Verlagsgruppe Droemer Knaur



Tania Krätschmar fragt: "Kennt ihr nicht jemanden mit einem Boot?"

21.10.2011

Eine kleine Geschichte über das Schreiben und die Liebe!

„Kennt ihr nicht jemanden mit einem Boot?“

Meine Frage, letztes Jahr hoffnungsvoll in die Party-Runde geworfen, war mehr als schnöder Smalltalk. Es war ein Hilferuf! Ich hatte vor, einen Roman über eine Frau zu schreiben, die als Kapitänin eines rosa Hotelschiffs die Havel, die Oder, die Spree befuhr, bis hoch an die Ostsee und rüber zur Elbe.

Nun findet man sich in Berlin gelegentlich auf einem Dampfer wieder, aber wie ist es, durch eine Schleuse zu fahren? Was macht man da genau? Wie sieht das Umland vom Wasser aus aus? Wie ist es, auf einem Boot zu schlafen und wieder aufzuwachen, beim Kaffeetrinken den Enten ins Auge zu schauen? Den Nebel morgens aufsteigen zu sehen und abends den Anker zu werfen oder was immer man so macht, um den Pott zum Stehen zu bringen?

Ich hatte keine Ahnung. Und das war schlecht, denn man kann sich zwar viel ausdenken, aber Leser lassen sich schrecklich schlecht bluffen.

Aber ich hatte Glück, denn mein Hilferuf auf der Party stieß auf die perfekten Ohren: Ein Paar, das jemanden kannte, die jemanden kannte, der jemanden kannte, der ein Boot besaß! Und dieser jemand war bereit, eine unerfahrene Autorin an Bord zu nehmen.

„Entweder er versenkt dich in der nächsten Schleuse. Oder du gehst mit dem Messer auf ihn los. Oder ihr verliebt euch“, prophezeite eine Freundin.

Vier Tage auf einem 7-Meter-Boot mit zwei sehr kleinen Kojen. Mit einem fremden Mann. Man stelle es sich vor.

Berlin haben wir zum Norden hin verlassen, an Oranienburg vorbei, die Havel hoch (man sagt ‚hoch‘, wenn es zur Quelle geht, ‚runter‘ ist da, wo ein Fluss in ein größeres Gewässer mündet, für die Landratten unter euch) bis zur Müritz. Das passte bestens, denn dort fanden gerade die Dreharbeiten zu >>Seerosensommer statt. Bei der Abschlussparty auf Schloss Klink war ich geladen. Schloss Klink ist ein wunderhübsches Märchenschloss mit einem herrlichen Blick auf die Müritz.

Die Landschaft links und rechts der Flüsse und Kanäle verzückte mich, und ich erfuhr alles übers Schleusen, was ich für meinen Roman wissen musste. Und über Kajüte, Messe und Bilge, über Pantry, Plicht und Pinne.

Als wir in Klink anlegten, hatten wir uns weder gegenseitig versenkt noch waren wir mit dem Messer aufeinander losgegangen. Dann blieb also nur die Erfüllung der dritten Prophezeiung … Ich winkte meinem Skipper auf dem Schiff noch lange vom Fenster der Turmsuite aus nach. Ein Jahr ist das jetzt her. Ein gutes Jahr, ein großartiges Jahr!

Und diese Geschichte ist Wort für Wort wahr und nicht etwa der Fantasie einer Autorin entsprungen, die ein Faible für Lovestorys mit einem dicken, fetten Happy-End hat. Ich schwör’s.

Tania Krätschmar


Die Autorin

Tania Krätschmar

Portrait von Tania Krätschmar

Tania Krätschmar wurde 1960 in Berlin geboren. Nach ihrem Germanistikstudium in Berlin, Florida und New York arbeitete sie als Bookscout in Manhattan.

zur Autorin

Das Buch

Die Wellentänzerin

Friedrich Ani – Süden

zum Buch
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