Verlagsgruppe Droemer Knaur



Wandern mit Polizeiobermeister Leonhardt Kreuthner

01.09.2011

Als besondere Dienstleistung für unsere Leser haben wir einen ausgewiesenen Kenner der Gegend gebeten, uns seine Lieblingswanderrouten zu verraten. Polizeiobermeister Leonhardt Kreuthner stellt zwei Klassiker vor. Die Auswahl würde gewiss anders und vielleicht repräsentativer ausfallen, fragte man jemanden, der mehr Wert auf das Wandern und weniger aufs Pausieren legt. Aber vielleicht wäre sie auch weniger eigentümlich.

I. Die Neureuth
Gehzeit 50 Minuten

Wenn man im Winter eine Gaudi haben will, dann muss man nachts auf die Neureuth gehen. Die Gaudi geht schon beim Hochfahren von Tegernsee aus auf der Neureuthstraße los. Die ist nämlich so steil, dass es einem den Vogel raushaut. Da kann es passieren, dass wenn man Gas gibt, dass der Wagen auf einmal rückwärtsfahrt.

Letzten Februar hat es den Sennleitner erwischt. Der ist plötzlich rückwärtsgefahren und hinter ihm war der Raubert Kilian, wo den Berg locker geschafft hätte, wenn ihm der Sennleitner nicht auf einmal auf der Stoßstange gesessen wär. Die beiden sind mir dann auf den Passat gerutscht, und da ist es vielleicht sauber dahingegangen. Auf dem Weg nach unten haben wir noch einen BMW aus Göppingen und einen Audi aus OAL mitgenommen. Und wie der Raubert ausgestiegen ist und dem Sennleitner eine tuschen hat wollen, weil der sich so saublöd angestellt hat, da hat es ihm die Läufe weggezogen, so was hast du noch nicht gesehen. Wir haben uns gebogen vor Lachen! An dem Abend sind wir nicht mehr auf die Neureuth gekommen.

Normal kommt man natürlich schon rauf. Die eigentliche Gaudi an der Neureuth ist ja die, dass man nachts mit dem Schlitten runterfahrt. Und da rodelst du genau da, wo du auch hochgehst. Oft hörst du das gar nicht, wenn sie runterkommen. Und wenn du sie hörst, dann kannst du sie nicht sehen, weil ja Nacht ist. Und wenn du sie siehst, ist es eh zu spät. Manchmal schreien sie noch, dass man Obacht geben soll. Das ist natürlich ein völliger Schmarrn, weil du kannst ja nicht aus. Da sind links und rechts Schneewände. Und wenn so ein Pulk von zehn Rodlern in eine Gruppe von Hochgehern rauscht, da ist aber Matthäi am Letzten! Weil bremsen können die nicht. Vor allem wenn es vereist ist. Und es ist eigentlich immer vereist. Was haben wir auf der Neureuth schon für einen Spaß gehabt.

Vor allem wie der Lintinger Harry gleich die erste Kurve nicht gekriegt hat und stangerlgrad in den Wald geschossen ist. Also halt bis zur ersten Fichte. Selbst der Arzt, wo den Harry hinterher genäht hat, hat Tränen in den Augen gehabt allein bei der Vorstellung. Also – gauditechnischer Geheimtipp: Neureuth im Winter.


II. Die Weißachalm
Gehzeit 5 Minuten

Die meisten Münchner meinen, die Weißachalm heißt Entenalm, weil die Leute von weit her kommen, nur um Enten zu essen. Richtig heißt die Entenalm Weißachalm. Die Enten sind aber tatsächlich ausgezeichnet. Man fährt mit dem Wagen bis kurz vor Kreuth, dann links weg. Nach ein paar hundert Metern kommt ein Parkplatz. Von dem Parkplatz aus geht es hundert Meter zu Fuß bis zu einer Holzbrücke, und auf der anderen Seite von der Brücke ist die Weißachalm.

Das ist jetzt keine alpine Herausforderung. Aber völlig ungefährlich ist es auch nicht. Man muss nämlich bedenken, dass so eine Ente wie Blei im Magen liegt. Wenn du da nicht gescheit nachspülst, das geht gar nicht. Und mit einer Flasche Obstler im Kopf schaut der Rückweg schon ganz anders aus.

Der Sennleitner, um ein Beispiel zu geben, hat es an Neujahr 2005 nicht bis zum Wagen zurückgeschafft. Weil er unbedingt beweisen hat müssen, dass er stocknüchtern ist und noch auf dem Brückengeländer balancieren kann. Der hat so gelallt, dass wir nicht gleich verstanden haben, was er vorhat. Wie er dann auf das Geländer gestiegen ist, hatten wir schon so eine Ahnung, dass das wahrscheinlich nicht gutgeht. Man könnte sagen, er hat Glück gehabt, denn die Weißach hat gerade Hochwasser gehabt, sonst hätte er sich am Ende noch das Hirn an einem Stein im Flussbett aufgeschlagen. Die andere Seite der Medaille: Es hat ihn ratzfatz weggespült, und wir haben ihn erst mehrere Kilometer weiter Richtung Tegernsee rausfischen können. Da war er dann wirklich stocknüchtern.

Fazit: Im Prinzip eine leichte Wanderung, aber nicht unterschätzen!

Der Autor

Andreas Föhr

Portrait von  Andreas Föhr

Andreas Föhr, Jahrgang 1958, gelernter Jurist, arbeitete einige Jahre bei der Rundfunkaufsicht und als Anwalt. Seit 1991 verfasst er erfolgreich Drehbücher für das Fernsehen, mit Schwerpunkt im Bereich Krimi.

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Das Buch

Schwarze Piste

Friedrich Ani – Süden

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