Verlagsgruppe Droemer Knaur



Eine ganz besondere Liebe

21.10.2011

"Das Lied der Klagefrau" von Wolf Serno

Ein Puppenkönig und ein Klageweib – geht denn das?

Aus den ersten beiden Bänden Der Puppenkönig und Das Spiel des Puppenkönigs kennen wir ihn bereits, Julius, den Puppenkönig. Er wäre so gerne ein Medicus, doch ein unglücklicher Zustand führte dazu, dass er sein Studium abbrechen musste. So wurde er Puppenkönig und Bauchsprecher, der mit seinen grandiosen Puppen umherzieht, auf Märkten oder an Höfen ein Publikum unterhält und dabei en passant auch noch Kriminalfälle löst.

Doch wie kommt ein Mann wie dieser, der sich der Unterhaltung verschrieben hat, in die Begleitung einer Klagefrau?

Die Liebe hat Julius und die Klagefrau Alena, die Auserwählte, zusammengeführt. Alena ist nicht nur klug, sondern auch ebenso schön. Und auch ihr Beruf passt hervorragend zum umherreisenden Puppenspieler. Denn auch Klagefrauen konnten gut als Fahrende ihr Geld verdienen.

Woher wir kommen, wohin wir gehen – Rituale des Abschiednehmens

Die Totenklage, wie sie früher in Europa weit verbreitet war, ist heute so gut wie nicht mehr vorhanden. Ausgiebige Rituale wie der Leichenschmaus nach der Beisetzung sind auf den obligatorischen Kaffee und Kuchen reduziert und die Trauer ist ein leises Gefühl geworden. Eine Klagefrau, wie sie früher bei Trauerfällen üblich war, würde da eher irritieren. Denn Klagefrauen konnten den Schmerz über den Verlust und die Trauer lauthals ausdrücken und ihm stellvertretend für die Trauerfamilie Gehör verschaffen. Wie Künstlerinnen fassten sie in Worte, was den Verstorbenen ausgemacht hatte, die bitter der Verlust sich anfühlt und wie hart das Weiterleben ohne ihn oder sie für die Hinterbliebenen ist. Diese Worte konnten laut und leise sein, jammernd, klagend, fluchend, hadernd, singend. Und ohne selber laut werden zu müssen, gab das Zuhören die Möglichkeit, sich und seine Gefühle indirekt ausleben zu können. Die professionelle Totenklage bot einen Rahmen, mit ihren Ritualen leichter mit Trauer umzugehen.

Diese Tradition geht weit zurück in die Geschichte – nicht nur im Reallexicon der deutschen Altertümer und im Grimmschen Wörterbuch aus dem 19. Jahrhundert finden sich entsprechende Einträge und Beschreibungen. Auch bereits im alten Ägypten sind Klagefrauen seit dem Alten Reich (um ca. 2707–2216 v. Chr.) belegt, die Trauerumzüge begleiteten und durch Klagen, Zetern, Singen etc. auf den Verstorbenen aufmerksam machten. Eine Klagefrau konnte man damals mieten und eine möglichst große Zahl von ihnen stand für einen hohen Stand und großen Reichtum der Trauerfamilie. Neben der Stimme gehörten auch das Raufen und Ausreißen der Haare und das symbolische Zerreißen von Kleidung zu den Ausdrucksmitteln der Klagefrauen.

Alena und das „Lied der Klagefrau“

„Am Ende stehn wir stille
Vor seiner großen Macht;
Des Heilands mächt’ger Wille
Wohl über allem wacht.“

Julius möchte sich in Das Lied der Klagefrau endlich doch als Medicus beweisen und bemüht sich um eine Aufnahme zum Studium in Göttingen. Und Alena merkt, dass das Leben an der Seite eines Studenten für sie nicht ohne harte Einschnitte funktioniert. Grund zur Klage gäbe es für sie selbst also streckenweise ebenfalls genug ... Vor allem aber ist sie für andere als Klagefrau im Einsatz. Und das nicht zum Schaden ihres Ehemanns: „Sieh nur, was Franz mir gegeben hat – zehn Taler! Ein kleines Vermögen. Davon können wir die ganze Miete für dein letztes Semester bezahlen.“ Mit ihrem eindrucksvollen Klagegesang schafft es die junge Frau nicht nur, die Herzen der Trauernden zu erreichen und ihnen Trost zu verschaffen, sondern auch die Zweifelnden, die mit ihrem Leben hadernden Menschen in ihrer Umgebung werden von Alena wieder in ein ruhigeres seelisches Fahrwasser geschickt.

Und so trifft der Leser in diesem Roman mit Alena und Julius auf ein Paar, das sich auf ganz besondere Weise ergänzt. Denn während Julius sich aufmerksam und geschickt um die körperlichen Gebrechen seiner Umwelt kümmern kann, ist seine Frau diejenige, die die Leiden und Qualen der Seele zu lindern vermag. Wohl dem, der so einem Dreamteam begegnete! Und ebenso wohl denjenigen, die in Das Lied der Klagefrau von den neuen Abenteuern und Liebeswirren dieses sympathischen Paares lesen dürfen!

Der Autor

Wolf Serno

Portrait von  Wolf Serno

Wolf Serno arbeitete 30 Jahre als Texter und Creative Director in der Werbung. Mit seinem Debüt-Roman "Der Wanderchirurg" - dem ersten der fesselnden Saga um Vitus von Campodios - gelang ihm auf Anhieb ein Bestseller, dem viele weitere folgten, unter anderem: "Der Balsamträger", "Hexenkammer", "Der .

zum Autor

Das Buch

Das Spiel des Puppenkönigs

Friedrich Ani – Süden

Das Spiel des Puppenkönigs von Wolf Serno: Historischer Roman im eBook!
Berlin, anno 1783: Als der Puppenspieler Julius Klingenthal die Stadt an der Spree betreten will, wird seine gesamte Barschaft beschlagnahmt. In ...

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