Verlagsgruppe Droemer Knaur

So liest man heute.

Markus Heitz, glauben Sie an Vampire?

Einleitung

Der Autor skizziert die Geschichte des Vampirglaubens im mittelalterlichen Europa, und verrät, auf welchen realen Ereignissen Kinder des Judas aufgebaut ist.

Nach ein paar obskuren Hinweisen aus dem Mittelalter begannen sich im 17. Jahrhundert die Berichte über diese monströse Wesen zu häufen. Die ersten eindeutigen Fälle von Vampirismus wurden 1591 aus Schlesien und 1618 aus Böhmen gemeldet, 1624 gab es ein paar Upierzyca-Berichte aus der Nähe von Krakau. Bezeichnenderweise geht es in den Geschichten um Fälle von Menschen - häufig Selbstmörder, Ungetaufte, Exkommunizierte, Verhaltensauffällige oder Personen mit Abnormitäten - die in Mensch- oder Tiergestalt ihren Gräbern entstiegen.
Sie verursachten Schäden oder Seuchen, töteten Menschen und Tiere, bis ihre unverwesten Leichen, deren Adern noch mit Blut gefüllt waren, exhumiert und mit einem Pfahl durchbohrt oder enthauptet wurden, oder bis man ihnen das Herz herausschnitt und sie verbrannte. Obwohl der Vampirglauben eigentlich slawischen und griechischen Ursprungs ist, brachte ihn die öffentliche Meinung des 18. Jahrhunderts in erster Linie mit Ungarn und Serbien in Verbindung, weil fast alle berühmten Fälle von Vampirismus des 18. Jahrhunderts hier spielten. Den berühmtesten Fall gab es jedoch in Serbien, im Dörfchen Medvegia und damit den Ausgangspunkt für den Roman. Mehr dazu steht ja im Nachwort des Romans, deswegen lasse ich das an der Stelle mal weg. Zusammengefasst: Die Gutachten, welche die Existenz der Vampire "belegen", sind erhalten geblieben, angefertigt von Ärzten und Offizieren der kaiserlichen österreichischen Armee, die bei der Exhumierung anwesend waren. Diese Serie von Fällen bildete den Auftakt zu einer großen Vampirismus-Debatte in den 1730er Jahren. In einer langen Reihe von mehr oder weniger wissenschaftlichen Werken wurden zunächst diese Phänomene und in den 1740er Jahren auch neuere Fälle von Vampirismus in Transsylvanien, Böhmen und Mähren erörtert.

Ach ja: Nein, ich glaube nicht an Vampire ...
Markus Heitz

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