Verlagsgruppe Droemer Knaur



Der Jakobsweg und Santiago de Compostela

Einleitung

Campus Stellae und der Heilige Jakobus

Santiago de Compostela, der Ort, in den die Heldin aus Iny Lorentz’ Roman „Die Pilgerin“ flieht, ist Endpunkt des Jakobswegs, des vielleicht berühmtesten Pilgerwegs der Christenheit.

Heute Hauptstadt der spanischen Provinz Galicien, liegt Santiago de Compostela im äußersten Nordwesten der iberischen Halbinsel. 1985 wurde die Altstadt von Santiago de Compostela in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen, 1993 folgte auch der spanische Teil des Pilgerwegs. Die Römer hatten diese entlegene Gegend einst „Finis terrae“ (Ende der Welt) getauft.

Hier befindet sich der Überlieferung nach das Grab des Heiligen Jakobus (spanisch Santiago). Er ist einer der zwölf Apostel Jesu. Der König von Judäa, Herodes Agrippa I., soll im Jahre 44 die Ermordung des Jakobus’ befohlen haben. Jakobus, Bruder des Apostels Johannes, war zuvor von erfolglosen Missionsversuchen in Spanien wieder in seine Heimat zurückgekehrt.

Einer Legende zufolge trugen die Jünger Jakobus’ die sterblichen Überreste zum Meer, wo ein unbemanntes Segelschiff die Gebeine aufnahm und diese unter dem Geleit eines Engels nach Galicien brachte. Dort wurden die sterblichen Überreste beigesetzt.

Ein Einsiedler soll zu Beginn des 9. Jahrhunderts einer weiteren Legende nach – durch einen Stern geleitet – das Grab von Jakobus entdeckt haben. Der Ort wurde Campus stellae (Feld des Sterns) genannt. Daraus leitet sich schließlich Compostela ab.

Seit den 30er Jahren des 9. Jahrhunderts machen sich Pilger aus ganz Europa auf zum Grab des Jakobus’. 1075 begann man mit der Errichtung der berühmten romanischen Kathedrale, die 1211 geweiht wurde. Schon zuvor hatte es Kirchenbauten an der Stelle gegeben. Der letzte war 997 zerstört worden. Die „neue“ Kathedrale wurde in ihrer Größe immer wieder dem wachsenden Strom der Pilger angepasst. Vom ursprünglichen Kirchenbau ist nur noch das romanische Südportal erhalten.

Seit Jahrhunderten pilgern die Gläubigen nun nach Santiago de Compostela. In den letzten Jahren verzeichnen die Chroniken wieder eine Zunahme der Pilgerbewegung. Aus den großen Ländern Mitteleuropas führen Wege unter dem Zeichen der Jakobsmuschel nach Galicien. Früher erhielten die Pilger die Jakobsmuschel als Beweis dafür, dass sie den Weg absolviert hatten. Und wer den Weg nach Santiago de Compostela nicht selbst geht, könnte Iny Lorentz’ neuer Heldin Tilla auf ihrer abenteuerliche Reise folgen, an deren Ziel sie den letzten Willen ihres Vaters erfüllen will.

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