Verlagsgruppe Droemer Knaur



Der Professor

Einleitung

Wahn und Wirklichkeit

Der Professor
Es ist ein Krimi, nein, es ist ein Thriller. Es ist ein harter Stoff – und doch voll zarter Momente. Und dann ist es auch ein Buch, das mit der Frage spielt: Worauf können wir zählen, was ist wirklich und was ist wahr?

Zwei Menschen sind aus ihrem persönlichen Nest gefallen, schon lange, bevor das eigentliche Verbrechen beginnt. Der eine, ein pensionierter Psychologie-Professor, hat seine liebsten Menschen, die Ehefrau Cassie und den Bruder Brian, bereits verloren – sie sind vor ihm gestorben. Und nun steht er allein da mit der Diagnose: Demenz.

In seiner Nachbarschaft lebt der Teenager Jennifer, mit seiner Mutter und dem verhassten Stiefvater. Auch sie ist allein – ihre engste Bezugsperson ist der Teddy, den ihr der leibliche Vater geschenkt hatte.

Wenn es einen gemeinsamen Nenner von diesen beiden Menschen gibt, dann ist es die Frage, wie viel ein Mensch allein sein kann, ohne einsam zu werden. Und wohin sie flüchten, die Einsamen. In welche Welten gehen sie, wer hält sie auf oder begleitet sie? Der verwirrte Mann und der ausreißende Teenager, beide stehen auf dem Sprung in eine andere Welt und sind damit die perfekten Opfer. In diesem Fall: Für ein perverses Paar.

Ein Mann und eine Frau versuchen, ihre perversen Wahnvorstellungen im Internet zum Leben zu erwecken, als grausames Spiel mit der Realität. Dieses virtuelle Spiel mit realer Handlung braucht eine Protagonistin: Jennifer.

Virtuelles wird grausame Wirklichkeit

Und als das Paar das Mädchen entführt, wird der Professor Zeuge. Ein Zeuge, der nicht mehr weiß, ob er seiner Wahrnehmung trauen kann. Hat er wirklich gesehen, dass ein Mädchen entführt wurde? Oder bildet er sich das alles nur ein? Er hat Stimmen seiner verstorbenen Frau gehört – laut seinem Arzt ein Zeichen seiner Demenz. Aber diese Stimmen halten ihn auf, als er sich verzweifelt umbringen will. Sie drängen ihn in die Realität zurück. Zwingen ihn, an seine Wahrnehmung zu glauben – und nach Jennifer zu forschen.

Doch mit der Suche nach Jennifer beginnt für ihn eine Suche nach sich selbst. Es sind seine Vorstellungen, gute Geister aus der Vergangenheit, die ihn leiten und mit denen er sich erneut auseinandersetzen muss. Seine Frau und sein Bruder sind zwar tot, aber die Beziehung zwischen ihnen und ihm ist lebendig. Zumindest in seinem Erleben:

Er drehte sich zu Brian um. „Es wird schwerer“, sagte er. „Es ist, als ob mit jedem Tag und jeder Stunde wieder ein Stück von mir dahinschwindet.“
„Deshalb sind wir ja da.“
„Ich glaube, ich bin zu krank.“
„Jetzt mach mal einen Punkt“, lachte Brian, „ich bin tot und lass mich davon nicht aufhalten.“

Und auch für Jennifer beginnt eine Suche nach einem Weg, die Gefangenschaft auszuhalten – ihr zumindest innerlich zu entkommen. Es sind ihr Teddy und die Erinnerungen an früher, die ihr die innere Flucht ermöglichen. Und so ringen hier zwei, das Opfer einer Krankheit und das Opfer einer Entführung, um einen Weg aus dem Dunkel und der Gefangenschaft. Um eine Chance, dem Wahn einen Sinn zu geben.

„Vielleicht war ihr Körper bloßgestellt worden, aber nicht sie. Es bestand ein Unterschied zwischen dem Menschen, der sie war, und dem, was sie tat. Irgendeine Doppelgängerin von Jennifer, die sie Nummer 4 nannten, machte dies oder das, während die echte Jennifer ihren Teddy festhielt und Lieder sang und herauszufinden versuchte, in was sie hineingeraten war. Sie wusste, dass es ein hartes Stück Arbeit werden würde, die wahre Jennifer zu beschützen und den Mann und die Frau, ihre Kerkermeister, in dem Glauben zu wiegen, die Pseudo-Jennifer sei echt.“

Meisterhaft, wie Katzenbach seine Protagonisten und seine Leser mitnimmt auf diesen Weg. Schaudernd für seine Leser – schlaflose Nächte garantiert!

 

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