Verlagsgruppe Droemer Knaur



In Memoriam: Andreas Franz

06.04.2011

“Andreas Franz ist hautnah an der Wirklichkeit, fast schon zu sehr. Gerade deshalb geht eine abgründige Faszination von seinen Büchern aus“, schrieb die Krimi-Couch (im April 2010) über den erfolgreichen deutschen Krimiautoren. Am 13. März 2011 starb Andreas Franz im Alter von 57 Jahren unerwartet an Herzversagen. Wir erinnern an den „Schreibtischtäter“ Andreas Franz.

Andreas Franz’ Werdegang als Autor war keinesfalls einfach und reibungslos. Viele Klinken musste er putzen und die verschiedensten Jobs annehmen, bis 1996 endlich sein Erstlingswerk Jung, blond, tot erscheinen konnte und schnell zum Bestseller avancierte. Dem erfolgreichen Debüt um seine Frankfurter Ermittlerin Julia Durant folgten zahlreiche weitere Krimis, die unzählige Leser in ihren Bann zogen und Andreas Franz eine große und treue Fangemeinde bescherten. Sein Werk umfasst 20 Romane und mit einer deutschen Gesamtauflage von über 5 Millionen zählt Franz zu den erfolgreichsten Kriminalschriftstellern hierzulande.

Schriftstellerkarriere auf Umwegen
Andreas Franz wurde 1954 in Quedlinburg geboren, zog aber 1955 mit seinen Eltern, die beide Musik studiert hatten, nach Helmbrechts in Oberfranken. Mit seiner Mutter übersiedelte Andreas Franz 1967 nach Frankfurt, wo er noch drei Jahre das Gymnasium und danach eine Sprachenschule besuchte. Mit dem Abschluss in der Tasche machte er aber dann doch lieber Musik, wurde Schlagzeuger in verschiedenen Bands, lernte seine Frau Inge kennen und war mit 19 bereits zweifacher Familienvater (seine Frau brachte zwei Kinder mit in die Ehe); drei weitere gemeinsame Kinder kamen bis 1986 dazu. Er jobbte als LKW-Fahrer und in einer Werbeagentur, machte eine kaufmännische Ausbildung und saß "sich den Hintern wund in der Verwaltung eines amerikanischen Unternehmens." Ab 1985 arbeitete Franz als freiberuflicher Übersetzer, erstellte graphologische Gutachten und eröffnete 1990 sein eigenes Übersetzungsbüro. Seit 1994 lebte Franz mit seiner Familie in Hattersheim bei Frankfurt.

Langes Warten auf den Durchbruch
Das Schreiben war schon immer Franz’ große Leidenschaft. Doch er musste zehn Jahre lang warten und unzählige Manuskripte an Verlage schicken, bis die Verlagsgruppe Droemer Knaur sein Talent und Potential erkannte und 1996 seinen ersten Roman veröffentlichte. Jung, blond, tot war nicht nur der Durchbruch für Franz als Autor, sondern auch der Auftakt zur beliebten Krimireihe um die Frankfurter Ermittlerin Julia Durant.

Die Frankfurt-Krimis mit Julia Durant:
Hauptkommissarin Julia Durant ist leitende Ermittlerin bei der Mordkommission in Frankfurt und für ihre unkonventionellen Ermittlungsmethoden bekannt. Die etwas stachelige Skorpionfrau ist in ihrem Job erfahren, erfolgreich und eigensinnig, ihr Privatleben bekommt sie jedoch nicht in den Griff. Sie ist geschieden, und ihre darauf folgenden Beziehungen waren alle zum Scheitern verurteilt. Mit Mörderische Tage erschien 2009 der elfte Roman um diese Klassefrau, die außerdem einen Kurzauftritt in dem Kieler Roman Eisige Nähe hat.

1. Jung, blond, tot
2. Das achte Opfer
3. Letale Dosis
4. Der Jäger
5. Das Syndikat der Spinne
6. Kaltes Blut
7. Das Verlies
8. Teuflische Versprechen
9. Tödliches Lachen
10. Das Todeskreuz (Julia Durant ermittelt zusammen mit Peter Brandt)
11. Mörderische Tage
12. Todesmelodie

Die Offenbach-Krimis mit Peter Brandt:
Seit 2004 hat Julia Durant Konkurrenz von der anderen Seite des Mains bekommen: In Tod eines Lehrers hat Hauptkommissar Peter Brandt aus Offenbach seinen ersten Auftritt; in Band vier der Reihe, Das Todeskreuz, ermitteln Durant und Brandt sogar gemeinsam. Der alleinerziehende Vater zweier Töchter ist ein echtes Offenbacher Urgestein. Er ist ein knorriger, in sich gekehrter Typ, ein Polizist mit viel Erfahrung und sicherem Instinkt. Brandts weiblicher Gegenpart ist Staatsanwältin Elvira Klein, mit der Brandt so manchen Kleinkrieg führt. Doch schließlich müssen die beiden „Erzfeinde“ erkennen, dass sie eigentlich füreinander bestimmt sind.

1. Tod eines Lehrers
2. Mord auf Raten
3. Schrei der Nachtigall
4. Das Todeskreuz (Peter Brandt ermittelt zusammen mit Julia Durant)
5. Teufelsleib


Die Kiel-Krimis mit Sören Henning und Lisa Santos:

2006 erschuf Andreas Franz eine weitere Reihe, die in Kiel spielt und drei Bände umfasst. Die norddeutschen Kommissare Sören Henning und Lisa Santos führen einen erbitterten Kampf gegen das organisierte Verbrechen. Im ersten Band Unsichtbare Spuren steckt Sturkopf Sören Henning in einer tiefen beruflichen und privaten Krise, aus der er nicht zuletzt dank seiner feinfühligen und intuitiven Kollegin Lisa Santos wieder herausfindet.

1. Unsichtbare Spuren
2. Spiel der Teufel
3. Eisige Nähe


50% Realität, 50% Fiktion
„Ich bin ein reiner Schreibtischtäter,“ sagte Andreas Franz über sich selbst. Doch seine Fälle waren, wie bei kaum einem anderen deutschen Krimiautoren, hautnah an der Wirklichkeit platziert und basierten meist auf wahren Begebenheiten. Seine Bücher beruhten zur Hälfte auf der Realität, erklärte Franz, fiktiv seien vor allem seine Ermittler. Einblick in die reale Welt des Verbrechens und die Ermittlungsarbeiten erhielt Franz in erster Linie durch seine engen Kontakte zur Kripo und Staatsanwaltschaft. Dabei haben sich diese persönlichen Kontakte zu polizeilichen Ermittlern, verdeckten Fahndern und anderen Spezialisten erst im Laufe der Zeit ergeben und intensiviert. Dieses Insiderwissen und seine akribische Recherche verliehen seinen Büchern eine große Authentizität.

Brisante Themen
In seinen Krimis stellte Franz mit kompromissloser Nüchternheit die erschreckend vielen Facetten von Gewalt und Verbrechen in Deutschland dar. Zwangsprostitution, Organmafia, Menschenhandel, Kindesmissbrauch: Franz schrieb über das organisierte Verbrechen und seine Verstrickungen mit der Politik, Justiz, Wirtschaft und den Medien. Immer wieder griff er brisante Themen auf und schaute hinter die Fassaden einer scheinbar sauberen und gutbürgerlichen Gesellschaft. Er wolle „seine Finger in offene Wunden legen,“ betonte Franz immer wieder.

Zum Nachdenken anregen
An erster Stelle standen für Franz immer seine Leser; sie wollte er erreichen, ansprechen und „zum Nachdenken anregen.“ Das spürte und schätzte seine immer größer werdende Anhängerschaft an ihm. Auf seinen vielen Lesungen und Veranstaltungen vermochte er das Publikum mit seiner offenen und unkomplizierten Art gekonnt unterhalten und aufrütteln. Am 13. März 2011 ist Andreas Franz im Alter von 57 Jahren gestorben.

Romane außerhalb der drei Reihen:
1. Der Finger Gottes
2. Die Bankerin


Alexandra Plath für www.droemer-knaur.de

Der Autor

Andreas Franz

Portrait von  Andreas Franz

Andreas Franz’ große Leidenschaft war von jeher das Schreiben. Bereits mit seinem ersten Erfolgsroman JUNG, BLOND, TOT gelang es ihm, unzählige Krimileser in seinen Bann zu ziehen.

zum Autor

Das Buch

Der Finger Gottes

Friedrich Ani – Süden

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