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So liest man heute.

PrestonChild im Interview

"Entspannt euch, hier bin ich doch!" sagte der neue Romanheld Gideon Crew zu seinen Autoren!

Die Bestseller-Koautoren Douglas Preston und Lincoln Child haben schon unzählige Leser mit ihren Romanen auf einen nervenzerreißenden Trip mit FBI-Special Agent Aloysius Pendergast geschickt, der Serienmörder jagt und überall auf der Welt Abenteuer erlebt. Jetzt hat das Duo einen neuen Helden, Gideon Crew, der in MISSION – Spiel auf Zeit sein Debüt feiert. Wir haben den Autoren ein paar Fragen zu dieser Serie und ihren eigenen Abenteuern beim Miteinander-Schreiben gestellt.

Bitte erzählen Sie uns über Gideon und Ihre Serie. Ist er jemals in einem Pendergast-Roman aufgetaucht?

Lincoln Child: Es stimmt, dass viele unserer Charaktere Gastauftritte in anderen Büchern haben, aber Gideon ist eine vollkommen neue und frische Stimme. So sehr wir Pendergast auch lieben, wollten wir doch einen jüngeren, hipperen und nicht ganz so tiefgründigen Protagonisten erschaffen, und ihn ins Zentrum einer actionlastigen, sehr cineastischen und spannenden Story stellen. So entstand die Gideon-Crew-Serie.

Wodurch unterscheidet sich Gideon Crew von Aloysius Pendergast?

Douglas Preston: Special Agent Pendergast ist unnahbar, reserviert und eigen. Er stammt aus der aristokratisch-französischen Gesellschaft von New Orleans. Gideon Crew ist nicht so abgehoben, eher sarkastisch, eigensinnig, er liebt Jazz und genießt die schönen Dinge des Lebens (vielleicht ein wenig zu sehr). Wenn man so will, gehört Pendergast in gewisser Weise ins 19. Jahrhundert und Gideon ganz eindeutig ins 21. Jahrhundert. Eine Sache, die die beiden gemeinsam haben – und noch dazu mit uns –, ist ihre Liebe zu gutem Wein und guter Küche.

Sie haben also auch persönliche Vorlieben an die Figur weitergegeben?

Douglas Preston: Ich verrate lieber nicht, wie viele trockene Martinis und wie viele Gläser Whisky an der Entstehung von Gideon Crew beteiligt waren. Linc und ich haben uns zum Brainstorming in seiner eleganten Bibliothek getroffen, warfen mit wilden und unglaublichen Ideen um uns, stritten, verfluchten uns gegenseitig, lachten und weinten – und nach einigen solchen Tagen stand Gideon vor uns, groß, schlaksig, mit einem schiefen Lächeln, die Hände in den Hosentaschen seiner Jeans vergraben und sagte: „Entspannt euch, hier bin ich doch!“

Wir haben gehört, dass die Serie zwölf Bände umfassen soll. Haben Sie irgendwo einen geheimen Handlungsbogen eingebaut?

Lincoln Child: Wir würden uns freuen, wenn die Serie zwölf Bände bekäme. Es gibt jedoch einen ungewöhnlichen, sogar entsetzlichen Grund, warum die Serie möglicherweise nicht so lange andauern wird. Dieser Grund wird bereits sehr früh in MISSION offenbart und wirft einen Schatten über die gesamte Reihe.

Wird Gideon beispielsweise auch eine Liebesbeziehung haben?

Lincoln Child: Oh ja, Gideon hat Liebesbeziehungen. Er geht … wie soll man sagen … ungestüm und unklug mit der Liebe um. Das wird dadurch noch kompliziert, dass er sich immer ziemlich zwielichtig gibt und sehr attraktiv auf Frauen wirkt. Das bringt ihn in ernsthafte Schwierigkeiten.

Bedeutet Ihre Begeisterung für Gideon, dass Pendergast eine Auszeit nehmen muss?

Lincoln Child: Definitiv nicht. Wir werden unsere Pendergast-Romane genau so regelmäßig veröffentlichen wie vorher, also einen im Jahr. In unserem nächsten Roman, Revenge - Eiskalte Täuschung, der die Fortsetzung zu Fever ist, wird Pendergast weiter dem Geheimnis um das Verschwinden seiner Frau hinterherjagen: Starb sie wirklich auf einer Safari durch einen Löwen, wie er immer glaubte? Oder hat sie – entgegen allem, was man glauben kann – irgendwie überlebt?

Könnten Sie ein bisschen darüber erzählen, dass der Produzent Michael Bay die Filmrechte für MISSION gekauft hat und eine Bourne-ähnliche Verwertung plant? Hatte er die Rechte oder die Option darauf bevor sie das Buch geschrieben haben?

Douglas Preston: Paramount Pictures hat die Verfilmung unseres ersten Buchs produziert, RELIC, die ein Kassenschlager war und jetzt ein Kultklassiker geworden ist. Deshalb waren wir sehr froh, dass Paramount und Michael Bay sich die Rechte an der Gideon-Crew-Serie sicherten. Wir hatten das Buch schon geschrieben – es lag in Manuskriptform vor – als sie es kauften. Sie waren begeistert von diesem jungen Helden, dem Konzept, dem topaktuellen Thema sozialer Manipulation, von der Action und Romantik und dem breit angelegten Handlungsbogen der Serie.

Sie erwähnen auf Ihrer Website dass Sie nicht sehr viel mit der Verfilmung Ihres ersten Romans RELIC zu tun hatten; glauben Sie dass diese Erfahrung bei MISSION anders sein wird? Haben Sie irgendwelche Lieblingsfilme von Michael Bay?

Lincoln Child: Wir haben ein sehr offenes Gespräch mit Paramount und den Drehbuchautoren geführt. Wir beide lieben Bays Filme – er ist einer der besten Actionfilmproduzenten und -regisseure aller Zeiten – und wir haben beim Schreiben einiger toller Actionszenen an ihn gedacht. Ich liebe alle Michael-Bay-Filme, aber vor allem The Rock und Armageddon. Douglas Preston: Und Amityville Horror und Die Insel – und nicht zu vergessen Transformers.

Sie arbeiten über das Internet und am Telefon zusammen. Treffen Sie sich auch manchmal, um zu schreiben oder sich neue Ideen auszudenken?

Douglas Preston: Ja, das machen wir. Tatsächlich haben wir die Handlung von RELIC innerhalb eines langen Wochenendes in Lincs Haus ausgearbeitet, wobei ich lieber nicht darüber nachdenke, wie viele Jahre das nun schon her ist. In seinem jetzigen Haus hat er eine wunderschöne zweistöckige Bibliothek, die für uns der perfekte Ort ist, um Martinis zu trinken, uns darüber klar zu werden, was für gute Freunde wir sind, uns zu beschweren, über Verlage zu schimpfen und zu nörgeln und gelegentlich zu unserem ursprünglichen Vorhaben des Brainstormings zurückzukommen.

Was mögen Sie an Ihrem Schreibpartner am liebsten?

Lincoln Child: Doug hat einen wundervollen Sinn für Humor, nicht so schräg wie meiner vielleicht, aber er ist wahnsinnig komisch, und er kann das sogar in Szenen einfließen lassen, die eigentlich eher tragisch sind. In RELIC gibt es beispielsweise die Szene, in der es eine Massenpanik während der Museumseröffnung ausbricht. Der Reporter Bill Smithback, der über das Ereignis berichtet, wird unter einen Büffettisch gestoßen und mit Crackern, Brie und Kaviar überschüttet, welche er als Gourmet der alten Schule sofort zu essen beginnt, während er die zunehmende Verwüstung beobachtet. Okay, meine Beschreibung wirkt jetzt vielleicht nicht so komisch, aber im Buch ist das ein Brüller.

Wie haben Sie entschieden, welcher Name auf den Umschlägen zuerst genannt wird?

Lincoln Child: Als wir unseren ersten gemeinsamen Roman geschrieben haben, hatte Doug bereits einige Bücher auf dem Markt, daher nahmen wir an, dass sein Name einen größeren Wiedererkennungswert hätte. Und wir haben an der Reihenfolge der Namen nichts geändert, obwohl ich ihn inzwischen natürlich bei jedem literarischen Vergleich in den Schatten stelle. Ich scherze … vielleicht. Douglas Preston: Lassen wir Linc seine harmlosen Illusionen …

MISSION ist eine sehr internationale Geschichte. Waren Sie schon in Dubai, Hongkong und den anderen exotischen Schauplätzen, die sie beschreiben?

Douglas Preston: Da Linc nicht fliegt, erledige ich die Globetrotterei. Ich versuche, alle Schauplätze der Bücher zu besuchen, von versunkenen Tempeln im Dschungel von Kambodscha bis zu vergessenen Gräbern in Ägypten, von den eleganten Palästen von Florenz bis zu den roten Canyons in Utah. Ich reise sehr viel. Es ist wichtig, die Orte über die man schreibt zu kennen; der Leser weiß, wenn man ihm etwas vorzumachen versucht. Erst letzte Woche bin ich aus dem Irak und Kuwait zurückgekommen. Ich war auf einer Tour der United Service Organizations, einer gemeinnützigen Organisation, deren Ziel die Unterstützung und das Wohlergehen der US-amerikanischen Streitkräfte und ihrer Angehörigen ist.

Lesen Ihre Ehefrauen und Kinder Ihre Bücher? Gibt es irgendwelche Kommentare von ihnen?

Lincoln Child: Ja, unsere Frauen und Kinder lesen unsere Bücher. Was mich betrifft, so ist meine Tochter sehr begeistert davon (obwohl ich immer noch ziemlich vorsichtig damit bin, welche Bücher ich sie lesen lasse), während meine Frau mich zwar unterstützt, aber eher kritisch ist. Sie versucht mich daran zu erinnern, wo ich hingehöre – mal mehr, mal weniger erfolgreich. Douglas Preston: Als mein zwölfjähriger Sohn fragte, ob er RELIC lesen dürfe, habe ich den Fehler gemacht ihm zu sagen, dass er zu jung wäre, um meine Bücher zu lesen und dass er auf meine Erlaubnis warten müsse. Naja, die Bücher sind dummerweise über das ganze Haus verteilt, und das nächste, was ich mitbekam war, dass er sie alle gelesen hatte. Ich hätte ihm wohl besser damit drohen sollen, alle Bücher lesen zu müssen und sich auf einen Test darüber vorzubereiten.

An was für einem Roman arbeiten Sie gerade?

Lincoln Child: Wir schreiben die Fortsetzung von MISSION: Countdown - Jede Sekunde zählt. Wir haben einen sehr amüsanten Weg gefunden, um die Geschichten zu verbinden: das letzte Kapitel von MISSION, das einen Ausblick auf die Fortsetzung gibt, ist gleichzeitig das erste Kapitel des neuen Buchs.

Das Interview führte Liz French für die RT Book Reviews; übersetzt wurde es von Hanna Rauh.

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