Verlagsgruppe Droemer Knaur



Wolfram Fleischhauer im Porträt

01.10.2011

Ich muss Bücher über die Themen schreiben, die mir auf den Nägeln brennen

Wolfram Fleischhauer hat sich über die Jahre eine große Fangemeinde erobert: Seine Romane – allen voran seine Tetralogie der Künste – begeistern Leser und Kritiker gleichermaßen. Mit seinem Thriller Torso betritt der deutsche Autor nun zwar neues Parkett, überzeugt aber weiterhin durch eine gelungene Mischung aus brisanter, anspruchsvoller Thematik und hochkarätiger Spannung!

Die Idee zu seinem Roman Torso kam Wolfram Fleischhauer, als er in Siena im Saal der Neun das Fresko von Ambrogio Lorenzetti aus dem 14. Jahrhundert betrachtete. Die verstörende Allegorie von der guten und der schlechten Regierung beeindruckten den Autor tief und versetzten ihn in einen Zustand „akuter Erzählnot,“ berichtet Fleischhauer: Dieses Thema „brannte mir auf den Nägeln.“ Herausgekommen ist ein packender Thriller über Korruption und Vetternwirtschaft, der im Sumpf des Berliner Bank- und Finanzskandals angesiedelt ist. „Aber“, so erklärt der Autor, „das eigentliche Thema ist kein einzelner Bankskandal, sondern dieser kaum noch fassbare und zugleich allgegenwärtige Exzess, der das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts meiner Meinung nach kennzeichnet ... Es geht um ein universelles Problem beim Menschen: Gier!“

In all seinen Romanen lässt sich der 1961 in Karlsruhe geborene Fleischhauer von Themen leiten, die ihn beschäftigen: „Ich muss Bücher über die Themen schreiben, die mir auf den Nägeln brennen.“ So war es auch bei seinem Debütroman Die Purpurlinie. Fleischhauer studierte Literatur an der FU-Berlin und verbrachte längere Zeit im Ausland - in Frankreich, Spanien und den USA. Während seines Studienaufenthaltes in Paris entdeckte er im Louvre das geheimnisvolle Gemälde "Gabrielle d´Estrées und eine ihrer Schwestern". Das Gemälde faszinierte ihn so sehr, dass er nach Abschluss seines Studiums 1990 begann, dessen kunsthistorisches Rätsel zu erforschen. Hieraus entstand sein erster Roman Die Purpurlinie, der 1996 veröffentlicht wurde und bei Kritikern und Lesern gleichermaßen auf Begeisterung stieß.

Für Fleischhauer, der seit 1992 als Konferenzdolmetscher in Brüssel arbeitete, war dieser Roman eine Art „Befreiungsschlag“ und die raffinierte Mischung aus gründlicher Recherche und lebendiger Erzählweise, anspruchsvoller Thematik und unterhaltsamer Spannung wurde zu Fleischhauers Markenzeichen.

„Hierzulande sieht es ja so aus, als habe das Haus der Literatur nur zwei Stockwerke: einen fast völlig isolierten Elfenbeinturm und ein überfülltes, etwas marktschreierisches Parterre, wo es sehr laut und hektisch zugeht. Dazwischen gibt es aber noch ein wenig besuchtes Geschoss, wo sich der für mich interessanteste Teil der Welt tummelt. Dort wohnen die Erzähler. Da gefällt es mir am besten ...“

Auch in seinen folgenden drei Romanen Die Frau mit den Regenhänden (1999), Drei Minuten mit der Wirklichkeit (2001) und Das Buch, in dem die Welt verschwand (2003) beweist sich Fleischhauer als grandioser Erzähler, vermischt gekonnt Reales mit Fiktivem und jongliert raffiniert mit verschiedenen Zeitebenen. Wie kaum ein anderer deutscher Autor gelingt es dem polyglotten Fleischhauer, Anspruch und Spannung zu verbinden und einen breiten Leserkreis für seine Romane zu interessieren: „Solche Autoren, die literarisch niveauvoll und zugleich spannend unterhalten können, sind hierzulande noch immer selten,“ urteilt auch die Presse (Neues Deutschland vom 9.10.2001). Fleischhauer, der mit seiner Frau und zwei Kindern heute in Brüssel lebt, arbeitet neben der Schriftstellerei weiterhin als Konferenzdolmetscher und bezeichnet sich selbst als "Teilzeitdolmetscher und Halbzeitautor."

Seine ersten vier Romane hat Fleischhauer als Tetralogie der Künste angelegt und auch in einer eigenen Edition zusammengefasst. So kann man Die Purpurlinie als einen Roman über Malerei lesen, Die Frau mit den Regenhänden widmet sich der Literatur, Drei Minuten mit der Wirklichkeit der Musik und Das Buch, in dem die Welt verschwand der Philosophie. Es folgten 2006 der Familienroman Die Inderin (Titel der Originalausgabe Schule der Lügen) und zwei Jahre später der Universitätsroman Der gestohlene Abend, der von Fleischhauers Erlebnissen während seines Studienjahres in den USA inspiriert wurde.

Mit Torso wagt sich Fleischhauer erstmals ins Thriller-Genre. Danach gefragt, was ihn an diesem Genre gereizt hat, meint Fleischhauer: „Die Wahl der Form wird durch das Thema bestimmt, um das es geht. Allerdings hat es mich auch gereizt, innerhalb eines Genres zu arbeiten. Man ist sehr viel eingeschränkter in den Mitteln, arbeitet aber nach einem bewährten Rezept und muss sich nicht dauernd mit formalen Fragen herumschlagen.“

Die Leser dürfen sich freuen: Torso bietet eine brisante Thematik, hochkarätige Spannung und ein überraschendes Ende. Ein mitreißender und intelligenter Thriller über Gier und Größenwahn, der nicht nur Fleischhauers große Fangemeinde überraschen und begeistern wird!

Alexandra Plath für www.droemer-knaur.de

Der Autor

Wolfram Fleischhauer

Portrait von Wolfram Fleischhauer

Wolfram Fleischhauer wurde 1961 in Karlsruhe geboren. Bei Droemer erschienen seine vier Romane über die Künste ("Die Purpurlinie", "Die Frau mit den Regenhänden", "Drei Minuten mit der Wirklichkeit", "Das Buch, in dem die Welt verschwand") mit bis heute ungebrochenem Bestsellererfolg.

zum Autor

Das Buch

Drei Minuten mit der Wirklichkeit

Friedrich Ani – Süden

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