Verlagsgruppe Droemer Knaur



Iny Lorentz im Interview über die Verfilmung von "Die Wanderhure"

Iny Lorentz

Die Wanderhure ist die erste Verfilmung eines Buches von Ihnen – was für ein Gefühl war es, als Sie diese Nachricht bekamen?

Iny und Elmar Lorentz: Das ist sehr schwierig zu sagen. Immerhin haben wir etliche Monate lang in einem Schwebezustand gelebt, in dem es ungewiss war, ob eine Verfilmung erfolgen würde oder nicht. Diese Zweifel ließen sich nicht mit einem Satz ausräumen. Es dauerte doch eine gewisse Zeit, bis wir anhand untrüglicher Zeichen begriffen, dass wir die Abenteuer unserer Marie auf dem Bildschirm miterleben würden. Daher war auch der Besuch bei den Dreharbeiten für uns sehr wichtig, um zu begreifen, dass für uns ein Traum in Erfüllung gegangen war.

Wie war denn der erste Besuch am Set?

Iny und Elmar Lorentz: Wir würden lügen, wenn wir sagen, er hätte uns kalt gelassen. Es war wirklich ein seltsames Gefühl, aus dem Auto zu steigen und im selben Augenblick die zornigen Rufe der protestierenden Huren zu hören. Als kurz darauf Alexandra Neldels Stimme aufklang und wir ihren Appell an die Bürger von Konstanz vernahmen, lief uns eine Gänsehaut über den Rücken. Der Besuch selbst war sehr angenehm. Zwar konnten wir während der Dreharbeiten selbst nur mit wenigen Schauspielern sprechen, dafür aber boten die Produzenten Andreas Bareiss und Sven Burgemeister uns am Abend die Gelegenheit, mit Alexandra Neldel, Nadja Becker, Elena Uhlig, Bert Tischendorf, Julian Weigand, Götz Otto, Thure Riefenstein, Blerim Destani, Michael Brandner, Gregor Seberg, Thomas Morris, Klaus Ofczarek, Andreas Guenther und Daniel Roesner zu sprechen. Hoffentlich haben wir jetzt niemand vergessen! Auf jeden Fall war es ein unvergesslicher Abend, wie uns auch der ganze Set-Besuch in Erinnerung bleiben wird.

Erzählen Sie uns ein wenig von der Drehzeit – waren Sie gedanklich und praktisch immer dabei und haben alle Entwicklungsschritte gesehen, oder ist der fertige Film jetzt auch für Sie eine Überraschung?

Iny und Elmar Lorentz: Wir haben die Informationen, die uns über den Dreh erreichten, natürlich mit großem Interesse verfolgt. Unsere Gedanken haben sie jedoch nicht beherrscht. Diese galten mehr den Romanen, an denen wir in dieser Zeit gearbeitet haben. Daher ist der fertige Film auch für uns eine Überraschung, aber eine sehr positive. Das zeichnete sich bereits beim Rohschnitt ab, den wir im Frühjahr sehen konnten. Mittlerweile wurde der Film noch ein wenig anders geschnitten und eine eigene Musik komponiert. Dadurch hat „Die Wunderhure“ noch mehr gewonnen. Als wir Ende Mai den fertigen Film sehen durften, war unsere Begeisterung einhellig. Alle, die daran beteiligt waren, haben einen ausgezeichneten Job gemacht.

Haben Sie heute noch Kontakt zu den Schauspielern?

Iny und Elmar Lorentz: Wir haben am 13.08.2010 Alexandra Neldel und Götz Otto in Hamburg getroffen und mit ihnen gesprochen. Direkten Kontakt gibt es jedoch nicht, da „Die Wanderhure“ für die Schauspieler erst einmal abgedreht ist und sie mit neuen Projekten beschäftigt sind und wir weitere Romane schreiben.

Durften Sie bei der Besetzung, bei der Auswahl des Drehortes mitbestimmen oder haben Sie beraten?

Iny und Elmar Lorentz: Wir wurden zwar über unsere Agentur informiert, welche Schauspielerinnen und Schauspieler die einzelnen Rollen übernehmen und wo gedreht werden sollte, aber mit der Besetzung und der Auswahl der Drehorte hatten wir zum Glück nichts zu tun. Das haben Spezialisten gemacht, die wissen, wie man einen guten Film dreht. Wir hätten ihnen dabei nicht helfen können.

Beim Lesen und beim Schreiben eines Buches entwickelt man ja seinen eigenen Film im Kopf. Wie sehr haben sich die Bilder der Verfilmung mit Ihren Bildern im Kopf gedeckt bzw. wie nah ist das Drehbuch am Roman geblieben?

Iny und Elmar Lorentz: Natürlich muss ein Film anders aufgebaut werden als ein Roman. Im Film hat man nicht die Möglichkeit, eine längere Entwicklung zu beschreiben. Er muss straff wie ein Bogen gespannt sein, um die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Bei einem Roman kann man auch mehr Handlungsstränge einbauen, die einen Film umständlich machen würden. Da würden die Zuschauer schon bald nicht mehr wissen, um was es eigentlich geht. 

Mit welchem Gefühl erwarten Sie jetzt die Ausstrahlung – Freude, Nervosität, Aufregung?

Iny und Elmar Lorentz:
Mit Dankbarkeit, dass wir diesen Augenblick erleben dürfen, mit großer Freude, weil der Film so gut geworden ist, und mit der Hoffnung, dass er die Zuseher in seinen Bann schlagen wird.

Fällt es Ihnen leicht, Ihre „Kinder“ laufen zu lassen – bzw. um im Bild zu bleiben, ist der Film für Sie eine Art „Enkelkind“?

Iny und Elmar Lorentz: Wir haben rasch gelernt, unsere „Kinder“ laufen zu lassen, verfolgen aber recht genau ihren weiteren Werdegang. Das werden wir auch mit dem Film tun. In gewisser Weise ist es nichts Neues für uns. Immerhin mussten unsere Romane auch für die Hörbücher gekürzt werden, um auf eine verkaufbare Länge zu kommen.

Wie sehr ist denn die Verfilmung auch wieder eine Anregung fürs Schreiben von Ihnen? Weckt er die Lust, die Wanderhuren-Reihe fortzusetzen, oder beschäftigen Ihre anderen Stoffe, wie die Reihe um das Schicksal der jungen Lore von Trettin, Sie mehr?

Iny und Elmar Lorentz: Wir sind sehr gespannt, wie der Film beim Publikum ankommt. Uns gefällt er riesig und wir haben ihn schon mehrere Male gesehen. Doch nun müssen die Zuschauerzahlen entscheiden, ob es bei einem Solitär bleibt, oder ob noch etwas kommen kann. Natürlich würden wir uns freuen, wenn ein weiterer Roman verfilmt würde. Da wir das jedoch nicht beeinflussen können, konzentrieren wir uns auf unsere neuen Romane. Was weitere Wanderhurenromane betrifft, so gibt es hier einen guten Titel bei den James-Bond-Filmen: Sag niemals nie!


Liebe Iny und Elmar Lorentz, wir bedanken uns ganz herzlich für die Beantwortung der Fragen und freuen uns mit Ihnen auf den Film!

 

 

 

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