Verlagsgruppe Droemer Knaur

So liest man heute.

Auf dem roten Teppich: John Katzenbach

Warum der Meister der Spannung das Wünschen und Beten lieber anderen überlässt.

John Katzenbach

Zwischen Wahn und Wirklichkeit - so wurde der Psychothriller Der Professor von John Katzenbach beworben. Im realen Leben ist der Autor aber keineswegs wahnsinnig. Ganz im Gegenteil: Er ist eingefleischter Realist. Diese und weitere Charaktereigenschaften verrät er im Interview.

Beschreiben Sie sich mit drei Worten!

Realistisch, ungewöhnlich, ein Denker
Was macht Ihnen schlechte Laune, was macht Ihnen Freude?

Schlechte Laune: Einer dieser schwierigen Tage, an denen ich es nicht schaffe, dass sich meine Figuren so verhalten, wie ich es gern hätte. Freude: Wenn ich dann realisiere, dass alle diese Figuren mir etwas mitteilen wollen, dem ich unbedingt zuhören sollte.
Sie können Frühstück, Mittag- und Abendessen an drei unterschiedlichen Orten auf der Welt einnehmen – wohin führt Sie diese Reise?

Zu Hause mit dem Sportteil des Boston Globes an einem Tag, an dem die Red Sox die Yankees besiegt haben; Mittagessen: Ein kaltes Sandwich (Truthahn, Mayonnaise, Käse, Tomate auf Vollkornbrot), das entweder auf dem Bug eines Hausbootes leicht auf einer Welle schaukelnd in den flachen Gewässern der Florida Keys gegessen wird, darauf wartend, dass Tarpune und Permits in mein Blickfeld gelangen - oder auf einem ruhigen Forellenstrom, wo ich abwarte, dass die Fische anbeißen; Abendessen bei Borchardt in Berlin. Das Essen ist gut und die Atmosphäre unglaublich locker.

Tee oder Kaffee?

Keins von beidem. Niemals. Diätcola ist (leider) mein Lieblingsgetränk.
Was ist ein perfekter Tag für Sie?

Wissen Sie, es gibt viele tolle Tage – der Hochzeitstag, die Geburten der eigenen Kinder, Tage des Erfolgs, Tage von Bedeutung – aber ich denke nicht, dass einer von ihnen perfekt ist. Thornton Wilder – ein großartige amerikanische Dramatiker – stellt in seinem Werk Unsere Stadt dar, was passiert, wenn man einen ganz gewöhnlichen Tag nochmals durchlebt. Ich denke, dass hinter seiner Sichtweise viel Intelligenz steckt.
Woher kommen die Inspirationen zu Ihren Büchern?

Ich wünschte, ich könnte es Ihnen sagen. Sie fliegen mir einfach zu. Eine zufällige Unterhaltung, eine Beobachtung, eine belauschte Bemerkung – und plötzlich ist die Idee in meinem Kopf. Ich weiß, dass klingt fürchterlich naiv, und es lässt auch die vielen Stunden des Planens und Verfeinerns außer Acht, sobald ich die Idee habe. Aber es ist nun einmal so. (Siehe meine Antwort zur ersten Frage)
Neben der Arbeit als Schriftsteller – was wären alternative Berufe für Sie? Und warum?

Natürlich arbeite ich Vollzeit als Autor. Selbst jene Leute, die nebenher noch einen anderen Job haben, wie zum Beispiel Lehrer oder Kritiker, denken wirklich die ganze Zeit an Schreiben. Und welche Alternative hätte ich, wenn ich kein Autor wäre? Nun ja, mir hätte es gefallen ein professioneller Baseball-Spieler zu sein, auch wenn ich absolut schlecht in dieser Sportart war. Ich hätte auch beim Journalismus bleiben können, was ein wirklich ehrenhafter Weg ist, um mit dem Schreiben sein Geld zu verdienen. Ich wollte immer schon Angelführer oder Spion sein, oder vielleicht ein Spion, der als Angelführer Fische fängt.

Haben Sie einen Lieblingsautor? Wer ist es und weshalb?

Ich habe viele Lieblingsautoren. Zum Beispiel bewundere ich Dickens, Orwell und den großartigen sowietischen Schriftsteller Mikhail Bulgakov. Die Sachbücher meiner Freundin Tracy Kidder sind genauso herausragend wie die Werke von Jon Krakauer.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Robert Kotlowitz’s Erinnerungen an den zweiten Weltkrieg – Before Their Time. Ein sehr gutes Buch. Und einige Hemingway Kurzgeschichten, weil jeder ab und zu den heiligen Ernest mal wieder lesen sollte, um sich selbst daran zu erinnern, wie man Sprache und Darstellung richtig handhabt.

Welches Buch sollte jeder einmal gelesen haben?

Great Expectations von Charles Dickens. Bei Thrillern allerdings kann niemand Das Schweigen der Lämmer von Thomas Harris schlagen.

Welche Person – aus Roman, Film oder dem öffentlichen Leben – würden Sie gerne treffen? Und was würden Sie zu ihm/ihr sagen?

Es gibt so viele Menschen in der Öffentlichkeit, sodas Sie sich schon denken können, dass ich mcih nicht entscheiden kann. Und bei Filmen und Büchern will man am liebsten den Charakter treffen, mit dem man sich identifizieren konnte, also wechselt das auch jeden Tag. Deswegen kann ich die Frage nicht wirklich beantworten. Ich stolpere einfach so durch die Gegend und versuche Gefallen an den Menschen zu finden, die ich treffe oder an denen, die in meinem Kopf entstehen.

Bei welchem historischen Ereignis wären Sie gerne Zeuge gewesen?

Das ist leicht. Entweder bei dem Blutsonntag von Selma oder aber beim Fall der Berliner Mauer.

Wenn Sie die berühmten drei Wünsche frei hätten, wie sähen sie aus?

Ah … aber ich habe sie nicht. Und Wünsche und Gebete sind Dinge, die ich lieber anderen überlasse.

Was ist Ihre Lebensphilosophie?

Ganz leicht: Versuche hart zu arbeiten, versuche die beste Person zu sein, die man sein kann und vergiss niemals, dass andere nicht so glücklich sind und Unterstützung brauchen.

Haben Sie schon das nächste Projekt im Kopf?

Na klar! Aber um was es genau gehen wird, da halte ich mich noch zurück. Aber – als ein kleiner Hinweis – ich bin optimistisch, dass wir dieses Jahr meinen Roman Die Anstalt verfilmen werden. Es wird unglaublich spannend sein meine eigene Interpretation der Geschichte auf Leinwand zu sehen.

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