auf mich zustapft, schaue ich nach dem Stand der Sonne. Meistens ist’s nur der Schatten eines Zwergs (frei nach Novalis). Oder, um eine arabische Variante zu wählen: Warum ärgern, dass Rosen Dornen haben? Lieber freuen, dass der Dornenstrauch Rosenblüten trägt.
Haben Sie schon das nächste Projekt im Kopf?
Sicher! Und das übernächste auch!

↑ nach oben