Verlagsgruppe Droemer Knaur



Das Profiler ABC

Von A bis Z, die gebräuchlichen Begriffe des Profiler Alltags

A: Abgründe der menschlichen Seele: § 1 des Profilings: Menschliche Abgründe sind unermesslich ...


B: Bundesrepublik Deutschland: Der berühmteste Serienmörder der BRD war der Hannoveraner Fritz Haarmann. Er hat 24 Jungen ermordet, zerstückelt, zu Wurst verarbeitet oder in die Leine geworfen. Seine Gespräche mit dem Psychologen Prof. Dr. Ernst Schultze wurden in dem Film „Der Totmacher“ mit Götz George verfilmt. Haarmann wurde 1925 zum Tode verurteilt, sein Kopf wurde der Forschung zur Verfügung gestellt und befindet sich zurzeit in Göttingen. Verewigt wurde Haarmann auch in dem Kinderreim:

Warte, warte nur ein Weilchen,
bald kommt Haarmann auch zu Dir,
mit dem kleinen Hackebeilchen,
macht er Leberwurst aus dir.


C: Clouseau, Inspector: Wusste von den Methoden des modernen Profilings noch nicht viel und tappte alias Peter Sellers daher verdammt oft im Dunkeln.


D: Dichtung und Wahrheit – nach diesem Motto mordet ein Serienkiller in Val McDermids Roman Erfinder des Todes. Seine Opfer: die berühmtesten Thrillerautoren Englands. Seine Methode: so einfach wie genial. Denn die Auserwählten sterben so langsam, so raffiniert oder so brutal, wie sie es in ihren Büchern minutiös beschrieben haben. Profilerin Fiona Cameron ermittelt ...


E: Entscheidungen des Täters: Ein Täter muss unzählige Entscheidungen treffen. Jede einzelne ist Ausdruck seines Verhaltens und lässt auf sein sonstiges Leben schließen.


F: Forensik (von lat. Forum = der Marktplatz). Früher wurde der Strafvollzug öffentlich auf dem Marktplatz durchgeführt. Daher bezieht sich das Wort forensisch auf alles, was gerichtlichen oder kriminologischen Charakter hat (Forensische Medizin, forensische Psychologie). Fachleute für Forensik untersuchen Beweisstücke beispielsweise auf „biologische“ Spuren (Blut-, Schweiß-, Sperma- oder Speichelreste, Haare oder Hautschuppen) und helfen per „Gentest“ bei der Täterermittlung.


G: Gedankenwelt von Psychopathen: Profiler müssen sich in die abgrundtiefe Gedankenwelt von Psychopathen versetzen und nach Vorgehensweise, Motiven und Fantasien fragen.


H: Handschrift des Täters: Der Täter hinterlässt nicht nur seinen „genetischen Fingerabdruck“, sondern seine Vorgehensweise bei der Tat zeigt immer eine ganz besondere Handschrift. Diese ermöglicht es Profilern, Zusammenhänge zwischen einzelnen Taten herzustellen.


I: Inneres Drehbuch: Mörder folgen oftmals einer Art innerem Drehbuch. Sie entwickeln bestimmte Fantasien und gehen bei der Tat gemäß ihrer vorfantasierten Handlung vor und verfeinern ihre Vorgehensweise von Mal zu Mal. Profiler müssen diese persönlichen Fantasien von den rein pragmatischen Handlungen abgrenzen, um so Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Täters ziehen zu können.


J: Jack the Ripper: Wer war Jack the Ripper? Das ist wohl eine der am häufigsten gestellten Fragen der Kriminologie des 20. Jahrhunderts. Fakt ist, dass zwischen August und November 1888 in Londons East End-Stadtteil Whitechapel fünf Prostituierte auf grausame Weise ermordet und verstümmelt wurden. Jack the Ripper wurde nie gefasst und noch heute gibt es Spekulationen um seine Identität.


K: Karriere: Auch Kriminelle machen Karriere, die Hemmschwelle wird von Tat zu Tat geringer, die Vorgehensweise immer extremer.


L: Leichenöffnung, auch Sektion, Obduktion oder Autopsie genannt: die pathologisch-anatomische Untersuchung der Leiche zur Klärung der Todesursache. Bei einer Autopsie werden die Hohlräume des Körpers geöffnet, so dass die inneren Organe untersucht und ggf. Proben entnommen werden können. Brustbereich und Bauchhöhle werden dabei durch den sogenannten Y-Schnitt geöffnet. Rechtlich gesehen ist die Autopsie keine Körperverletzung, sondern Sachbeschädigung. Sie wird folglich nur als Ordnungswidrigkeit geahndet, wenn sie gegen den Willen der Angehörigen durchgeführt wird.


M: Modus Operandi: Wer den Täter überführen will, muss die Vorgehensweise des Täters und seine Motivation verstehen. Wie oft hat der Täter wann und warum auf welche Weise getötet?


N: Nicht Notwendiges: Alles, was für die Ausführung der Tat nicht unmittelbar notwendig war, ist besonders interessant!


O: Organisiert oder Unorganisiert. Das ist hier die Frage! Organisierte Täter besitzen meist eine höhere Bildung, leben in einer festen Partnerschaft, sind sozial angepasst und unauffällig. Unorganisierte Täter sind dagegen merkwürdige Eigenbrötler und leben in der Regel gesellschaftlich isoliert.


P: Profiling: Berühmt wurde die kriminalpsychologische Wissenschaft durch den Film Das Schweigen der Lämmer mit Jodie Foster und Anthony Hopkins. Seit gut 30 Jahren machen in den USA speziell ausgebildete Psychologen Jagd auf Serienmörder. Doch auch in Deutschland bedient man sich seit ca. fünf Jahren dieser Methode.


Q: Quo vadis – Hier stellt sich nicht die Frage „Wohin gehst Du“, sondern vielmehr „Woher kommst Du“. Untersuchungen haben ergeben, dass viele Serienmörder aus zerrütteten Familien stammen und in ihrer Kindheit meist selbst Opfer waren. Sie entwickeln Fantasien, in denen sie mächtig sind und andere schlagen oder töten. In Ein kalter Strom von Val McDermid trifft Profiler Tony Hill auf einen Psychopathen, der als Kind von seinem Großvater schwer misshandelt und gedemütigt wurde. Aus Rache quält er seine Opfer und ertränkt sie anschließend. Mit Vorliebe bestraft er Psychologen dafür, dass sie in anderer Leute Seele herumpfuschen. Auch Profiler Tony Hill gerät ins Visier des Serienkillers ...


R: Rituale: Serienmörder sind kalt, gemütsarm und abgestumpft. Sie sind durchdrungen von latenter Tötungsbereitschaft. Morde geben ihnen das Gefühl, zu leben. Um ihrer gestörten Psyche regelmäßig Befriedung zu verschaffen, entwickeln sie bestimmte Rituale.


S: Serienmörder: Was unterscheidet einen Serienmörder von gewöhnlichen Gewaltverbrechern? Ein Serienmörder hat mindestens drei Mal getötet und begeht seine Taten bewusst, d.h. er hat die Motivation zu töten und wählt im Unterschied zum Massenmörder seine Opfer gezielt aus. Der Prototyp eines amerikanischen Serienmörder ist weiß, männlich, hat einen IQ über 125 und fiel bereits als Kind oder Jugendlicher auf. Für Deutschland gelten andere Kriterien. Hier ist der durchschnittliche Serienkiller ledig, kinderlos und verfügt über ein geringes Bildungsniveau. Er ist labil, egozentrisch und ein sozialer Außenseiter.


T: Täter: Beim Profiling wird nicht der Täter gesucht sondern Täterverhalten. Profiler schauen in die Seele der Serientäter.


U: Unterschiede zu Einfach-Mördern: Serienmörder besitzen krankhafte Persönlichkeitsstörungen, sind sadistisch veranlagt und haben ein ausgeprägtes Machtstreben.


V: Verschwundene Dinge am Tatort liefern wichtige Erkenntnisse! Da Serienmorde in der Regel keine Raubmorde sind, sind fehlende Dinge - besonders persönliche Gegenstände des Opfers oder gar Körperteile – besonders aufschlussreich. Meist ist dann ein Serientäter im fortgeschrittenen Stadium am Werk, der diese Dinge benutzt, um die Tat zu Hause erneut zu erleben oder im Geiste für die Zukunft zu verbessern.


W: Wahrscheinlichkeiten: Trotz hoher Trefferquoten darf nicht vergessen werden, dass alle Aussagen, die ein Profiler aufgrund der Fallanalyse macht, immer auf Wahrscheinlichkeiten beruhen. Daher sollte die kriminalpsychologische Arbeit immer nur eine Komponente der kriminalistischen Techniken darstellen.


X: XY ungelöst, schon der gute alte Eduard Zimmermann war den Tätern auf der Spur.


Y: YPS-Hefte = kriminologische Früherziehung. Wer ging nicht bereits im zarten Kindesalter – ausgerüstet mit Phantombild-Folien, Detektivgürtel, Monster-Abwehr-Pistolen, Doppellupen, Survival-Zelt, Spezial-Klappferngläsern und Fingerabdruck-Set – auf Täterjagd?


Z: Zeit und Ort des Verbrechens: Kann Aufschluss über die Mobilität und Arbeitssituation des Täters geben.

Die Autorin

Val McDermid

Portrait von Val McDermid

Val McDermid, geboren 1955, arbeitete lange als Dozentin für Englische Literatur und als Journalistin bei namhaften britischen Tageszeitungen. Heute ist sie eine der erfolgreichsten britischen Autorinnen von Thrillern und Kriminalromanen.

zur Autorin

Das Buch

Ein kalter Strom

Friedrich Ani – Süden

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