Verlagsgruppe Droemer Knaur



Forensische Methoden

Einleitung

Spuren sichern & Beweise finden

Eine Leiche wird gefunden. Erschossen, erstochen, erstickt oder erschlagen. In einer Wohnung, vergraben im Wald, versenkt im See oder versteckt in einer Höhle. Oft unmittelbar nach der Tat, manchmal aber erst auch Jahrzehnte danach. In jedem Fall ist die Aufgabenstellung die gleiche: den Täter zu finden. Dabei stehen den ermittelnden Beamten heute ein großes Team an Spezialisten von Tatortexperten, Gerichtsmedizinern, Biologen, Chemikern und Waffen-Experten zur Seite. Ihre Aufgabe: Spuren zu sichern und objektive Beweise zu finden.

Die Vorraussetzung dafür ist, den Tatort nicht zu kontaminieren, also selbst keine Spuren zu hinterlassen. Einweg-Schutzanzüge – glatt und antistatisch, mit Kapuze garantieren das. So ausgestattet wird zunächst der Tatort ausgeleuchtet und fotografiert, dann beginnt die Detailarbeit – oft auf allen vieren: Die Spurensucher fahnden auf Gläsern und Türklinken nach Fingerspuren, in jeder Ritze nach biologischen Hinterlassenschaften der Täter, nach Fasern und Speichelresten. Fast alle Straftaten, vor allem Sexual- und Tötungsdelikte hinterlassen Biospuren – in Schweiß, Sperma und Blutresten. Gesammeltes Material kommt in Ampullen und Vakuumverpackungen. Spezielle Staubsauger saugen Kleiderfasern auf. Klebebänder sichern Mikrospuren.

Nach der Sicherung sämtlicher Spuren, geht es an die Analyse. Fingerabdrücke, die durch bestauben, besprühen, durch Lichttechniken oder durch bedampfen sichtbar gemacht wurden, werden in das sogenannte Afis (Automationsunterstütztes Fingerabdruckidentifizierungssystem) eingegeben und ausgewertet. Ähnlich wird auch mit Fuß-, Ohren- und Lippenabdrücken verfahren. Biospuren werden mit der DNA-Datenbank abgeglichen. Textilfasern, wie etwa von Kleidungsstücken, Teppichen, Handtüchern oder Decken werden im chemischen Labor untersucht. Dabei dringen die Wissenschaftler in das Innenleben der Fasern ein und behandeln sie mit dem Infrarot-, dem UV- und dem Fluoreszenzspektrum. So kann eine Übereinstimmung mit Fasern von der Leiche zu Textilien hergestellt werden.

Eine relativ neue Methode bei der Spurensuche ist die "bloodstain pattern analysis", also die Blutspuranalyse. Allein die Größe und Form einzelner Tropfen auf dem Boden, der Wand, der Decke geben Antwort auf zahlreiche Fragen: Welche Waffe hat der Täter benutzt? Mit welcher Wucht, welcher Geschwindigkeit ist das Blut gespritzt? Aus welcher Richtung kamen die Tropfen? Wo hat die Tat begonnen? Blut kann aus einer Wunde fließen, tröpfeln oder durch die Luft spritzen. Dabei hinterlässt es immer ein Muster. Die kanadische Staatspolizei hat mittlerweile eine Software entwickelt, die Richtung, Flugbahn, Fließgeschwindigkeit und Größe eines Tropfens ermittelt.

Zeitgleich mit der Spuren-Analyse wird die Leiche selbst penibel untersucht. Bei der Autopsie wird sie vermessen, gewogen, Hautfarbe, Hautkonsistenz, Haare und Zähne begutachtet. Anschließend werden Kopf, Brust und Bauchhöhle geöffnet, alle Organe entnommen und begutachtet, sowie Blut, Speichel und Magen/Darm-Inhalt entnommen und im Labor untersucht. Bis zu zehn Stunden steht der Pathologe dabei am Seziertisch. Zur Identifizierung der Leiche werden neben Fingerabdrücken, Narben, Tätowierungen, Knochenbrüche und früheren Operationen vor allem Zähne herangezogen. Denn diese sind so widerstandsfähig, dass sie zum Beispiel auch bei Brandopfern häufig noch intakt sind. Anhand von Röntgenbildern können die Plomben und der Zustand der Zähne mit Unterlagen von Zahnärzten verglichen werden.

Der Toteszeitpunkt wird in der Regel durch die Temperatur, das Erscheinungsbild der Totenflecken und die Ausprägung der Totenstarre bestimmt. Diese Parameter helfen jedoch nur bis etwa drei Tage nach dem Tod, danach sind sie nicht mehr verwertbar. Hier kommt oft die forensische Entomologie ins Spiel. Durch die Analyse von Insekten, die den toten Körper befallen haben, kann die Leichenliegezeit exakt bestimmt werden. Denn vor allem Leichen, die im Freien liegen, werden sukzessiv von bestimmten Insektenarten besiedelt. Die Zusammensetzung dieser Insektengruppen, sowie deren Alter und Größe sind typisch für ein bestimmtes Stadium des Zerfalls der Leiche, da jede dieser Tierarten die Leiche zu ganz bestimmten Zeiten als Nahrungsquelle, Brutstätte und Lebensraum nutzen und diese danach verlassen.

Ist ein Verdächtiger gefunden, werden nun alle Spuren abgeglichen. Und im besten Fall der Täter einwandfrei überführt.

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