Verlagsgruppe Droemer Knaur



Andreas Föhr im Interview zu "Karwoche"

"Unterm Strich ist Romane schreiben befriedigender", findet der Bestseller-Autor. Warum, das lesen Sie hier!

Mit Der Prinzessinnenmörder nahm alles seinen Anfang. Karwoche ist der dritte Krimi der Reihe um das Tegernseer Ermittlerteam. Andreas Föhr berichtet über die Arbeit an dem Buch und wie man vor allem Szenen mit den Chaos-Kandidaten Kreuthner schreibt ...

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Bücher? Was gibt da den Ausschlag? Warum interessiert man sich für eine Figur, die am Borderline-Syndrom leidet?

Andreas Föhr: Ich lese viele Sachbücher über alle möglichen Themen, so auch etwa zum Thema Psychologie. Das hat mich vorliegend auf die Idee einer Figur mit Borderlinesyndrom gebracht. Das Krankheitsbild passt sehr gut zur Historie der Figur und des Falles und jemand, der darunter leidet, ist in der Regel psychisch sehr unausgeglichen und wechselhaft – von tiefst depressiv bis euphorisch, was natürlich eine sehr interessante Figur ergibt.

Was ist für Sie der Reiz am Herausarbeiten dieser Familiengeschichte? Natürlich möchte man als Leser immer am liebsten wissen, ob der Autor eigene Erfahrungen hat in Bezug auf das Borderline-Syndrom (aber das müssen Sie nicht beantworten), die im Roman dann auf diese Art verarbeitet werden.

Andreas Föhr: Gott sei Dank habe ich keine eigene Erfahrung mit dem Borderlinesyndrom (ebenso wenig übrigens wie mit der Ermordung von Menschen). Aber die Gruppendynamik in großen Familien hat mich immer interessiert – vielleicht, weil ich selbst keine richtige Familie hatte. Ich habe das Phänomen Familie immer bei anderen, auch mir nahestehenden Menschen beobachtet, und da hat man unter Umständen einen klareren Blick, als wenn man selbst drinsteckt. Diese Gemengelage aus gegenseitiger Konkurrenz und Neid auf der einen und einer die meisten Krisen überdauernder Liebe zueinander auf der anderen Seite hat mich immer fasziniert.

Polizeiobermeister Kreuthner hat in „Karwoche“ seinen Paradeauftritt – ist diese tollpatschige, bauernschlaue Figur Ihre Lieblingsfigur? Und woher kommt die Inspiration für diese witzigen Szenen? (Manchmal stell ich mir vor, Sie sitzen vielleicht einen Tag lang im Wirtshaus und hören einfach zu, was so gesprochen wird …)

Andreas Föhr: Die Inspiration für witzige Szenen mit Kreuthner kommt so zustande: Ich überlege mir eine Aufgabe für Kreuthner, die er sich typischerweise selbst geben würde (etwa ein Autorennen auf der Landstraße gegen einen Spezl gewinnen). Und zwar eine Aufgabe, bei der sich Kreuthner Ärger einhandelt. Dann überlege ich, was man normalerweise tun würde, um aus den Schwierigkeiten wieder herauszukommen, dann überlege ich, was jemand, der zehn Mal unverfrorener wäre als ich, tun würde, und schon hat man eine Kreuthner-Szene. Nachdem sich Kreuthner mit dieser eben ausgedachten Situation notwendiger Weise wieder in Schwierigkeiten bringt, aus denen er herauskommen muss, ergeben sich die nächsten Szenen quasi von selbst.

Wer ist Ihre Lieblingsfigur?

Andreas Föhr: Ich mag jede Figur auf ihre Art. Kreuthner bringt natürlich am meisten für die witzigen Szenen. Wallner hat dafür mehr Tiefe und auch mehr Facetten.

Wenn Ihre Bücher verfilmt würden, wen könnten Sie sich für die Rollen von Kommissar Wallner, Polizeiobermeister Kreuthner, Manfred und Vera vorstellen?

Andreas Föhr: Meine Produzentin Kirsten Hager und ich haben schon viele Namen ventiliert, aber noch keine wirklich zwingende Besetzung gefunden. Bis es tatsächlich verfilmt wird, sollte jeder Leser sein eigenes Bild von den Figuren behalten. Vorbild für Manfred war (das sage ich, weil er schon tot ist und weil Michael Schwarzmaier im Hörbuch seine Stimme quasi geliehen hat) der große Volksschauspieler Ludwig Schmid-Wildy.

Können Sie uns einen kleinen Ausblick geben: Womit müssen sich Wallner und Polizeiobermeister Kreuthner in ihrem nächsten Fall beschäftigen? Wallner und Vera bekommen ja ein Kind – wie wird es mit den beiden weitergehen? Und kann man damit rechnen, dass auch Polizeiobermeister Kreuthner einmal einen Versuch unternimmt, die Dame seines Herzens zu erobern (was natürlich scheitern wird ;-…)?

Andreas Föhr: Im nächsten Buch Schwarze piste geht es um eine mysteriöse vorweihnachtliche Mordserie. Auch hier mit einer Vorgeschichte, bei der – so viel sei gesagt – ein ehemaliger V-Mann des Verfassungsschutzes eine Rolle spielen wird. Wallner und Vera werden die ganz normalen Sorgen junger Eltern beschäftigen und in Wallners Fall natürlich genau dann, wenn es bei seinen Ermittlungen am unpassendsten ist. In der Tat gibt es auch für Kreuthner ein Love-Interest, wobei – wie könnte es anders sein – schon die erste Begegnung zur Katastrophe führt, was aber Kreuthner nicht davon abhalten wird, seiner Erwählten weiterhin den Hof zu machen. Wohin Kreuthners Versuche, die Dame zu beeindrucken, führen werden, kann man sich denken.

Sind Sie inzwischen in der Gegend um den Tegernsee und den Schliersee bekannt wie ein bunter Hund?

Andreas Föhr: Das vielleicht nicht. Aber wenn man die Verkaufszahlen im Landkreis Miesbach auf den Rest der Republik hochrechnen würde, wären meine Bücher recht weit oben auf den Bestsellerlisten.

Wie sieht Ihr Schreiballtag aus? Haben Sie eine fixe Tageseinteilung und kann man quasi auf Befehl kreativ sein?

Andreas Föhr: Eine fixe Einteilung habe ich nicht. Da ich auf dem Land lebe, ist die Arbeitseinteilung stark wetterabhängig. Wenn es trocken und sonnig ist, muss ich Rasenmähen, wenn ein Unwetter im Anzug ist, die Dachrinne von Blättern befreien, und wenn der Winter kommt, die Winterfenster einsetzen. Ansonsten ist das Pensum abhängig von der Tagesform. Es gibt Tage, da läuft es, und Tage, da läuft es weniger. Schreibblockaden gibt es bei mir allerdings nicht. Wenn der Abgabetermin näher rückt, dann wird man zwangsläufig kreativ. Das geht dann schon.

Sie schreiben ja viele Drehbücher fürs Fernsehen: Was macht mehr Spaß? Worin liegt der Unterschied?

Andreas Föhr: Ich sage mal so: Romane schreiben macht immer Spaß. Das ist ja 100 % man selbst als Autor ohne Vorgaben vom Sender. Drehbücher schreiben macht Spaß, wenn man viel Freiheit hat und sich nicht mit Vorgaben herumschlagen muss, die man als störend empfindet. Und manchmal ist Drehbuchschreiben halt auch Broterwerb. Wobei man sagen muss: Auch wenn mal nicht das Herzblut im Drehbuch steckt, hat man als Drehbuchautor immer noch mehr Freiheiten (etwa in der Zeiteinteilung), als in den meisten anderen Berufen. Insofern will ich also nicht meckern. Aber unterm Strich ist Romane schreiben befriedigender – auch weil einem keiner mehr an einem guten Buch etwas kaputt machen kann. Ein Drehbuch hingegen muss immer noch durch Regie und Schauspieler zu einem guten Film gemacht werden, was nicht immer gelingt.

Wer ist Ihr größter Kritiker? Wer Ihr größter Fan?

Andreas Föhr: Meine größten Kritiker finden Sie bei den Amazon-Rezensionen. Die Ein-Sterne-Schmähkritiken berühren mich inzwischen nicht mehr, weil ich mir sage, da hat einer ein Problem mit seinem Ego oder ihm gefällt mein Buch einfach nicht. Muss ja nicht jeder gut finden. Was ich aber ernst nehme, sind Kritikpunkte, die öfter auftauchen. Man darf den Lesern nicht nach dem Mund schreiben, aber manchmal sagt man sich: Da ist was dran, das muss ich beim nächsten Buch besser machen. Man muss aber auch aufpassen: Wenn man allen Kritikpunkten Rechnung trägt, hat man nicht ein gutes Buch geschrieben, sondern wahrscheinlich ein stromlinienförmiges und damit langweiliges. Mein größter Fan? Weiß ich natürlich nicht. Aber meine Frau findet meine Bücher toll und das meint sie auch so. Denn sie ist Schütze und kann nicht lügen. Das ist mir eigentlich das Wichtigste.

Ihr schönstes Erlebnis auf einer Lesung?

Andreas Föhr: Ich lese immer aus einem ausgedruckten Manuskript, weil ich den Text an manchen Stellen kürze. Bei meiner ersten Lesung – vor über hundert Leuten – blättere ich an einer besonders spannenden Stelle um und stelle fest, dass die nächste Seite nicht da ist. Und ich konnte sie in der Hektik auch nicht mehr finden. Es blieb mir nichts anderes übrig, als das dem Publikum mitzuteilen. Es wurde ein großer Lacher und das Eis war für den Abend gebrochen. Die Seite habe ich erst nach der Lesung wieder gefunden. Sie haftete an der darüber liegenden.

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