Verlagsgruppe Droemer Knaur



Weihnachtsverordnung

30.11.2011

So feiern Sie nach den Richtlinien des "BGB. Besseres Gesetzbuch" korrekt Weihnachten.

Die Autoren Oliver Kuhn, Alexandra Reinwarth und Axel Fröhlich haben in BGB. Besseres Gesetzbuch die wichtigsten Gesetze zusammengetragen, die unser aller Leben wirklich erleichtern und verbessern. In ihm werden so zentrale Rechtsbereiche wie die Beziehungsgesetze, das Bestäubungsmittelgesetz, die Gaststättenunordnung und das Uhrheberrecht neu und überzeugend geregelt. Und damit auch das Weihnachtsfest in geordneten Bahnen verlaufen kann, erhalten Sie hier exklusiv die Bestimmungen für ein geregeltes besinnliches Zusammenkommen.

Präambel: Weihnachten genießt als, kraft Gesetz, arbeitsfreier Arbeitstag einen besonderen staatlichen Schutz. Aufgrund der hohen Bedeutung für die Familie, die als Herz unserer Gesellschaft angesehen werden muss, soll diese Verordnung ein friedliches Zusammenleben am sogenannten »Fest der Liebe« anlässlich des Lebenseintrittes von Jesus sicherstellen.

§ 1 Nikolaus
(1) Schokoladen-Nikoläuse, die vor dem 1. November in Supermärkten angeboten werden, fallen unter die kalendarische Regelung von speziell gestanzten Süßwaren (Späte-Osterhasen-Verordnung). Es darf ihnen straffrei der Kopf abgebissen werden.
(2) Schuhe oder Strümpfe, die am Abend vor dem Nikolaustag aufgestellt werden, müssen der eigenen Schuhgröße entsprechen. Nicht zulässig sind geliehene Angler- oder Watthosen, deren Schuhwerk in einer voluminösen Latzhose mündet.

§ 2 Weihnachtsgrüße und -geschenke
(1) Wer Weihnachtsgrüße vor der zweiten Novemberhälfte abschickt oder weiterleitet oder fotografische Aufnahmen seiner selbst mit roten Puschelmützen anfertigt, wird mit zehn Rutenschlägen bestraft.
(2) Firmen, die das Beschenken von Kunden und Angestellten umgehen, indem sie auf die freiwillige Zuwendung an einen Dritten (etwa Hilfsorganisationen) hinweisen, sind verpflichtet, einen Beleg für die Höhe und den korrekten Abschluss der Transaktion zu erbringen.
(3) Postkarten sowie elektronisch versandte Weihnachtsgrüße, auf denen eine Familie mit Nikolausmützen abgebildet ist, werden gemäß den Bestimmungen des Kampfs gegen den ästhetischen Terror wie Briefbomben behandelt.
(4) Stirnbänder, an denen sich Elchgeweihe mit oder ohne Glöckchen befinden, fallen unter die Geschmacksfriedensbruch-Gesetze (GfbG).
Hinweis: Dieser Artikel ist entsprechend auf Fotos oder E-Mails anzuwenden, die eine oder mehrere Personen mit derartigen Accessoires abbilden.

§ 3 Weihnachtsgrüße
(1) Adventskalender müssen ausnahmslos mit Schokolade befüllt sein.
(2) Wer die Türchen eines fremden Adventskalenders vor Eintritt des aufgedruckten Tages öffnet, die Schokolade isst und selbigen wieder verschließt, wird hinter ein Gefängnistürchen gesperrt.

§ 4 Regeln für ehrenamtliche sowie bezahlte Nikoläuse
(1) Die Rute als Instrument, um Kinder zu bestrafen, hat ausschließlich symbolischen Charakter.
(2) Sollten die Kinder jedoch das Goldene Buch des Nikolaus entwenden und mit Filzstift ehrverletzende Behauptungen hineinschreiben, so kann die symbolische in eine reale, körperliche Bestrafung einer der Schuld angemessenen, öffentlichen Missbilligung umgewandelt werden.
(3) Kinder, die aufgrund ihres Betragens vom Nikolausbegleiter in den Sack gesteckt werden, gehen automatisch in dessen Sorgerecht über.
(4) Kinder, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und weiblich sind, dürfen weder mit der Rute bestraft noch auf den Schoß genommen werden.
(5) Der Konsum von Alkohol ist nur in einem Maß erlaubt, das es dem Nikolaus-Darsteller gestattet, seinen Job noch glaubwürdig zu erledigen.
Zusatz: Nicht glaubwürdig sind alkoholisierte Nikoläuse, die
• in einem fremden Wohnzimmer vor Selbstmitleid weinend zusammenbrechen,
• Zoten in ihre Rede einbauen und dabei den Anwesenden in die Seite knuffen oder auf die Schulter schlagen,
• Nüsse, Früchte oder Schokokringel vom Baum naschen,
• anwesende Familienmitglieder aufgrund eines schwindenden Namensgedächtnisses mit »das Kind« oder »der Dicke da mit der Brille« bezeichnen.

§ 5 Weihnachts-Musikgesetz
Die offizielle, gesetzliche Playlist für öffentlich-rechtliche und privatwirtschaftliche
Rundfunkstationen vom 31. November bis zum 28. Dezember lautet:
1. »Last Christmas« von WHAM
2. »Last Christmas« von WHAM
3. »Last Christmas« von WHAM
4. »Last Christmas« von WHAM
5. »Last Christmas« von WHAM
6. »Last Christmas« von WHAM
7. »Last Christmas« von WHAM
8. »Last Christmas« von WHAM
9. »Last Christmas« von WHAM
10. »Last Christmas« von WHAM

§ 6 Allgemeine Weihnachtsregelungen
(1) Das Schmücken des Christbaums mit Kindern ist unzulässig. Sie sind sofort abzunehmen.
(2) Geschenke, die am Vormittag des 24. Dezember an einer Tankstelle besorgt werden, sind nicht zulässig.
(3) Verwandte dürfen am Weihnachtsabend nicht abgewiesen werden, auch wenn sie für ihren zweifelhaften Charakter bekannt sind.
(4) Weihnachtsschmuck, der an Privathäusern angebracht wird und durch intervallartiges Aufblinken dazu geeignet ist, die Schlafzimmer von Nachbarn zu erhellen und die nachbarschaftlichen Verhältnisse nachhaltig zu verschlechtern, darf kommentarlos abgenommen werden.
(5) Mit Batterie betriebene Figuren nachgebildeter Weihnachtsmänner, die mittels eingebauter Lautsprecher Weihnachtsmelodien oder andere Geräusche abgeben, dürfen so lange geschlagen und beschädigt werden, bis sie verstummen.

§ 7 Weihnachtsfilme
(1) Die Filme
• »Kevin allein zu Haus«
• »Der kleine Lord«
• »Die Geister, die ich rief«
• »Sissi«
• »Drei Nüsse für Aschenbrödel«
müssen von sämtlichen deutschen Rundfunkanstalten an den Weihnachtsfeiertagen ausgestrahlt werden.
(2) Die Filme sind von allen an den Weihnachtsfeierlichkeiten beteiligten Familienmitgliedern anzuschauen.

aus: BGB. Besseres Gesetzbuch

Das Buch

BGB

Friedrich Ani – Süden

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