Verlagsgruppe Droemer Knaur

So liest man heute.

Starke Frauenfiguren für leidenschaftliche Leserinnen

Einleitung

Zwei Freundinnen halten zusammen

„So ist sie, unsere Maite von Askaiz. Daran wirst du dich gewöhnen müssen!“
„Ach, das hat er schon längst“, rief Maite übermütig.
Konrad schwankte, ob er sie dafür am Abend übers Knie legen oder doch besser küssen sollte. Aber er wurde nicht zum ersten Mal von ihr überrumpelt, denn sie stieg ab und küsste ihn vor allen.“

Es sind zwei ungleiche Frauen, die beiden Hauptfiguren in Iny Lorentz’ Roman Die Rose von Asturien. Zwei Frauen, die durch die Umstände ihrer Geburt und ihres Lebens aufeinander treffen und in schweren Zeiten ihr Schicksal miteinander teilen. Der Roman spielt diesmal im frühen Mittelalter, zu einer Zeit, von der noch Jahrhunderte später im legendären Rolandslied berichtet wird und die in die Annalen der Geschichtsschreibung eingegangen ist.

Iny Lorentz ganz besondere Spezialität sind Frauen, die eigenwillig sind. Frauen, die sich nicht von Männern beherrschen lassen, die mit Lust und List ihren Weg gehen und die ebenso begehrenswert wie stark sind. Keine Weibchen, sondern Weiber mit Hirn und Hintern. Zuletzt war es Trudi, die Tochter der Wanderhure, die diesen Charakter als Erbe ihrer Mutter übernommen hatte. Aber auch die vielen anderen Frauen wie Tilla aus Die Pilgerin und Caterina aus Die Löwin laden ein in das sinnenstarke Mittelalter der Lorentzschen Frauen. Gefahrlos war es nie, das Leben. Die Zeiten waren rau, die Sitten nicht immer die besten und nicht jeder Edelmann so edel wie sein Name verhieß, aber dem Schicksal trotzen die Heldinnen von Iny Lorentz dennoch in jedem Buch ihr Recht auf Liebe und Abenteuer ab.

Diesmal sind es die Waskonin Maite und die gleichaltrige Adelige Ermengilda, die so genannte Rose von Asturien, die in einer Männerwelt des Kampfes und der Intrigen überleben müssen. Die Vorzeichen dieser Freundschaft standen schlecht, denn Graf Roderich, Ermengildas Vater, erschlug einst Maites Vater und nahm die kleine Maite als Sklavin für seine Tochter gefangen. Das Mädchen konnte zurück zu ihrem Stamm fliehen, doch die Wege des Schicksals führten die Frauen erneut zusammen. Nach einer anfänglichen Feindschaft suchen sie in diesem Roman gemeinsam ihr persönliches Stückchen Glück, von dem auch Frauen vor hunderten von Jahren geträumt haben. Die Rose Ermengilda, blond, groß und wunderschön, Objekt der Begierde sämtlicher Männer, die ihren Weg kreuzen. Und mit ihr die kratzbürstige Maite, Tochter eines Stammesfürsten aus dem spanischen Bergland.

Gestatten: Maite – ungezähmte Wildkatze in einer Männerwelt

Der Roman heißt zwar Die Rose von Asturien, und doch ist Maite die eigentliche Heldin in diesem Buch. Und was für eine Heldin! Maite, die neben der blonden Schönheit Ermengilda sicherlich nicht als Erste die Blicke der Männer auf sich zieht, und doch von ganz besonderer Ausstrahlung ist. Ein mittelgroßes Mädchen, leicht untersetzt, aber schlank dabei, mit Sommersprossen und braunen Locken, und vor allem „... mit genau den richtigen Rundungen am Körper, die ihre Phantasie beflügelten“. Diese junge Frau lässt sich von nichts und niemandem einschüchtern, denn als Tochter eines Stammesfürsten hat sie gelernt sich zu behaupten. Sie geht mit Waffen ebenso zielsicher um wie mit Worten und trinkfest ist sie noch dazu:

„Der Gascogner Tarter blieb vor Maite stehen und stieß mit ihr an. „Auf dein Wohl! Möge der Tag kommen, an dem du meinen wahren Wert erkennen wirst.“
Dann solltest du auch wahre Taten vollbringen und nicht nur davon reden!“ Maite hob lachend ihren Becher und trank ihn in einem Zug leer.
„Es ist heiß heute“, sagte sie entschuldigend.

An sich eine Frau zum Pferde stehlen - robust, liebenswert und höchst lebenslustig. Und doch bleibt Maite kaum ein Schmerz in ihrem Leben erspart: der Mord an ihrem Vater, davor bereits der Verlust der Mutter, sie wird durch ihre Verwandten verraten und von Männern geschändet. Dennoch gibt sie niemals klein bei. Selbst im Augenblick der größten Verletzung ist es im Nachhinein der Mann, der sich unterlegen fühlt:

„Obwohl es ihm gelungen war, die waskonische Furie unter sich zu zwingen, fühlte er den bitteren Geschmack einer Niederlage in sich aufsteigen.“

Dieser tiefe und nicht zu erniedrigende Stolz einer Frau, das ist Maite, wie sie leibt und lebt – und das sind die Frauen von Iny Lorentz!

 

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