Verlagsgruppe Droemer Knaur

So liest man heute.

Willkommen in Colins Welt

Einleitung

Der beste Tag meines Lebens von Zack Stentz & Ashley Miller

Mein Name ist Colin Fischer. Ich bin 14 Jahre alt und wiege 55 Kilogramm. Heute ist mein erster Tag an der Highschool. Bis zum Schulabschluss liegen noch 1365 Tage vor mir.

Bereits Tag eins an der West Valley Highschool wird für Colin zur Tortur: Sein Intimfeind Wayne Connelly verpasst ihm ein Bad in der Jungs-Toilette - die "volle Saubere-Schüssel-Nummer" – und Stan, ein anderer Halbstarker, rammt Colin in eine metallene Spindtür. Die Highschool gleicht einem Haifischbecken, in dem Schwache und Außenseiter gnadenlos drangsaliert und gemobbt werden. Denn Colin ist nicht wie die anderen Jungen in seinem Alter: Er hat das Asperger-Syndrom, eine Störung, die dem Autismusspektrum zugeordnet wird, wie der hochintelligente Colin seinem Sportlehrer erklärt:

Es handelt sich um ein neurologisches Leiden, vergleichbar dem Autismus. Entdeckt wurde es vom österreichischen Kinderarzt Hans Asperger 1943 in Wien ... Meine Diagnose lautet, dass ich sehr gut funktioniere, doch ich habe nur schwach ausgeprägte soziale Fähigkeiten und Probleme mit der Zuordnung von Sinneseindrücken, was zu ernsten Defiziten im Bereich der körperlichen Koordination führt.

Wie viele Asperger ist Colin sozial isoliert und eckt aufgrund seiner Verhaltensauffälligkeiten überall an. In der Schule wird er gehänselt, ausgegrenzt und gemobbt; seine Mitschüler bezeichnen ihn abwechselnd als "Freak","Spasti" oder "Arsch-Burger". Menschliche Gefühle und metaphernreiche Sprache sind Colin ein Rätsel, doch in Mathematik ist er außergewöhnlich begabt. Asperger-Autisten haben Probleme, emotionale Reize zu erkennen und es mangelt ihnen an Empathie. Sie können Empfindungen nicht vor deren emotionalen Hintergrund erkennen und keine differenzierten Affekte erfassen. Gesichter lesen, Stimmungen erkennen, Gefühle begreifen – all das bereitet Aspergern größte Schwierigkeiten. Sarkasmus, Ironie und Witz entgehen ihnen in der Regel komplett. Um das Mienenspiel und die Körpersprache seiner Mitmenschen entschlüsseln zu können, muss Colin daher auf seinen selbst erstellten Katalog von Piktogrammen zurückgreifen, den er in seinem geliebten Notizbuch stets bei sich führt.

Im Alltag macht sich die schwierige soziale Interaktion vielfältig bemerkbar. Wie viele Asperger kann Colin schlecht Augenkontakt mit anderen Menschen aufnehmen oder halten. Sein Gesichtsausdruck ist meist neutral und er vermeidet Körperkontakt. Asperger sind unsicher, wenn es darum geht, Gespräche mit anderen zu führen, besonders wenn es sich um eher belanglosen Smalltalk handelt. Soziale Regeln, die andere intuitiv beherrschen, verstehen Menschen mit Asperger-Syndrom nicht intuitiv, sondern müssen sie sich erst mühsam aneignen. Daher fällt es Colin extrem schwer, Freundschaften zu schließen.

Die untergeordnete Kategorie Asperger-Syndrom innerhalb des Autismusspektrums hat ihren Namen von dem österreichischen Kinderarzt Hans Asperger, der in den 1930er und 40er Jahren in Wien forschte und arbeitete. Als Kind zeigte Asperger selbst viele Aspekte des nach ihm benannten Syndroms. Der schüchterne, unnahbare und einsame Asperger besaß ein Talent für Sprachen und ein erstaunliches Gedächtnis für Themen, die ihn interessierten; oft verstörte oder langweilte er Klassenkameraden mit dem rezitieren langer Passagen aus dem Werk seines Lieblingsdichters.

Colin folgt seinem eigenen speziellen Zeitplan und seine Welt stellt sich als streng logisches Fakten- und Zahlenwerk dar. Colin mag Listen und Diagramme, hat jedoch Angst vor Fremden und unbekannten Plätzen. Nur mit Hilfe seines Notizbuches gelingt es ihm, sich in der Welt zurechtzufinden. Außerdem reagiert er überempfindlich auf jeden Reiz und beginnt zu schreien, wenn zu viele Informationen auf einmal sein Gehirn erreichen. Gegenüber Leuten, die ihn berühren wollen, wird er sogar gewalttätig. Colin hasst die Farbe blau und mag nur knackige und knusprige Speisen, die er nach ihrem Platz im Farbspektrum auf seinem Teller sortiert.

Wie viele Asperger ist Colin äußerst wortgewandt und seine Interessen sind auf fixe Themen beschränkt, über die er äußerst detailliert und begeistert sprechen kann. Im englischen Sprachraum wird das Asperger-Syndrom darum auch als "Little Professor Syndrome" bezeichnet. Vor allem in der Welt der Mathematik fühlt Colin sich zu Zuhause und er verehrt Sherlock Holmes, der in seiner glasklaren Logik für ihn ein natürliches Vorbild darstellt.

Als an Colins Schule eine Waffe auftaucht und sich ein Schuss löst, entwickelt Colin ein drängendes Bedürfnis, diesen Zwischenfall aufzuklären. Zumal die Schule ganz offensichtlich den Falschen verdächtigt: Wayne Connelly. Colin schlüpft in die Rolle des viktorianischen Superhirns Sherlock Holmes und beginnt zu ermitteln, geleitet von seiner unvergleichlichen Logik und seinem unbestechlichen Blick auf andere Menschen.

So entdeckt der "Freak" seine wahre Stärke: Seine Sicht auf die Welt macht Colin zum erstklassigen Detektiv. Colins Recherchen zwingen ihn, sein gewohntes Umfeld zu verlassen und unter großer Anstrengung bricht er aus seiner Isolation aus. Am Ende hat der Außenseiter mit dem Asperger-Syndrom nicht nur das Rätsel der Schusswaffe gelöst, sondern auch einen Freund gewonnen – nicht nur zum Trampolinspringen!

Alexandra Plath für www.droemer-knaur.de

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