Verlagsgruppe Droemer Knaur



Auf dem roten Teppich: Carmen Lobato

Ideen? Sie warten immer wieder vor der Haustür - wenn man sie behutsam öffnet!

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Beschreiben Sie sich mit drei Worten!

Carmen Lobato: Gierig, grantig, glücklich.

Was macht Ihnen schlechte Laune, was macht Ihnen Freude?

Carmen Lobato: Schlechte Laune macht mir meine Steuererklärung. Freude machen mir zu viele Dinge, um sie aufzulisten – aber in diesem Augenblick gerade die Tatsache, dass ich meine Steuererklärung abgeschickt habe und ein Jahr lang so tun darf, als wäre das Wort STEUERERKLÄRUNG kein existenter Begriff der Sprache Deutsch.

Sie können Frühstück, Mittag- und Abendessen an drei unterschiedlichen Orten auf der Welt einnehmen – wohin führt Sie diese Reise?

Carmen Lobato: Tolles Angebot! Ich fliege morgens nach Veracruz, bin mittags in Torino und abends in Portsmouth am Solent. Umgekehrt soll es mir aber auch recht sein!

Kaffee oder Tee?

Carmen Lobato: Beides. Kaffee nur schwarz und zuckerfrei wie meine Seele, Tee nur aus Früchten oder Kräutern.

Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus?

Carmen Lobato: An einem perfekten Tag steige ich morgens samt Familie in einen Zug (notfalls auch in ein Flugzeug – ein Schiff wäre noch schöner, aber mein Mann wird seekrank) und komme mehrere mit Gurkensandwichs, Rioja und unermüdlichem Schwatzen verbrachte Stunden später an einem Wunder versprechenden Ort an, der sich von mir und meinem Notizbuch erobern lässt.

Woher kommen die Inspirationen zu Ihren Büchern?

Carmen Lobato: Um ehrlich zu sein – das weiß ich nicht. Ich habe eine Freundin, bei der sitzen ständig streunende Katzen vor dem Haus. Bei mir sitzt manchmal, wenn ich nicht allzu polternd die Tür aufreiße, eine Geschichte.

Neben der Arbeit als Schriftsteller – was wären alternative Berufe für Sie? Und warum?

Carmen Lobato: Ich wäre gern Archäologe geworden, weil ich so gern nach Geschichten von Menschen buddele. Da ich an Klaustrophobie leide, beschränke ich mich schweren Herzens darauf, das an der Tastatur zu tun.

Haben Sie einen Lieblingsautor? Wer ist es und weshalb?

Carmen Lobato: Als Romanautor John Steinbeck. Seit dreißig Jahren. Weil kein anderer mir mit so viel Kraft, Überzeugung und Zauber davon erzählt hat, wie schwierig und wie schön es ist, zu leben. (Ernest Hemingway, Tschingis Aitmatow und Carlos Fuentes teilen sich den zweiten Platz. Aus demselben Grund.)

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Carmen Lobato: Stewart O’Nan: „Emily Alone“ – großartig! Hart ist nur, dass wir jetzt wieder ewig auf einen neuen Roman von ihm warten müssen.

Welches Buch sollte jeder einmal gelesen haben?

Carmen Lobato: Solche Fragen kann ich nicht beantworten – ich denke von der Bibel bis zum Arztroman hat jeder ein anderes Buch, ohne das er nicht sein möchte – da brauche ich ihm keines aufzudrängen.

Welche Person – aus Roman, Film oder dem öffentlichen Leben – würden Sie gerne treffen? Und was würden Sie zu ihm/ihr sagen?

Carmen Lobato: Tom aus „Grapes of Wrath“. Ich würde „danke“ zu ihm sagen und: „Sie wissen nicht einmal, wie lange wir beide schon Freunde sind.“

Bei welchem historischen Ereignis wären Sie gerne Zeuge gewesen?

Carmen Lobato: Ich weiß nicht. Vielleicht, wenn ich die Kraft dazu hätte, bei der Befreiung von Auschwitz.

Wenn Sie die berühmten drei Wünsche frei hätten, wie sähen sie aus?

Carmen Lobato: Langweilig, fürcht‘ ich, so wie bei den meisten Menschen: Wenn sowohl die, die ich liebe, als auch ich gesund sind und mindestens neunzig Jahre alt werden, wünsche ich mir noch so viel Geld, dass ich an Geld nie wieder denken muss (und jemanden bezahlen kann, der meine Steuererklärung für mich macht), und bin wunschlos glücklich. (Hinterher würde mir vermutlich mit beißendem Gewissen einfallen, dass ich mir auch für andere noch etwas hätte wünschen sollen – aber dann ist es zu spät, stimmt’s?)

Was ist Ihre Lebensphilosophie?

Carmen Lobato: Ich fürchte, ich bin immer so sehr mit Leben beschäftigt, dass ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht habe. Es sei denn, „Verschwende keine Lebenszeit mit deiner Steuererklärung“ zählt …

Haben Sie schon das nächste Projekt im Kopf?

Carmen Lobato: Nicht nur im Kopf – vor allem in den Fingern. Der Abgabetermin schwingt über mir wie Poe’s Pendel …

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