Verlagsgruppe Droemer Knaur



Interview mit Petra Bock

Wir werden täglich Opfer von selbstsabotierenden Denkmustern – wenn wir versuchen, es anderen recht zu machen und dabei unsere eigenen Bedürfnisse vergessen. Wenn wir uns selbst kritisieren und abwerten. Diese Selbstsabotage nennt Spitzencoach Petra Bock "Mindfuck". Die Autorin zeigt in ihrem Buch „Mindfuck“, wie man diese negativen Gedankenspiralen stoppt und durch positive Denkmuster ersetzt. Und wieder mehr Freiheit und innere Flexibilität erhält.

Liebe Frau Bock, Sie schreiben in Ihrem Buch von der Parallelwelt in unserem Kopf. Wie kann man sich diese vorstellen?
In jedem von uns gibt es Denkmuster, mit denen wir uns selbst sabotieren. Das sind Gedanken und Überzeugungen, mit denen wir uns selbst unter Druck setzen, Angst machen und klein halten. Diese hindern uns massiv daran, unser Potenzial zu erkennen und zu verwirklichen. Ich habe herausgefunden, dass diese Gedanken nicht nur vereinzelt auftreten, sondern mit einer ganz eigenen Logik und sogar einer typischen Ausdrucksweise in unserem Kopf existieren. Ich habe diese Parallelwelt im Kopf bei jedem Menschen, mit dem ich arbeitete, beobachten können. Leider bestimmte sie viel zu oft, was wir wirklich aus unserem Leben machen.
Was richten MINDFUCKS mit uns an? Was passiert, wenn man MINDFUCKS nicht bekämpft?
Mit MINDFUCK stören wir uns selbst. Wir behindern und sabotieren die Möglichkeiten, die wir eigentlich hätten. Das betrifft unser Lebensglück und unsere Erfolgsaussichten. Darüber hinaus sorgt MINDFUCK dafür, dass wir uns um vieles schlechter fühlen oder dafür, dass wir „abheben“ und übereuphorisch die Realität verlassen. Der Katzenjammer folgt auf dem Fuß. Im Grunde ist es, als ob man sein Leben mit angezogener Handbremse lebt.
MINDFUCKS, so schreiben Sie, sabotieren uns selbst. Warum „erschaffen“ wir uns überhaupt MINDFUCKS?
Der Teil unseres Bewusstseins, in dem wir MINDFUCK betreiben, gehört zu unserem Denken. Wenn wir denken, sprechen wir mit uns selbst. Es gibt eine Stimme in uns, mit der wir uns selbst beobachten können und die darauf achtet, dass wir in Bezug auf andere und bestimmte unhinterfragte Lebensregeln alles richtig machen. Leider ist diese Stimme mit Inhalten aus unserer Kindheit und längst vergangenen Generationen gefüttert, so dass sie uns heute keinen guten Rat, sondern eben MINDFUCK bietet. Ich nenne diese Stimme, die viele auch als ihren inneren Kritiker gut kennen, den Wächter unserer Glückszone. Er passt auf, dass wir nicht aus dem Rahmen fallen oder das wir uns in einer Art verhalten, die heute weder uns noch anderen gut tut. Er ist die Stimme der sozialen Konditionierung und einer recht einfachen Logik des Funktionierens in uns. Früher war es überlebenswichtig, so eine Instanz in sich zu haben, die darauf aufpasste, dass man nicht „abhebt“ und die nach den Regeln einer autoritären Gesellschaft funktioniert. Heute aber ist es eben MINDFUCK: eine Denkweise, die uns nichts bringt außer Stagnation. Sie hat ihren Ursprung in uns selbst und wirkt sich auf unsere Entscheidungen und unser Handeln aus.
Wann und wie sind Sie auf diese Denkmuster gestoßen?
Ich habe sie in den letzten zehn Jahren bei mehreren Tausend Klienten beobachten können. Und ich kenne MINDFUCK natürlich auch selbst. Weil diese destruktiven Denkmuster Teil unserer sozialen Erziehung sind, gibt es buchstäblich niemanden, der heute davon frei wäre. Für mich war wichtig zu verstehen, warum viele Menschen selbst dann, wenn sie genaue Ziele für ihr Leben vor Augen haben, sich selbst immer wieder so verhalten, dass sie eben nicht bekommen, was sie wollen. Oder dass sie sich ein erfülltes Leben oder ein bestimmtes Maß an Erfolg erst gar nicht erlauben. Das konnte ich als Coach nicht so stehen lassen. Diesem Problem musste ich auf den Grund gehen. Und die Ergebnisse haben mich selbst verblüfft.
Welche Strategien gibt es gegen spontane MINDFUCK-Attacken? Gibt es einen Trick, den ich z.B. vor großen Präsentationen anwenden kann?
Ich nenne im Buch zahlreiche Strategien gegen akute MINDFUCK-Attacken. Für den Fall, dass uns destruktive Gedanken wie „von hinten“ erwischen, ist es immer gut, seine Aufmerksamkeit auf andere Dinge zu richten. Wenn wir im Gedankenkarussell feststecken, ist es z.B. sehr hilfreich, sich auf zwei verschiedene Körpergefühle zu konzentrieren. Versuchen Sie zum Beispiel zu spüren, wie sich Ihre Füße gerade auf dem Untergrund anfühlen. Gleichzeitig nehmen Sie Ihren Atem wahr. In dem Moment, in dem Sie beides gleichzeitig wahrnehmen, können Sie gar nicht mehr weiter im Kreis denken. Der „Fluch“ ist erst einmal gebrochen. Von dort aus können wir dann neu ansetzen und uns die wirklich hilfreichen Fragen stellen, die ich im Buch auch genau erläutere. Bei Lampenfieber gibt es mehrere Strategien, die auch davon abhängen, wie Sie sich bisher selbst mit MINDFUCK gestört haben. Häufig beschäftigen wir uns damit, dass andere uns negativ bewerten könnten. Das ist ganz typischer MINDFUCK bei Auftrittssituationen. Wir betrachten uns von außen und denken, dass wir bestimmt nicht gut rüber kommen. Wenn wir in dieser destruktiven Art um uns selbst kreisen, gibt es den Trick, sich ganz bewusst auf etwas im Außen zu konzentrieren. Ich sehe mir beispielsweise kurz vor einem Vortrag – und ich spreche häufig vor mehreren Tausend Menschen – die Zuschauer in der ersten Reihe an. Ich betrachte sie aufmerksam, lächle ihnen zu, nehme Kontakt auf. In diesem Moment kann ich mich nicht selbst mit Bewertungsschleifen stören. Und ich bin ganz im Hier und Jetzt. Es gibt aber noch viele andere Strategien, die wirklich toll funktionieren und aus einer Präsentation ein richtig gutes Erlebnis für uns selbst und andere machen.
Gibt oder gab es Ihren ganz persönlichen MINDFUCK? Wie haben Sie ihn überwunden?
Jeder Mensch hat seine ganz persönliche Mischung an MINDFUCKS. Im Buch habe ich die sieben Arten, die, die ich beobachten konnte, beschrieben. Ich habe mich lange Zeit sehr kritisch selbst bewertet und mir an vielen Stellen selbst nicht viel zugetraut. Ein richtig großes Problem für meine persönliche Lebensqualität war es, dass ich sehr dick war. Ich war überzeugt davon, dass ich niemals aufhören könnte, zu viel zu essen. Ich habe mich selbst dafür kritisiert und mir gleichzeitig nicht zugetraut, dass ich das verändern könnte. Ich habe mich also für ein Problem beschimpft und mir gleichzeitig jede Lösungskompetenz abgesprochen. Ein schlimmer Kreislauf, den viele Menschen kennen. Wir reden uns dann ein, hilfloser zu sein als wir tatsächlich sind. Als mir diese Art von MINDFUCK bewusst wurde, war das, als ob ich einen inneren Schalter umgelegt hätte. Ich habe meine MINDFUCKS mit meinen eigenen Methoden beendet und bis heute 40 (!) kg abgenommen. Jetzt bin ich so fit und gesund wie ich immer sein wollte und habe mir bewiesen, dass ich nicht hilflos bin, wenn es darum geht, mein Leben so zu gestalten, wie ich es möchte. Das Potenzial war immer da, ich hatte es nur mit zahlreichen MINDFUCKS behindert.

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