Verlagsgruppe Droemer Knaur



Auf dem roten Teppich: Ransom Riggs

"Eigentlich stehe ich nicht gerne im Rampenlicht!"

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Auch wenn der US-Amerikaner Ransom Riggs nicht gerne im Rampenlicht steht, so haben wir ihn dennoch auf den roten Teppich gebeten und nach seinen Vorlieben und Abneigungen gefragt. Lernen Sie den Autoren, der in Los Angeles lebt, und seine „besonderen Kinder“ kennen!

Beschreiben Sie sich mit drei Worten!
Zurückhaltend und bescheiden. Ich sollte wohl hier gleich am Anfang klarstellen, dass ich eigentlich nicht gerne im Rampenlicht stehe – das soll nicht heißen, dass ich schüchtern bin, aber ich fühle mich einfach unwohl, wenn ich längere Zeit über mich selbst sprechen soll. Daher ist dieses Interview eher untypisch für mich!
Was macht Ihnen schlechte Laune, was macht Ihnen Freude?
Verkehrsstaus. Vielleicht ist das der Grund, warum ich mich als Einwohner von Los Angeles für einen Beruf entschieden habe, der es lediglich erfordert, von meinem Schlafzimmer in die Küche und weiter in mein Arbeitszimmer zu pendeln. Es ist unmöglich, in meinem eigenen Haus in einen Verkehrsstau zu geraten.
Sie können Frühstück, Mittag- und Abendessen an drei unterschiedlichen Orten auf der Welt einnehmen - wohin führt Sie diese Reise?
Frühstück: bei mir zu Hause. Ich brauche zum Frühstück nichts Ausgefallenes, nur mein Müsli und Toast, als Lektüre die New York Times und Ruhe. Aus irgendeinem Grund ist dieses Morgenritual sehr wichtig für mich. Mittagessen: Ich esse “Cichetti” in Venedig. Das sind eine Art italienische Tapas – kleine Bällchen aus Risotto, Tintenfisch oder Garnelen in Pancetta gewickelt, die in diesen wunderbaren kleinen Straßencafés frisch serviert werden, dazu ein Glas Prosecco. Abendessen: In Manhattan. Mit unbegrenztem Budget. Dort gibt es unendlich viele großartige Restaurants.
Kaffee oder Tee?
Espresso und grüner Tee. Ich trinke beides über den Tag hinweg. Ich habe keine Ahnung, warum ich nachts trotz all des Koffeins und Theins gut schlafen kann, aber es macht mir nichts aus. Nur mein Zahnarzt hasst mich.
Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus?
Das Gefühl, viel geschafft zu haben. Später treffe ich mich mit Freunden.
Woher kommen die Inspirationen zu Ihren Büchern?
Die Insel der besonderen Kinder ist mein erstes Buch; mein Hobby, alte Fotos zu sammeln, hat mich dazu inspiriert. Ich habe immer wieder alte, gruslig aussehende Kinderfotos gefunden. Das habe ich meinem Verleger von "Quirk Books" erzählt, mit dem ich das Sachbuch The Sherlock Holmes Handbook gemacht habe, und erwähnt, dass man daraus ein tolles Halloween-Buch oder ähnliches gestalten könnte – vielleicht begleitet von Gedichten von Edward Gorey. Er sagte: “Warum machst Du daraus keinen Roman?” Ich war von der Idee sofort begeistert. So entstand die Idee für diesen Roman also durch die Fotos – und natürlich durch viele tausend andere meiner zahlreichen Interessensgebiete, wie zum Beispiel abgeschiedene Inseln und Sümpfe, verlassene Häuser und die unterschwelligen Merkwürdigkeiten des Ortes in Florida, wo ich aufgewachsen bin.
Neben der Arbeit als Schriftsteller - was wären alternative Berufe für Sie? Und warum?
Ich bin sehr glücklich, dass ich vom Schreiben leben kann. Aber nebenbei fotografiere ich viel und produziere Fotoessays (eine Auswahl finden Sie hier). Außerdem schreibe ich Drehbücher und mache Filme (eine Auswahl finden Sie hier). Wenn ich also keine Bücher schreiben könnte, würde ich garantiert eine dieser anderen Ausdrucksformen intensiver verfolgen.
Haben Sie einen Lieblingsautor? Wer ist es und weshalb?
Das wechselt immer mal wieder, aber Cormac McCarthys Bücher kann ich immer wieder zur Hand nehmen und mich inspirieren lassen. Kein anderer schreibt so wie er – sein Werk ist so düster und trostlos und dennoch durchzogen von Momenten absoluter Schönheit.
Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Ich lese sehr viel Non-fiction. Gerade habe ich Look Me in the Eye von John Elder Robison gelesen, außerdem eine faszinierende Geschichte über Magiebücher namens Grimoires von Owen Davies.
Welches Buch sollte jeder einmal gelesen haben?
The Happy Isles of Oceania. Nach der Lektüre wollte ich am liebsten alles verkaufen, mir ein Kajak kaufen und entlang der Korallenriffe im Südpazifik paddeln.
Welche Person - aus Roman, Film oder dem öffentlichen Leben - würden Sie gerne treffen? Und was würden Sie ihm/ihr sagen?
Ich wollte immer gerne Stanley Kubrick treffen, doch jetzt ist er leider tot. Aber ich hatte einen Freund, der ihn während der Dreharbeiten zu Eyes Wide Shut getroffen hat und zu ihm sagte: “Es ist mir eine große Ehre, Sie kennenzulernen” und ihm die Hand geben wollte. Kubrick antworte: “Ja, das ist es” und ging davon, ohne ihm die Hand zu schütteln. Daher habe ich immer ein wenig Angst, dass sich die von mir verehrte Person, wenn ich sie denn träfe, als große Enttäuschung entpuppen könnte.
Bei welchem historischen Ereignis wären Sie gerne Zeuge gewesen?
Der vorübergehende Waffenstillstand an Weihnachten 1914, als die britischen und deutschen Soldaten, die sich zuvor lange bitter bekämpft und getötet hatten, spontan beschlossen, gemeinsam Weihnachtslieder zu singen und Fußball zu spielen. Meiner Meinung nach ist das einer der bemerkenswertesten Ereignisse der Geschichte und sagt sehr viel über die Menschen aus.
Wenn Sie die berühmten drei Wünsche frei hätten, wie sähen sie aus?
Es ist lustig, dass Sie das fragen, ich habe nämlich gerade vor ein paar Tagen darüber nachgedacht. 1. Fotografieren zu können, indem ich mit den Augen blinzele. Ich sehe häufig erstaunliche Dinge und wünsche mir dann, ich hätte eine Kamera dabei. Und damit meine ich nicht die schlechte Linse, die in mein Handy eingebaut ist. 2. Mich augenblicklich überall dorthin teleportieren zu können, wohin ich gerade schaue. Mein Blick schweift häufig in die Ferne und ich träume dann davon, wie es wohl wäre, auf dem fernen Berggipfel dort zu sitzen etc. 3. Fließend alle Sprachen sprechen zu können. Ich würde sehr gerne durch die Welt reisen und überall verstanden werden. Sprachbarrieren nerven mich.
Was ist Ihre Lebensphilosophie?
Sei unvoreingenommen. Du könntest falsch liegen.
Haben Sie schon das nächste Projekt im Kopf?
Ich arbeite an einer Fortsetzung von Die Insel der besonderen Kinder und plane Filmprojekte.

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