Verlagsgruppe Droemer Knaur



Der beste Tag meines Lebens

Interview mit Ashley Miller und Zack Stentz – den Autoren von Der beste Tag meines Lebens

Ashley Miller Zack Stentz

Sie haben gemeinsam schon viele sehr erfolgreiche Drehbücher geschrieben. Was hat Sie dazu inspiriert, mit Der beste Tag meines Lebens nun erstmals einen Roman zu schreiben?

Zack Stentz: Ash und ich hatten beide schon vorher ein wenig mit dem Romanschreiben experimentiert und suchten nach einer neuen Herausforderung. Ursprünglich hatten wir Der beste Tag meines Lebens als Drehbuch für den Pilotfilm einer TV-Serie geschrieben, dachten dann aber, dass sich die besondere Perspektive und Wahrnehmungsweise des Protagonisten Colin auch sehr gut für einen Roman eignen würden. Letztendlich haben wir den Roman über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren geschrieben – große Teile davon übrigens während des Streiks der WGA (Writers Guild of America), als wir weder an Fernsehsendungen noch Kinofilmen arbeiten konnten. Der beste Tag meines Lebens war wie ein Ventil, das wir für all unsere kreative Energie dringend benötigten.

Ash Miller: Als ich ein kleines Kind war, wollte ich Romanautor werden … aber mit der Zeit wurde mir klar, dass ich dazu nicht genug Disziplin besaß. Dann wollte ich Kurzgeschichten verfassen … doch der Markt für Kurzgeschichten war in der Mitte des 19. Jahrhundert ja vollständig eingestürzt. Schließlich entschied ich mich dazu, das Drehbuch-Schreiben zu versuchen, weil ich glaubte, dass die rigide Drehbuch-Struktur meinen Mangel an Disziplin aufheben würde … und ich hatte recht! Eigentlich ist daher die Tatsache, dass ich einen Roman geschrieben und beendet habe, ein Beweis dafür, dass meine Fähigkeiten endlich meinen Ambitionen entsprechen.

Was hat Sie zu der Geschichte des vierzehnjährigen Jungen inspiriert?

Zack Stentz: Da Ash und ich selbst einmal 14-jährige Jungen waren und ich Vater von drei Kindern im Alter zwischen 5 und 13 bin, kann ich mich – denke ich jedenfalls – sehr gut in das Seelenleben eines jungen Teenagers hineinversetzen. In diesem Alter empfindet man alles so intensiv und ist so vielen verschiedenen Gefühlen gleichzeitig ausgesetzt, dass man als Autor der Versuchung, darüber zu schreiben, eigentlich kaum widerstehen kann.

Ash Miller: Ich habe früher Englisch und kreatives Schreiben in den Klassenstufen 6-8 unterrichtet. Da habe ich Kinder kennen gelernt, die – auf ihre eigene Weise – wie Colin und Wayne waren. Dieses Auf und Ab im Umgang miteinander – von Freundlichkeit bis zur Grausamkeit –, das sie gemeinsam durchlebt haben, ist mir, auch nachdem ich mit dem Unterrichten aufgehört habe, immer in Erinnerung geblieben. So wie ich das sehe, ist genau das auch das emotionale Herzstück der Geschichte. Die Handlung selbst ist genaugenommen nur ein praktisches Mittel zum Zweck, um darüber zu schreiben.

Gab es einen bestimmten Grund dafür, dass Sie das Asperger-Syndrom als Thema gewählt haben? Was hat Sie dazu inspiriert, dieses Thema zu behandeln?

Zack Stentz: Ich scheue davor zurück, das Asperger-Syndrom als „Thema“ des Romans zu bezeichnen, denn auch wenn es natürlich ein Teil dessen ist, was die Hauptfigur ausmacht, kann Colin nicht einfach auf einen Jungen mit Asperger-Syndrom reduziert werden. Davon einmal abgesehen, stellten die Tatsache, dass ich selbst nicht ganz „neurotypisch“ bin – also nicht ganz „normal“ in Bezug auf sprachliche Fähigkeiten und Sozialkompetenzen – und dass ich enge Familienmitglieder mit autistischen Störungen habe natürlich einen großen Anreiz dar, eine Geschichte aus der Perspektive einer Figur mit einzigartigen psychologischen Stärken und Schwächen zu erzählen.

Ash Miller: Wir haben ernsthaft in Erwägung gezogen, das Wort Asperger im ganzen Buch kein einziges Mal zu verwenden – genau aus demselben Grund, weshalb David Chase kein einziges Mal das Wort Mafia in DIE SOPRANOS erwähnt hat. Es ist nicht das Thema des Romans, es ist der Kontext. Man sollte die beiden nicht verwechseln. In dem Moment, in dem man eine Verwechslung zulässt, reduziert man die Charaktere – man macht sie zu Platzhaltern für die Handlung und für Motive. Colin ist einfach ein Junge mit einer ganz besonderen Art der Wahrnehmung, ganz besonderen Stärken und einer ganz besonderen Reihe an Herausforderungen. Man könnte dasselbe über Wayne sagen – nur hat er eben seine eigene Wahrnehmungsweise, seine eigenen persönlichen Stärken und steht vor seinen eigenen persönlichen Herausforderungen. Würde man deshalb sagen, dass das Thema von Waynes Geschichte „zerrüttete Familien“ ist? Natürlich nicht. Das Buch handelt von zwei Jungen, die merken, wie sehr sie einander brauchen und dass sie nicht allein in dieser Welt sind. Das ist das Thema.

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