Verlagsgruppe Droemer Knaur



Heidi Rehn: Geschichte mit allen Sinnen (er-)leben

Einleitung

Heidi Rehn im Porträt

Mit ihren historischen Romanen hat sich Heidi Rehn in den letzten Jahren eine große Fangemeinde erobert. Und das zu Recht: Mit viel Rechercheaufwand und Leidenschaft widmet sich die Autorin ihren historischen Stoffen und versteht es, ebenso lebendig wie historisch detailliert zu schreiben. Wir stellen Ihnen die Autorin und ihre Romane vor!

Schon als Kind hat sich die 1966 in Koblenz geborene Heidi Rehn für vergangene Zeiten begeistert. In der Kleinstadt am Mittelrhein, in der sie aufgewachsen ist, wimmelt es von antiken, römischen Spuren und auch die vielen mittelalterlichen Burgen in der unmittelbaren Umgebung haben sie stark beeindruckt. "In nahezu jedem Ort im Mittelrheintal steht mindestens eine Burg oder Burgruine, über die wundersame Geschichten überliefert sind," erzählt Rehn in unserem Interview. Bereits als Kind wollte sie da wissen, wie es einst gewesen ist und erfand selbst Abenteuer, die in fernen Zeiten angesiedelt waren. "Ich bin schon sehr früh mit der Begeisterung infiziert worden, die Vergangenheit genauer unter die Lupe nehmen zu wollen und dabei die ein oder andere noch nicht erzählte Geschichte zutage zu fördern."

Diese Vorliebe und Begeisterung für vergangene Zeiten hat sich Heidi Rehn, die heute mit Mann und zwei Kindern in München lebt, bis heute bewahrt: Wohin sie auch kommt, immer muss sie wissen, wie es in zurückliegenden Epochen, in dem Ort, der Stadt, der Gegend zugegangen ist. Davon in Romanen zu erzählen, ist ihr ein wichtiges Anliegen und großes Vergnügen. Dabei hat Heidi Rehn lange gar nicht daran gedacht, selbst einen Roman zu schreiben. Da sie schon immer gerne geschrieben und Geschichten erzählt hat, wusste sie zwar früh, dass sie daraus ihren Beruf machen wollte; doch viele Jahre hat sie ihr Talent auf das journalistische Schreiben beschränkt. Nach ihrem Studium der Germanistik und Geschichte (Schwerpunkt Mittelalter) in München, arbeitete sie zunächst als Dozentin an der Ludwig-Maximilians-Universität und anschließend als PR-Beraterin in einer Agentur. Doch als eine befreundete Autorin ihr Mut machte, es doch einmal selbst mit einem Roman zu versuchen, war die Vielleserin schnell von der Idee begeistert. Zunächst schrieb sie einen Frauenroman und einen Krimi, für die sie auf Anhieb einen Verlag fand.

Mit ihrem ersten historischen Roman Die Wundärztin hat sich Heidi Rehn dann ihren Herzenswunsch erfüllt: "Die Beschäftigung mit Geschichte ist neben dem Schreiben schon seit meiner Kindheit ein wichtiges Thema für mich. Beide Leidenschaften miteinander verbinden zu können, empfinde ich deshalb als die Erfüllung eines großen Traumes." Inzwischen ist Heidi Rehn regelrecht süchtig danach, sich Figuren und deren Schicksale auszudenken, sich auszumalen, wie das Leben in einer bestimmten Epoche oder unter bestimmten Umständen einmal gewesen sein könnte. Ihre besondere Sympathie gilt dabei stets den einfachen Leuten, über die heute wenig in den Geschichtsbüchern zu lesen ist. Über deren Alltag mit all seinen Herausforderungen zu schreiben, ist ihr ein besonderes Anliegen. "Das umfasst vor allem die sozialen, wirtschaftlichen, aber auch die gesellschaftlichen Gegebenheiten im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit," erklärt sie. "Das Verhältnis der Geschlechter zueinander im allgemeinen und die Stellung der Frauen im besonderen ist mir ebenfalls sehr wichtig. Davon möchte ich in meinen Romanen einen möglichst genauen und fundierten Einblick geben."

In ihrem ersten historischen Roman Die Wundärztin – der erste Teil einer Trilogie - erzählt Rehn die faszinierende Geschichte der jungen Magdalena, die im Tross des kaiserlichen Heeres zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges gelebt hat. Inspiriert wurde Rehn durch die Lektüre des Tagebuches von Peter Hagendorf, das einzige authentische Zeugnis eines einfachen Söldners aus dem Kaiserlichen Heer. Als sie vom Leben der niederen Ränge in Heer und Tross las, war sie zutiefst berührt und beschloss, dem in einer Geschichte nachzugehen. Nach ausgiebiger Recherchearbeit und Erkundung der Schauplätze entstand ihr Roman über das Leben und Wirken der Wundärztin. Die Geschichte der Magdalena und ihrer Tochter Carlotta findet in den Bänden Hexengold und Bernsteinerbe ihre Fortsetzung und Abschluss.

Während der Arbeit an der Wundärztin-Trilogie entstand der Wunsch tiefer in die Geschichte Preußens einzutauchen, erzählt die Autorin: "Für die Recherchen zu Hexengold und Bernsteinerbe bin ich außer nach Thorn auch die Weichsel hinunter in das heute polnische Westpreußen sowie ein Jahr darauf in den heutigen russischen Teil Ostpreußens rund um Tilsit, Wehlau, Kaliningrad und zur samländischen Küste gereist ... Bei meinen Reisen nach dort oben ist mir geradezu das Herz übergelaufen vor Begeisterung. Wieder einmal hat sich bestätigt, was mir immer sehr wichtig ist: Die Gegenden, in denen meine Romane spielen, muss ich mit allen Sinnen vor Ort erlebt haben. Das stellt eine ganz besondere Beziehung her und liefert von allein ganz viele Ideen für die Romane und ihre Figuren."

Aus dieser Begeisterung und Faszination heraus entstand die Idee zu ihrem Roman Gold und Stein, der in Königsberg und im ehemaligen Ordensland spielt. Dabei geht es vor allem um das Schicksal einer Familie, die im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts wie viele andere Kaufleute von Westfalen ins Ordensland umsiedelt. Den historischen Schwerpunkt bildet der 13-jährige Krieg der Städte gegen die Kreuzherren in der Zeit 1453-1466 – denn, so bekennt die Autorin, "Revoluzzer sprechen meine Phantasie eben ganz besonders an." Mit Gold und Stein beweist Heidi Rehn einmal mehr, dass sie es versteht, ebenso lebendig wie historisch detailliert zu schreiben. Wieder gelingt es der Autorin, auf geschickte Weise wunderbares Lesefutter mit Wissensvermittlung zu verbinden. Wenn man aus Rehns Romanen auftaucht, möchte man mehr: mehr lesen über das Schicksal der Romanfiguren, aber auch mehr wissen über die Zeit, in der die Romane spielen. Inzwischen arbeitet Rehn bereits an der Fortsetzung ihrer „Königsbergsaga“ Gold und Stein, die knapp einhundert Jahre später angesiedelt ist. Wir wünschen dabei viel Erfolg und freuen uns, bald mehr über die Nachfahren von Agnes zu lesen!

Alexandra Plath für www.historische-romane.de

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