Verlagsgruppe Droemer Knaur



Im Porträt: Michael Connelly

Einleitung

Der Mann weiß, wovon er schreibt!

Am Anfang von Michael Connellys Karriere als Autor steht der große Raymond Chandler. Chandlers hard-boiled Krimiklassiker um Privatdetektiv Philip Marlowe beeindruckten den jungen Studenten Connelly so tief, dass er beschloss, Schriftsteller zu werden. So studierte der 1956 in Philadelphia geborene Connelly Journalismus und Kreatives Schreiben an der University of Florida, um – wie er in einem Interview erklärt – „das Handwerk des Schreibens zu lernen und mich der Welt zu nähern, über die ich gerne schreiben wollte – die Welt des Verbrechens, der Polizei und der Justiz.“ Nach Abschluss seines Studiums 1980 arbeitete Connelly als Kriminalreporter bei verschiedenen Zeitungen in Florida, wo er erste Einblicke in die Polizeiarbeit erhielt. 1986 schrieb er gemeinsam mit zwei Kollegen eine Reportage über die Überlebenden eines Flugzeugabsturzes in Fort Lauderdale, die es auf die Nominierungsliste für den Pulitzerpreis schaffte und für Connelly ein lukratives Jobangebot in Los Angeles einbrachte: Er wurde Polizeireporter für die angesehene "Los Angeles Times", für die er von 1986 bis 1993 arbeitete. Somit war Connelly nicht nur in einem der kriminellen Ballungsgebiete der USA, sondern auch in der Heimat von Chandlers Philip Marlowe angekommen. Als „Crime“-Reporter lernte er zum einen zu recherchieren und sachlich und schnell zu schreiben, zum anderen erlebte er die Ermittlungsarbeit der Polizei sowie den Justiz- und Polizeialltag hautnah – Erfahrungen und Insider-Wissen, die für seine Romane essentiell sein werden. So beschreibt Connelly im Rückblick seine Tätigkeit als Journalist in erster Linie als wichtige Lehrzeit, denn sein eigentliches Ziel war das Schreiben von Kriminalromanen. Connellys Debüt als Schriftsteller: Schwarzes Echo 1992 war es dann soweit: Connelly feierte mit „Schwarzes Echo“ sein Debüt als Krimiautor – und das auf Anhieb sehr erfolgreich: Der Roman wurde mit dem „Edgar Award“, dem renommiertesten amerikanischen Krimipreis, ausgezeichnet. „Schwarzes Echo“ ist auch der Auftakt für Connellys bekannte Reihe um Serienheld Harry Bosch, Mordermittler beim Los Angeles Police Department. Los Angeles wählte er auch deshalb als Schauplatz seiner Bücher, „weil dort jene Autoren ihre Krimis ansiedelten, die ich besonders bewundere: Raymond Chandler, Ross MacDonald, Joseph Wambaugh.“ Doch trotz seiner Bewunderung für Chandlers und MacDonalds Privatdetektive entschied sich Connelly für Wambaughs realistischere Variante eines Polizisten als Serienfigur seiner Krimis, denn – so bemerkt Connelly – „habe ich auch als Journalist nie über Privatdetektive bei der Verbrecherjagd geschrieben“. Seine Romane orientieren sehr eng an der Ermittlungswirklichkeit der Polizei und Connelly verknüpft gekonnt Polizei- und Justizarbeit mit allgemeinen politischen und gesellschaftlichen Ereignissen. So spiegeln die Romane eine harte Realität voller Gewalt und Verbrechen, Rassismus und Ghettoisierung, Machtkämpfen und Korruption wider. Harry Bosch ist wieder da Neben seiner bekanntesten Serie um Harry Bosch, die inzwischen mit „Neun Drachen“ fünfzehn Bücher umfasst, hat Connelly weitere Serienfiguren wie den Reporter John McEvoy und den „Lincoln Lawyer“ Mickey Haller erschaffen. Daneben hat er mit Einzeltiteln wie „Der Poet“ und "Das zweite Herz", das von und mit Clint Eastwood 2002 verfilmt wurde, große Erfolge gefeiert. Heute zählt Connelly zu den erfolgreichsten Autoren der USA und hat alle wesentlichen internationalen Auszeichnungen des Krimi-Genres gewonnen. Auch wenn Connelly seit einigen Jahren mit seiner Frau und zwei Töchtern in Florida lebt, ist und bleibt Los Angeles der Schauplatz seiner Romane. Für seine Recherchen verbringt er fast jeden Monat einige Tage in Los Angeles und lässt sich von seinen Freunden im Morddezernat mit Fakten füttern. Außerdem liebt er „die physische Recherche, das Herumgehen in L.A., wo ich dann Fotos mache, um das Buch möglichst exakt in Florida zu schreiben“. Von Ermüdungserscheinungen ist erfreulicherweise auch im fünfzehnten Roman seiner Bosch-Serie „Neun Drachen“ nichts zu spüren und Connelly hat „noch nicht das Gefühl, ihn (Harry Bosch) zu Ende erzählt zu haben.“ So wird der US-Autor zur Freude seiner Leserschaft auch weiterhin über die dunkle Seite der amerikanischen Gesellschaft berichten und Polizeiromane schreiben, die zum Besten gehören, was die zeitgenössische Krimiliteratur zu bieten hat. Alexandra Plath für www.droemer-knaur.de

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