Verlagsgruppe Droemer Knaur

So liest man heute.

Irland und die Feuertochter

Iny und Elmar Lorentz berichten von ihren Erlebnissen auf der grünen Insel ...

Iny Lorentz

Alles begann damit, dass Elmar eines Morgens nach dem Aufwachen sagte, "Du, ich habe eine Idee für einen Roman, der in Irland spielt!"

Nun hatten wir zwar schon mehrmals über eine Reise nach Irland gesprochen, aber nur, weil wir die Insel irgendwann einmal kennenlernen wollten. An einen Roman über Irland hatten wir dabei nicht gedacht. Doch nun ließ uns Elmars Idee nicht mehr los. Wir suchten erst einmal alles heraus, das wir über die Insel und ihre Beziehung zu England besaßen, besorgten uns weitere Bücher und arbeiteten die Geschichte um Ciara und den Clan der Ui'Corra immer weiter aus.

Uns war aber von Anfang an klar, dass wir, bevor wir die endgültige Planung beginnen konnten, Irland sehen und erfühlen mussten. Flugs wurde ein Reiseplan entwickelt, der uns möglichst viel von der Insel zeigen würde, und dann ging es im Sommer 2010 los. Begleitet wurden wir wie schon auf der Romfahrt von unserer Agenturlektorin Ingeborg, die uns auch diesmal bei der Recherche helfen wollte.

Unser erstes Ziel war Dublin, das auf uns sehr englisch wirkte. Vor allem die Christ Church Cathedral zeigte, dass diese Stadt seit der Ankunft von Richard Fitzgilbert, genannt Strongbow, im Jahre 1167 stets unter dem Einfluss Englands stand. Uns boten sich interessante Einblicke, doch wollten wir natürlich auch das Irland der 'Iren' erleben. Einen ersten Eindruck bot die Bibliothek des Trinity-Colleges mit dem Book of Kells und anderen wertvollen Handschriften. Besonders in Erinnerung blieb uns in Dublin vor allem das Denkmal der Fischverkäuferin Molly Malone und ein urtümlicher Pup gleich um die Ecke, in dem es nicht nur ausgezeichnete Biere, sondern auch sehr gutes Essen gab.

Die grüne InselZuerst blieben wir noch im Osten und fuhren durch die Wicklow Mountains nach Glendalough, einem der großen geistigen Zentren des alten Irland. Hier bekamen wir einen ersten, nicht durch englische Einflüsse geprägten Eindruck von der Insel und spürten auch die Verbundenheit der Menschen zu ihrer Vergangenheit. Wer nach Irland fährt, sollte sich Glendalough nicht entgehen lassen.

Natürlich gehörte auch ein Besuch in Kilkenny zu unserem Programm. Uns ging es vor allem um Kilkenny Castle, das einen sehr guten Einblick in die Bauweise englischer Burgen in Irland bietet. Weniger positiv fanden wir, dass wir dort am Sonntag keinen Pub fanden, in dem es Kilkenny-Bier zu trinken gab. Elmar musste sich schließlich mit einer Dose aus einem Automaten begnügen.

In das Irland der alten Tage tauchten wir bei unserem Besuch in Cashel ein, dem Sitz der einstigen Könige von Munster. Auch hier begegneten wir der eigenständigen irischen Kultur, die sich doch stark vom Kontinent und von England unterscheidet.

Die weitere Fahrt führte uns nach Tralee und zu einem der wahren Höhepunkte unserer Reise. Wir konnten nämlich eine Vorstellung im National Folk Theatre of Ireland Siamsa Tire besuchen. Das Stück wurde in irischer Sprache aufgeführt und so fanden wir uns inmitten vieler englischsprachiger Iren, die zwar in der Schule die Grundzüge des Irischen gelernt, es aber bald wieder vergessen hatten und ebenso wie wir die Beschreibung dessen brauchten, was da gespielt wurde.

Unser nächstes Ziel war das Kerry Bog Village Museum, ein Freilichtmuseum, das uns zeigte, wie die armen Leute in Irland gelebt hatten. Für unseren Roman war dieser Ort wichtiger als die prächtigen Herrenhäuser, die meist aus der englisch dominierten Zeit stammen. So ähnlich wie die früheren Bewohner des Museumsdorfes müssen auch die einfachen Leute aus Ciaras Clan gehaust haben.

Den genauen Gegensatz bildete anschließend Muckross House, einer der Herrensitze nach englischer Art. In unseren Augen ist es kein Muss bei einer Reise durch Irland, denn ähnliches gibt es in England zuhauf. Interessant hingegen ist der dortige Wald, der mit seinen mächtigen Bäumen ein wenig an jene einstigen Urwälder erinnert, die Irland einst bedeckt haben.

Nachdem wir tief in den Südwesten Irlands vorgestoßen waren, führte unsere weitere Reise nach Norden. Ein Besuch der Cliffs of Moher ist eigentlich bei einem Irlandbesuch Pflicht, denn nirgends sieht man den Atlantik mächtiger gegen die Küste anrollen als an dieser Stelle. Wir stellten uns vor, wie es wäre, diese gewaltigen Felswände von einer hölzernen Nussschale des 16. Jahrhunderts aus zu sehen, und haben dies bei Ferdinands Ankunft in Irland beschrieben.

Wer weiter nach Norden fährt, sollte nicht vergessen, The Burren zu besuchen, jenen Landstrich im Westen Irlands, der so deutlich zeigt, wie sehr der Mensch eine Landschaft zerstören kann. Wo einst Wälder standen, erstrecken sich nun kahle Felsplatten, die vom steten Atlantikwind glattgeschliffen wurden. Der Mutterboden wurde nach der Abholzung rasch abgetragen und so findet man sich in einer Steinwüste wieder, die einem deutlich macht, wohin der gedankenlose Umgang mit den Ressourcen hinführt, die uns die Erde bietet.

Nach diesem bedrückenden Erlebnis erholten wir uns erst einmal in der zauberhaften Landschaft von Connemara mit ihren unzähligen kleinen Seen, um dann weiter nach Norden zu fahren. Der Croagh Patrick mit seinen tief eingeschnittenem Pilgerweg brachte uns wieder das christliche Irland früherer Zeiten näher. Den heiligen Berg Irlands ganz zu besteigen, war uns aber dann doch zu mühsam.

Neueren Datums ist das Grab des Literaturnobelpreisträgers William Butler Yeats, das im Friedhof der im Schatten des Tafelberges Ben Bulben liegenden Kirche von Drummond zu finden ist. Auch die nahe Stadt Sligo ist unserer Meinung nach einen Aufenthalt wert. Bedauerlich fanden wir nur, dass die dortige Abtei wie so viele andere Klöster in Irland nur noch eine Ruine ist. In der Hinsicht hat die englische Herrschaft schwere Wunden geschlagen.

Unser weiterer Weg führte nach Ulster. Als wir in unseren Unterlagen einen kleinen, irischen Clan entdeckten, der in dieser Gegend gelebt hat, und auch noch durch ein Tal fuhren, das wie für unseren Roman geschaffen schien, wussten wir, dass wir Ciaras Heimat gefunden hatten. Etwas schwieriger war es, sich vorzustellen, wie diese Landschaft vor der rücksichtslosen Abholzung ausgesehen haben mochte. Die kleinen Waldflächen, die jetzt noch übrig sind, bieten kaum mehr einen Eindruck.

Etwas erschreckend für uns war, in Nordirland die strickte Aufteilung zwischen katholischen und protestantischen Siedlungen zu sehen, die anhand der unterschiedlichen Symbole genau zu erkennen waren. Auch das ist eine Folge der Jahrhundertelangen englischen Vorherrschaft. In diesem Land aber haben vor etwas mehr als vierhundert Jahren die Iren unter Aodh Mór O'Néill einen ihrer größten Aufstände begonnen, der den Hintergrund für unseren Roman 'Feuertochter' bildet. Die nach englischer Art angelegten Burgen und Städte beweisen überdeutlich, welche Seite damals den Sieg davon getragen hat.

Den Abschluss unserer Fahrt bildeten Mellifont Abbey und Monasterboice. Wir waren zu dem Zeitpunkt bereits so voller Eindrücke, dass wir nicht glaubten, uns könnte noch einmal etwas begeistern. Doch als wir an den mächtigen Hochkreuzen von Monasterboice geistig Abschied von Irland nahmen, fühlten wir uns wie in eine andere Welt versetzt und begriffen, weshalb Elfen und Kobolde in der irischen Mythologie eine so große Rolle spielten.

Einen Tag später erfolgte am Flughafen von Dublin der endgültige Abschied von dieser Insel am Rande Europas. Als wir schließlich in der Heimat landeten, blickten wir auf eine zwar anstrengende, aber auch interessante und erfolgreiche Recherchereise zurück.

Iny und Elmar Lorentz

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